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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Zypern erwartet eine Eiszeit

22. März 2013 , Geschrieben von R.Einloft Veröffentlicht in #Unsere Welten - unsere Probleme

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(Suchbild: Wo ist Zypern? Garfik von "Kartenwerkstatt" aus Wikipedia)

 

Gestern hatte ich geschrieben, dass Zypern pokert, um sein Wirtschaftsmodell zu erhalten. Und dieses Modell beinhaltet das Waschen von „unsauberem“ Geld. Angelockt von niedrigen Steuer und einem guten Ruf als Geldwäscherparadies bunkern dort Russen, Ukrainer, Griechen, Engländer und andere ihr Geld. Besonders interessant scheint dieses Waschmöglichkeit für russische Oligarchen zu sein. „Der Bundesnachrichtendienst schätzt, dass russische Bürger rund 26 Milliarden Dollar bei zyprischen Banken gelagert haben. Dass es sich dabei um Schwarzgeld handelt, weist die Regierung in Nikosia vehement zurück.“(Spiegel) Jo, muss sie wohl.


Schwarzgeld fließt nach Zypern, wird dort umdekliniert und von zurückinvestiert. Einer Studie des Global Financial Integrity (GFI) zufolge flossen im Jahr 2011 90 Milliarden Dollar aus Russland nach Zypern, in demselben Zeitraum wurden 100 Milliarden Dollar gen Moskau transferiert. Zypern, das kleine Land Zypern mit einem Bruttosozialprodukt kleiner als das Saarland, zählt zu den größten Auslandsinvestoren Russlands. Dem GFI zufolge ist das nur durch unterschlagenes Geld aus dem Rohstoffverkauf möglich, das über zyprische Ableger russischer Energiekonzerne erst auf der Insel gewaschen wird und dann als Direktinvestitionen wieder nach Russland gelangt. (zitiert nach  "Süddeutsche Zeitung" und Spiegel Online).
Den ersten Teil der Pokerrunde hat die EU verloren. Diesen Schwarzgeldbunker anzuzapfen, zu einen Beitrag zur Sanierung der Banken, die so wertvoll für sie sind zu zwingen, war eine gute Idee. Der Fehler lag hier: Die überwiegend konservativen EU-Wirtschaftsminister hatten Verständnis für ihren zyprischen Kollegen, dass die Großen doch bitte nicht alleine zahlen. Und damit hatte Zypern den berechtigten Zorn der Kleinsparer am Hals und letztendlich eine prächtige Ausrede, den Auflagen der EU nicht zu zu stimmen.


Alle Krisenländer haben jahrelang mit einer nicht ausgewogenen Wirtschaftspolitik Schulden aufgehäuft. So lange Europa keine zentrale Wirtschaftspolitik betreibt und unter diesem Dach die Länder nach gemeinsamen Regeln wirtschaften (und im Notfall zurückgepfiffen werden können), so lange sind alle Rettungsversuche der gemeinsamen Währung nur Flickwerk.

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Joachim 03/26/2013 09:28


Hallo RE,


von den Geldeinlagen und -wäsche der Russen u. a. in den beiden großen Banken hat doch wohl die zyprische Bevölkerung wenig prifitiert. Mit dem Tourismus lässt sich gut verdienen. Das sollte
reichen für solch' ein kleines Inselland.


Herzl.Gruß von den noch vereisten sieben Seen.


Joachim

R.Einloft 03/26/2013 13:04



Nein, von den Einlagen direkt nichts. Aber die überdimensionierten Banken mit ihren Zweigstellen in der ganzen Welt (bis Ukraine und SA) waren gute Arbeitsbeschaffer, die Stellen fallen jetzt
weg. In Zypern gibt es jede Menge Niederlassungen und Gründungen von Holding- und anderen Gesellschaften, die Gelder zurück transferierten. Täglich kamen Privatflüge, hauptsächlich aus Rusland
und Ukraine an, die mussten betreut und versorgt werden. Alles Stellen. Und dann trugen die Banken zu 40% zum BSP bei, waren demnach die größten Finanzier auch des zyprischen Systems. Na ja, so
geht das weiter. Das muss jetzt alles umgestellt werden, die können mit ihrer Geldwäsche nicht einfach weiter machen.


Gruß an die vereisten 7 Seen (da musst Du ja im Haus tropische Temperaturen haben bei solchen Orchideen)


RE