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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Camino Portugues IV

9. September 2017 , Geschrieben von REinloft

Camino Portugues IV
Camino Portugues IV

Samstag, den 9. September 2017
Ich hab eine App, die den Camino anzeigt und wie ich laufen muss und meine Position. Gestern bin ich so weit außerhalb gelandet, dass mein Programm mich nicht mehr findet. Die Leute reden auch mehr Spanisch.

Morgens: zauberhafte Schlucht, Pinienwald, Wasserfälle, Steinbrücke aus großen Quadern und dann war der Zauber vorbei. Es ging steil bergauf kilometerweit. Leichtfüßig überholten sie mich, die schnellen Pilger. Deshalb krieg ich Abends keine Herberge. Sie sind, wie beim Hasen und Igel, allweil schon da.
Von wegen, ich wandere alleine! Die volle Herberge gestern Abend hatte 40 Betten. Unterwegs schwirren sie herum wie Schmetterlinge.

Meilenweit Eukalyptuswälder. Es riecht wie in Quito

Ich versuche, die Philosophie von Till Eulenspiegel anzuwenden. Wenn es den Berg hoch ging, war er froh, gings runter, traurig. Auf die Frage warum, hat er gesagt: aufwärts gehend freue ich mich, dass es drüben runter geht und wenn es runtergeht, denk ich immer daran, dass es irgendwann wieder aufwärts gehen muss.

Zwei alte Leute retten mich, mir war schon schwindlig. Den ganzen Morgen weder Wasser noch Kaffee, ich dachte immer da kommt eins gleich, aber auf dem Pfad war nix. Unten auf der Hauptstraße sagen die zwei alten Leute. Hätte ich mir ja denken können. Auf die Frage nach dem nächsten Kaffee erklärten die Beiden, hier über den Hügel, 2 km, dann kommt es. Was kam, war der Ort. Der hieß so.
Mit dem Portugiesisch ist es wie mit dem Laufen. Ich muss mich eingewöhnen. Sind ja auch schon 20 Jahre her seit Rio.(Stimmt nicht ganz, in Mosambik die 3 Monate beim Bischof brauchten wir es ebenso).

In Chafe’ war Fest. Bin der Musik nachgegangen und oh Wunder, ich wurde erlöst.
Mittagsschlaf im Eichenwald. Ein kalter Wind weht.

Ein eleganter Mann mit Hemingway-Bart jagt Gespenstern hinterher. Er rennt aus dem Lokal auf die Straße, schimpft mit Unwesen, rennt zurück, trinkt seinen Aperitif weiter, schimpft gestikuliert mit der Ecke - und niemand stört es. Das ist normal, beruhigt uns ein Mann.

Am Strand entlang war es ein schöner Steg, seit heute Pilgerpfad über Stock und Stein, durch Wälder, Felder, enge Dorfgassen. Gefällt mir besser

Manchmal stellt sich die Leichtigkeit des Seins ein, oft aber trifft mich die Härte des knarzenden Bewegungsapparates. Zumindest dann, wenn sie wie die Gemsen an mir vorbeispringen und ich mich fühle wie eine Dampfwalze. Weh der Schnecke, die mir den Weg versperrt.
Der Psychotherapeut hatte mich zur Gruppe für das Klettergerüst eingeteilt. Wie gewohnt überwandte ich die Angst, kletterte vor und turnte ganz oben rum. Am nächsten Tag ermahnte er auch mich, auf die Gefühle zu achten. Siehe da, ich lernte, ohne Angst auf der untersten Etage rum zu turnen steigerte mein Wohlbefinden ungemein. Ich musste nicht immer vornweg agieren, und dabei könnte es mir besser gehen. Diese Lektion scheine ich vergessen zu haben. Ich möchte auch Gemse sein. Zumindest Hirsch.

16:00 Uhr Viana do Castelo. Endlich ein Bett. Ich sag ja, die Gemsen. In den Herbergen alles belegt. Sogar die Hotels. In einem nachgehakt, da hatte er noch ein Appartement in der Stadt. Es ist riesig, mit Küche und unten dudelt die Musik von der Straße hoch.

Von den Bergen ging es runter zur Flussmündung, 800 m lang die Stahlbrücke über den Rio Lima, gebaut von Eiffel. Wo der nicht alles seine Spuren hinterlassen hat! Sogar in Südamerika habe ich Bauwerke von ihm gesehen.

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