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Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Camino Portugues V

10. September 2017 , Geschrieben von REinloft

Camino Portugues V
Camino Portugues V
Camino Portugues V

Sonntag, den 10. September 2017, Viana do Castelo nach Ancora.
Gestern Abend Bacalhau in Knoblauchsoße-köstlich! Nur der Wein war zu gut und tut mir nicht gut. Es muss auch mal gelitten werden. Wer nicht gut läuft soll wenigstens gut essen.
Das einpacken morgens dauert. Alles muss in Plastik eingewickelt werden wegen wenn's mal regnet oder der Ordnung halber. Von allem zwei, hat man mir gesagt. Zwei paar Strümpfe, zwei Unterhosen, zwei Hemden, zwei Hosen. Gebrauchtes wird abends gewaschen und wenn es nicht trocken ist am nächsten Morgen mit Sicherheitsnadeln an den Rucksack geklemmt.

Der Weg führt durch kleine Gassen mit Bruchsteinen gepflastert, in der Ferne hört man das Meer rauschen. Heute zwickt die Schulter. Besser als die Hüfte. Mit Tabletten geht es. Die Treppe herauf kreucht eine ältere Dame begleitet von ihrer Katze die ein Glöckchen um den Hals hat. Ich sitze auf der Treppe, das Kätzchen kuschelt sich an mich. Sagt die Frau, ach was für ein Kuschetier.

Viana (do Castelo) kann ich mir gut merken. Hat schon Moser gesungen: Die Viana braucht ma garnicht erst in Stimmung bringen.

Der Drang unbedingt den nächsten Ort und das Ziel zu erreichen, lässt nach. Wenn ich Lust habe, trödel ich herum. Geruch nach Piniennadeln, Eukalyptus, Heu. Der Weg nun eine Straße am Berghang entlang. Doch nach 1 km zweigt der Pfad ab in ein klitzekleines Gässchen. Ein Pärchen, quadratisch, kurz, dynamisch, er mit nacktem Oberkörper, eilen schnellen Schrittes den Berg hinan. Was für eine Power. Kann mir vorstellen, dass die zu denen gehören, die am Tag 40 Km gehen. Unbegreiflich für mich. Mir wurde glaubhaft versichert, dass es sie gibt.
Ich habe gelernt. Frühstück auf Portugiesisch (Brötchen mit Butter und starkem Kaffee) in Viana, Wasser mitgenommen, Mittags Salat mit Brot in Carreco (wo ist das verdammte c mit Schwänzchen?) und jetzt noch mal 10 Km weiter.
Sonntag Mittag. Stille auf dem Camino. Von Ferne rauscht das Meer. Die Männer sitzen im Café, vereinzelt Frauen auf Nachbarschaftsbesuch. Sonst nichts. Eine Katze schreitet gravitätisch über die Mauer, in der Ferne kräht ein Hahn, ein Vogel singt im Gebüsch und die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Wieder so ein zauberhafter Wald. Es riecht nach Griechenland. Ich bin allein. Ein Dutzend Pilger sind seit heute Morgen an mir vorbei. Jetzt kommt keiner mehr. Ich bin das Ende der Schlange. Lass fahren dahin…(war Luther auch auf dem Camino?)

Vom Wegesrand geglaubter Apfel schmeckt leicht säuerlich und stillt den Durst. Ein kleiner Bach gluckert die Felsen hinunter. Die Strecke schlaucht mich. Es geht abwechselnd auf – und abwärts. Zum Glück viel durch schattige Wälder. Kleine Orte werden am Rand umgangen. Der Weg ist abwechslungsreich.
Sie ist da im Eukalyptuswald auf Olga lieb zu splitten (diktiert hatte ich: Siesta im Eukalyptuswald auf Eukalyptusblättern liegend)

Auch typisch für den Camino: durch die Orte begleiten einen die Bellkonzerte wütender Hunde. Hoffentlich kommt nicht einer mal frei.
Und dann lag Ancora unter mir und dann ging es nur noch Berg hinab und dann konntest du einen springen sehen. Das war ich, die Gemse.
Es zog sich doch noch

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