Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte

Camino Portugues XI

16. September 2017 , Geschrieben von REinloft

Camino Portugues XI
Camino Portugues XI
Camino Portugues XI

Samstag, den 16. September 2016. Redondela - Pondevedra
Gestern Mittag dachte ich, jetzt geht's bergab (mit Unpässlichkeiten). Doch dann gings weiter und körperlich aufwärts mit der Herberge als Ziel (auch als Steigung). Vielleicht war das so wie mit unseren Kühen. Wenns Richtung Stall ging, wurden sie munter.

Die Costa-Route war bisher landschaftlich die schönste. Über die Holzstege am Wasser entlang, später in die Berge auf schmalen Pfaden, kleine Orte streifend, dann wieder abwärts und an der Küstenlinie entlang. Auch sind hier viele Pilger. Unterwegs sieht man mehr mehr als Spanier.

Gut dass ich gestern die 4 km weiter gegangen bin. Heute steigt der Weg lange steil. Sie haben Fichten geschlagen. Es riecht gut. Auf der Höhe die große Tafel mit den vielen Jakobsmuscheln. Hier kann sich jeder verewigen. Ich hatte weder Marker noch Lust. Ein kleines Schild rechts unten - letzten Monat hat sich hier ein junger Mann mit dem Fahrrad zu Tode gebracht. Es geht weiter durch einen herrlichen Wald, doch der Berg da drüben sieht noch höher aus. Links zwischen den Bäumen taucht ein Meerarm auf. Malerisch. Es geht abwärts (nach Till Eulenspiegel nicht gut). Ein wunderbarer Morgen. Frühes Sonnenlicht liegt über der Bucht, es riecht nach Ginster und ich wandle zwischen Eukalyptusbäumen. Die Genusszeit verlängert sich jeden Tag. Glück und Beschwernis geben sich bei meinem Camino die Hand.

Nein, es ist keine geschlossene, beschwerliche Veranstaltung mit einem Ziel und danach wieder Freiheit (M fragte). Es ist nicht Santiago, das von Interesse ist. Es ist auch nicht das nächste Ziel (obwohl man sich manchmal um die nächste Übernachtung kümmern sollte, gestern Abend erfahren, dass in Pontevedra alle Herbergen belegt sind. Gerade noch mal ein Platz in einem kleinen Pilgerhotel gefunden). Es ist die nächste Steigung die interessiert, es ist der Wald um einen rum, es ist die Stadt, durch die man latscht, es ist der Körper, es ist das Bein, es ist der Nerv (der nicht nervt), es ist der Augenblick und der nächste Moment. Und höchstens die Frage, wie weit komme ich heute. Und wieviel Km sind das noch.

Die schönste Strecke bisher. Über einen Berg, hinab zum Fjord, eine alte Steinbrücke, Häuser spiegeln sich im Wasser und Boote, durch eine mittelalterliche Stadt aus Steinquadern, verwinkelte Gassen hinauf und hinab ins Tal ein schmaler Pfad. Jetzt sitze ich an einem Bächlein das munter murmelt und esse eine Banane.

Anscheinend geht es wieder so wie bei unserer Fahrradtour von Siena nach Rom. Da haben wir mittags eine Kleinigkeit und abends mehrgängig gegessen. Und hatten hinterher in Rom drei Kilo zugenommen. Ich mach das genauso hier und merke, dass der Riemen klemmt.

Über dicke Steinquader geht es wieder bergauf durch Buschwerk und hohem verbranntem Farn.

Die beiden schwedischen Ladys haben einen richtigen Pilger kennen gelernt. Es war ein Portugiese, der ein Gelübde abgelegt hatte. Nach sechs Jahren Ehe hat seine Frau vor einem halben Jahr den erwünschten Sohn geboren. Jetzt ist der auf dem Weg und trifft beide in Santiago. Ich gehe, um die langsame Fortbewegung zu erfahren, die Eile mit Weile zu ersetzen.

Jetzt geht's noch mal richtig zur Sache und aufwärts. Das Hemd gestern Abend nicht gewaschen, jetzt habe ich den typischen Pilgergeruch. Der Mischwald aus Nadelholz, Eichen und Eukalyptus gefällt mir. So kann der Eukalyptus dem Boden nicht austrocknen und dient trotzdem als schnell wachsendes als Nutzholz.

Ist das dass Pilger Feeling wenn ich mich frage, was mache ich an jenem Morgen, wenn ich den Rucksack nicht umschnallen und los gehen darf?

Später geht es durch Weinberge und an meterhohem Kohl vorbei. In der Ferne Pontevedra. Noch keine Etappe war so leicht und wunderbar. Auch die Menschen aller Nationen. (Bis auf einen muffeligen Compatriota und einer Dame, die im Café am Wegesrand herumposaunte und gewollt und kraftvoll lachte. Ich hab tunlichst Spanisch gesprochen, damit ich nicht in dieselbe Schublade komme)
Also gut ich will nicht angeben, die letzten Kilometer die Landstraße entlang waren nicht schön und anstrengend.

Diesen Post teilen

Repost 0

Kommentiere diesen Post