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Von einem der auszog: Afrika

Saturday, 2. february 2008 6 02 /02 /Feb. /2008 13:17
M: 2.2.07:
Gestern Abend beim Abendessen waren wir wieder allein mit dem Bischof. Es ist unglaublich, was für fortschrittliche Ansichten er hat, wie wir über Themen sprechen, über die wir nur mit ganz wenigen ausgewählten Personen reden können. Über Politik, Erziehung, Philosophie. Er verehrt dieselben Menschen wie wir: Nelson Mandela, Julius Nyerere, Michael Gorbatschow (Willy Brandt kannte er nicht, hätte ihn aber sicher auch verehrt wie wir. Nur bei den Päpsten waren wir ande-rer Meinung). Und er erzählte uns, wie unangenehm ihm das ist, wenn Leute vor ihm niederknien. Dass er anfangs immer versucht hat, sie daran zu hindern, dass das aber auch nicht gut war, weil die das so wollten.
Ja, und dann hat mir R. etwas eingebrockt: als er sagte, er würde gerne Deutsch lernen, bot ihm R. an, ich könnte ihm Unterricht geben. Ich wehrte ab, dass ich hier kein Material hätte und es nicht einfach ohne alles machen könnte, aber der Bischof meinte, er hätte ein deutsches Buch, das wir für den Unterricht gut nehmen könnten: die Bibel!
Jetzt hab ich den Salat!

R: Ein Medikament gegen Zahnfleischentzündung war nicht zu kriegen – aber die Geschwister in Deutschland hatten schnell auf die Anfrage reagiert: Zahnärztin gefragt, nein, es kann eigentlich kein neuer, eben erst entfernter Eiterherd im Kiefer sein, kühlen sei angebracht, aber wie? Eis gibt es nicht, es würde auch sofort schmelzen. Salz- und Kamillespülung seien Alternativen, Kamille gibt es auch nicht, aber Salz. M hatte ihre medizinische Zahnpasta mit, die war auch gut. Jetzt geht es weg. M war sehr besorgt wegen der Entzündung oberhalb der Oberlippe.

R: Wir erlaufen uns die Stadt. Afrika pur im Viertel am Strand mit Rundhütten und Menschen, die auf Matten sitzen. Armut. Wir werden angesprochen zu hel-fen und können nicht. Wie denn. Wir sind die einzigen Gringos und auffallend wie bunte Hunde.
Gestern den ersten Teil des Tagbuches versandt. Wir sind gespannt auf die Re-aktionen von zu Hause. Es kommt nichts, das Internet ist ausgefallen.

4.2.M Die Trompete von Jericho
Gestern wurde die Weihe vierer Missionarinnen gefeiert. Die Kirche war prop-penvoll, ca 400 bis 450 Menschen. Der Bischof zog mit seiner Entourage, 12 Priester vorneweg, seine Cheerleaders hinterher (junge Mädchen und Frauen in Capulanas, T-Shirts und Blume im Haar), tanzend und singend, und den vier No-vizinnen, unsichtbar unter Capulanas verborgen in die Kirche ein. Capulanas werden hier die Kangas genannt. Wer die Kirche betrat und nicht anständig ge-nug gekleidet war, bekam ebenfalls ein Tuch überreicht, um sich zu verhüllen. Das Programm war lang und der Höhepunkt war das Gelübde der vier Mädels und ihre Weihe. Dann wurden ihnen die Capulanas abgenommen, sie standen da in ihrer Schwesterntracht und waren fertig. Das wurde untermauert von lautem Jubel und dem typischen Freudentriller der Frauen. Die Stimmung kippt bei so einer Messe innerhalb von Sekunden: eben noch feierlich und mucksmäuschen-still, im nächsten Augenblick Trommeln, Tamburine, ein Antilopenhorn, das sich anhört wie die Trompeten zu Jericho, das Harmonium und Gesang, Klatschen und Tanzen der 400 Besucher. So werden auch die viereinhalb Stunden nicht langweilig. Aber heiß. Der Bischof sitzt vorne in seiner üppigen Verkleidung und wischt sich bei jeder freien Minute mit einem großen Taschentuch das Gesicht.
Das verteilte Textheft zum Mitsingen hatte 30 Seiten. Viereinhalb Stunden dau-ert der Zinnober. R sitzt auf der Treppe und übt sich im Warten.

R: Hatte keine Lust mehr auf Kirche. Da wurde noch gefeiert und gegessen. Wollte lieber das kleine Lokal die Strasse runter mal ausprobieren. Aber es war zu. Das nächste auch. Alles zu. Alles. Nur eine Bäckerei offen. Da hab ich mir ein Brötchen gekauft und Salzkekse. Ess eh zuviel.

Heute war Gedenktag für die Helden des Kolonialkrieges aber da heute eh schon Sonntag und Feiertag ist, wurde der Heldenfeiertag auf morgen verlegt

R: Königinnen
Gewitter, schwül. Morgens um 8.00 schon brütend heiß. Ich laufe am Gouver-neurpalast vorbei bis zum Friedhof, dann das Strasse runter bis zum Sandweg und den zurück, ein Stück an Feldern mit arbeitenden Frauen vorbei und beim Geheimdienst komm ich wieder hier an der Ecke raus. Überall Menschen die ar-beiten, sitzen, Gruppen von Frauen – einige Männer dabei - holen Wasser. Sie schreiten wie Königinnen mit ihrem vollen Kanister auf dem Kopf. Wasserknapp-heit zwingt sie weit zu laufen.

M: Unsere Duschen tröpfeln vor sich hin. Natürlich gibt es kein warmes Wasser. Es gibt kleine Durchlauferhitzer am Duschkopf, aber die sind nicht angeschlos-sen. So ein dünnes kaltes Rinnsal zum Haare Waschen ist unangenehm und dauert..

R: Alle Vorplätze, zumeist die Straßen, auch wenn sie aus Sand sind, werden peinlich sauber gefegt. Das scheint eine afrikanische tägliche Arbeit zu sein. Wir haben es auch in Tansania auf den Dörfern gesehen.

R: Runter vom Bürgersteig
Am 2. Tag sind wir den Bürgersteig entlang am Gouverneurspalast vorbei gelau-fen. Nicht lange, die Bewachung mit ihren Schnellfeuergewehren hat uns umge-hend auf die Straße verwiesen. Niemand darf den Bürgersteig um den Palast herum benutzen. Er könnte ja ein Volksfeind sein. „Einheit, Arbeit und Wach-samkeit“  steht noch immer auf der Frelimo – Mauer mit den Präsidentenköpfen. Während des Krieges gegen die Portugiesen und die Rebellen der Renamo war das sicher gerechtfertigt. Jetzt meint es wohl eher Wachsamkeit gegenüber dem Machtverlust. Die Partei hat für einige hohe Amtsträger Reichtum und Wohlleben gebracht. Ach was für ein Schrott.
M: zuerst hat die Frelimo den „Sozialismus“ eingeführt, die Reichtümer verstaat-licht. Als die Weltbank Bedingungen stellte, haben sie wieder privatisiert. Jetzt sind einige von ihnen sehr reich.
Frelimo war für mich ein Synonym für Freiheit in Afrika. Jetzt leidet das Land an Korruption und Vetternwirtschaft. Die Padres berichten, dass jeder, der ein Zip-felchen Macht hat, die Anderen darunter leiden und sie warten lässt. Und Geld damit macht.

R: Guten Morgen Papa
Ich grüße wie in Hommertshausen nach links und rechts. Die Menschen sind nett und es könnte sein, dass einer mich kennt oder weiß wo ich hingehöre. Die Frauen auf dem Feld rufen auf Kisuaheli Karibu Mbwana, Willkommen Herr, eine Frau wünscht mir einen Guten Tag mit Buen Dia Papa. Jaja. Vergesse immer, dass ich schon 64 werde.

R: Tropenregen mach mich groß, ich bin ein kleiner Hutzelkloß
Es regnet was es regnen kann. Mit Eimern schüttet es vom Himmel. Wer jetzt eine Zisterne hat, kriegt Wasser die Fülle. Der ausgetrocknete Boden kann das viele Wasser kaum aufnehmen. Die halbe Nacht durch strömt der Regen gleich-mäßig vom Himmel und tränkt die trockene Erde. Das Land freut sich. Dann a-ber ist es wieder heiß. Ich höre, die richtige Regenzeit fängt erst im März an.

M: Zu unserem Tagesablauf wollte ich noch etwas berichten: wir joggen mor-gens kurz nach sieben (ab acht Uhr ist es zu heiß) und frühstücken Pulverkaffee mit Milchpulver und Weißbrot mit Marmelade. Wir haben eingeführt, dass es immer etwas Obst gibt, meist Papaya oder Mango.
Ab 9 Uhr haben wir Interviewtermine mit den Leuten, die hier arbeiten oder au-ßerhalb in den Projekten oder wir arbeiten in dem Projektbüro für „Nachhaltige ländliche Entwicklung“, wo zwei Fachleute ihre Zeit absitzen, denn das Projekt kann nicht losgehen, ehe das Geld von „Misereor“ ankommt. Dort habe ich ges-tern neue Ordner angelegt und sämtlichen Papierwust, der sich schon ange-sammelt hatte und teilweise in Briefumschlägen aufgehoben wurde, einsortiert.
Mittags um halb eins gibt’s Essen, danach, je nach Arbeitsanfall arbeiten wir noch eine Stunde oder wir gehen gleich in unsere Zimmer und halten Siesta. Es ist so heiß, dass man kaum was anderes machen kann. Die Geschäfte sind um diese Zeit alle geschlossen. Und gegen 16:30 Uhr berichten wir dem Bischof, beraten uns, schreiben Briefe und Anträge oder gehen mal in die Stadt, um was zu besorgen (Moskitospray!). Ansonsten werden wir ja versorgt und brauchen nichts.
Abends um 19 Uhr gibt es Abendessen und dann ist meistens Schluss. Wir beide gehen in eins unserer Zimmer und spielen und hören Hörbücher. So gegen 22 Uhr schlafe ich (meist schon beim Hörbuch). Heute muss ich unbedingt noch in die Stadt in die Bücherei und mir was zu lesen besorgen, denn es ist alles ausge-lesen. (R. hat noch ein Krimi, aber da ist er selber dran)

R: Lesen ist Götterspeise
Das 2. Hörbuch ist: Ian McEwan, Saturday. Wenn wir so weitermachen, reicht der Vorrat nicht! Gestern Abend auf dem Dach gehört. Es ist etwas kühler da. In der Ferne blitzten die Gewitter. Lesen wird zum Sondergenuss bei den paar Bü-chern, die wir mithaben. Lesen ist Götterspeise! Abends um 8:00, nach dem A-bendessen, ist der Tag vorbei, alle ziehen sich zurück, das Haus wird verschlos-sen und wir haben Zeit zum Schreiben, Spielen und für die Literatur.

R: Afrika ist nicht weit
Afrikanisch-muselmanisch ist der Stadtteil unten um die Spitze der Halbinsel herum. Rundhütten mit Spitzdächern aus Palmblättern, die kleinen Höfe einge-zäumt mit Bastmatten, Dorfstraßen aus Sand, Menschen die sitzen, reden, ge-hen, feiern, viele Kinder, die mit selbst gebastelten Spielzeugen spielen. Abends schallen die Trommeln herauf. Dahinter, den Berg hoch, fangen die festen Häu-ser an. Oben auf dem Rücken des Höhenzuges, der sich vom Flughafen die Halb-insel entlang bis zur Spitze am Hafen zieht, wohnen die wohlhabenden Pemba-ner (oder wie sie heißen) mit dem Bischofsitz und dem Gouverneurspalast ne-beneinander. Hinter uns fällt der Rain steil zum Meer ab.

R: Heureka!
Wir haben einen Schnapsladen gefunden. Bloß: jetzt schmeckt der Cognac nicht mehr. Liegt das am Fusel oder bin ich schon entwöhnt?  So was wie Whiskey mit Kakao haben wir für den Tisch gekauft.  Amarula heißt die Frucht, aus der das Getränk gemacht wird. Die reife, schon gärende Frucht wird von Elefanten gliebt. Sie berauschen sich daran und schwanken herum. Jährlich einmal ma-chen sie das, habe ich gelesen.

R:  Über den Flur in mein Zimmer.
Hab mich wieder über den Flur, Kopfkissen unter dem Arm, zurück geschlichen in mein Zimmer. Kann nicht schlafen. Freitagnacht. Draußen Trommeln und lau-te Musik die ab- und anschwillt. M muss morgen früh aufstehen. Um 6:00 will der Bischof mit ihr und den 3 Nonnen ins Innere fahren, eine Schule besuchen. Eine leichte Brise kommt auf, ganz angenehm. Heute war es wieder drückend heiß.

M, 10.2.: Als wir im Wagen saßen, morgens um sechs, die drei Schwestern, der Bischof und ich, beteten sie erst drei Ave Marias. Später merkte ich warum. Wir wollten zu einem Ort, wo der neue Pfarrer und Schuldirektor geweiht und einge-setzt werden sollte. Der erste Teil der Straße, etwa 120 Kilometer, waren her-vorragend in Ordnung, wir mussten nur auf die Menschen am Straßenrand auf-passen. Frauen mit einer Hacke und einer Wasserflasche auf dem Kopf, das un-vermeidliche Baby auf dem Rücken auf dem Weg zur Feldarbeit, Frauen mit Feu-erholz aber anders als in Tansania auch viele Männer zu Fuß oder mit Fahrrä-dern, auch sie mit Holz, Holzkohle oder Wasser und sogar Kleinkindern auf der Schulter. Auf weiter Strecke mitten auf der Schnellstraße ein kleiner Junge mit einer Fahrradfelge und einem Stock zum Antreiben war so selbstvergessen in sein Spiel vertieft, dass er uns auch dann nicht hörte, als wir zehn Meter hinter ihm eine Notbremsung machten. Die Unheil verkündenden Wolken öffneten sich und ließen alles raus, was drin war. Trotz schnellstmöglicher Scheibenwischer-einstellung war kaum noch was zu erkennen, aber außer ein paar LKWs, die das wertvolle Tropenholz aus dem Landesinneren an die Küste und zu den chinesi-schen Schiffen bringen, war kein Verkehr. Dafür saßen und knieten plötzlich Frauen und Mädchen mit Wäschebergen auf dem Straßenrand und seiften ein, schlugen die Wäschestücke auf den Asphalt, rubbelten sie, walkten sie durch, spülten sie im Regen und wrangen sie aus. Die Dörfer wurden immer spärlicher, aber als der Wolkenbruch nachließ, konnten wir sehen, wie bezaubernd grün und sanft hügelig die Landschaft ist. Und die Mango- und Cashewbäume, weit ausla-dend und einladend, darunter im Schatten zu sitzen.
Wir mussten noch einige Notbremsungen machen – der Bischof hat die Ange-wohnheit, mit beiden Händen zu reden und dem in die Augen zu sehen, mit dem er gerade spricht, auch wenn es eine Schwester ist, die hinter ihm auf der Rück-bank sitzt. Als er es gerade noch vermeiden konnte, in eine Gruppe von Leuten zu rasen, lachte er erleichtert und meinte, er sei immer so unkonzentriert beim Fahren und schlafe dabei auch leicht ein.
Nach zwei Stunden erreichten wir eine Missionsstation, wo wir schon mit Früh-stück erwartet wurden. Der Fernseher lief, die Schwester und der Priester hatten gerade den Kinderkanal eingeschaltet und einen Comic angesehen. In der Kirche hingen von einem einheimischen Künstler gemalte Kreuzigungsszenen mit einem schwarzen Christus, Frauen in Capulanas und einem offensichtlich muslimischen Folterknecht.
Die Nonne ließ uns ausrichten, dass sie seit einer Woche versucht  habe, Mehl für das Dorf zu kaufen, es aber keins mehr gebe, da nächste Woche die Preise erhöht würden und die Händler nichts mehr zum alten Preis abgäben. Wir könn-ten also nichts mitnehmen.
 
Dann begann der Weg, auf dem ich mich fragte, warum ich mir das immer wie-der antue. Ich kenne sie doch schon, die Schlammpisten, die schmalen Stege über reißenden Bächen, die abgebrochenen Ränder und Querrinnen und das Ge-fühl „jetzt geht’s schief, das hier schaffen wir nicht!“ Und nach einer Stunde bremsen, durchstarten, durchdrehen, rutschen und hoffen ging es wirklich nicht mehr weiter. Wir brauchten es gar nicht zu probieren, wir sahen, wie die halb-wüchsigen Jungen einen Bach, der quer über dem Weg verlief, als Schwimmbad umfunktioniert hatten. Sie machten Kopfsprünge hinein und Erwachsene kämpf-ten sich durch das flachste Stück, wo ihnen das Wasser bis zur Taille reichte. Eine dünne kleine Frau konnte gerade noch festgehalten und gerettet werden, ehe es sie abgetrieben hätte. Dieser Ort, zu dem wir wollten, hat natürlich kei-nen Strom, kein Telefon, keinen Handyempfang, nix. Und die Leute dort warte-ten mit einem Festessen, dekorierter Kapelle und Schule und freudiger Erregung auf uns, und es gab nicht mal die Möglichkeit, Bescheid zu sagen. Gott-sei-Dank sah auch der Bischof ein, dass es keinen Sinn hatte. Er hielt einige Leute an, die es trotzdem versuchen wollten, mit ihren Motorrädern auf der Schulter den Bach zu überqueren und ins Dorf zu gelangen und bat sie, dort zu melden, dass er seinen Segen schicke.
Ich war sehr erleichtert, ich hatte auch keine große Lust auf ein weiteres drecki-ges, verschlammtes mückenverseuchtes Dorf mit Hunderten von verschwitzten Leuten, die mir alle die Hand geben wollten.
So fuhren wir in ein Dorf in der Nähe, wo 6 Nonnen eine Schule, eine Frauenko-operative, einen Kräutergarten für alternative Medizin, einen Kindergarten und ein Jugendzentrum betreuen. Die meisten Schwestern (alle in normaler afrikani-scher Kleidung) kannte ich schon. Sie waren so freundlich, freuten sich so offen-sichtlich über den unerwarteten Besuch und ich hatte das Gefühl, in eine WG zu kommen mit lauter lieben Freundinnen. Der Bischof wollte eigentlich nur einen starken Kaffee, aber die Maschinerie lief an und ohne viel Aufhebens hatten wir alle fünf ein tolles Mittagessen vor uns stehen. Ihr Tiefkühlschrank war am Tage vorher kaputt gegangen und um die Sachen zu retten, hatten sie alles gekocht und verarbeitet.  Es gab Hähnchen und Spinat zum Abwinken, die Brasilianerin (aus Rio!) machte einen Salat, den ersten, den ich hier gegessen habe und da auch eine Italienerin dabei ist, gab es hinterher einen leckeren Espresso. Dann nötigten sie den Bischof zu einem Mittagsschläfchen, und wir ließen uns die Pro-jekte zeigen.
 Besonders beeindruckt hat mich der Garten mit den Heilkräutern und die Apo-theke, in der all die Kräuter zu Sirup, Tee, Cremes, Tinkturen und Tabletten ver-arbeitet werden. Und die Selbstsicherheit und der Stolz der schwarzen Mitarbei-terin, einer Frau aus dem Dorf.
Die Schwestern haben mich eingeladen, ich solle sie auf alle Fälle noch mal be-suchen, sie gäben mir dann auch viele Zitronengras-Pflanzen für Tee und thai-ländisches Essen mit – ja, da würde ich gerne wieder hin!
Auf dem Rückweg sahen wir uns noch zwei Projekte der Diözese an, die beide nicht funktionieren. Irgendwie läuft es immer wieder darauf hinaus, dass der Bischof sich zu wenig darum kümmern kann und auch kein Personal hat, das sowohl vertrauenswürdig als auch kompetent als auch bereit wäre, auf ange-messene Bezahlung zu verzichten.

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Monday, 4. february 2008 1 04 /02 /Feb. /2008 13:19
R: Der Muezzin um ½ 5:00 ist gnädig
und ruft nur kurz zum Gebet. Ein Hund heult dazu zum Steine erweichen. Es ist kühl geworden, der heftige Regen hat die Hitze vorerst erstickt. Ich wüsste gerne wie viel Grad es sind. Hätte gerne ein Thermometer wie Humboldt eines hatte um die Minimal- und Maximaltemperatur zu bestimmen.
Humboldt hatte seine Präzisionsinstrumente. 5 Jahre hat er unter den unmög-lichsten Bedingungen alles vermessen was zu messen war und aufgeschrieben. Viele seiner Daten konnten erst später interpretiert werden. Es gab zu seiner Zeit noch keine Matrix um die Daten einordnen zu können. Er war einfach scharf auf Messergebnisse. Ich bewundere ihn. Ich liebe Geschichten.
Gibt es für Afrika einen Forscher mit der Bedeutung, wie Humboldt sie für Lateinamerika hatte?  Ich kenne keinen. Humanisten wie Livingstone waren gute Menschen die versuchten, Afrikaner zu verstehen. Nach ihm kamen Ausbeuter. Stanley, der Livingstone in Ujiji fand, repräsentierte diese Generation. Sie waren an Geld und Ruhm orientiert. Stanley hatte seine Geschichte verkauft bevor er loszog, später stellte er seine Kenntnisse der Afrikadurchquerung in den Dienst des belgischen Königs als Sklavenausbeuter im heutigen Kongo und ließ Hände abhacken, wenn nicht genug produziert wurde. Seine Kolonialgenossen, die da-maligen Herrscher in Europa, sahen sich gezwungen, ihm die Kongokolonie wie-der abzunehmen (das Parlament erhielt die Rechte). Er beschädigte ihren eh nicht guten Ruf zu sehr. Den angehäuften irren Reichtum hat dem belgischen Königshaus niemand wieder abgenommen. Bis heute leidet der Kongo unter den Nachwehen aus dieser Zeit.

R: China kommt
„Überall zwischen Daressalam und Dakar denken die politischen und wirtschaftli-chen Eliten um. Sie fühlen sich von den Chinesen als gleichwertige Partner be-handelt, nicht mehr als bloße Almosenempfänger“ schreibt  Bartolomäus Grill (Der lesenswerte Artikel ist zu finden unter: http://www.zeit.de/2008/03/China-Afrika?page=all Danke Adda). Er beschreibt, wie die Wirtschaftsoffensive Chinas in Afrika um die Jahrtausendwende begonnen hat. Grund ist, die Chinesen brau-chen den Zugriff auf die reichen Rohstoffvorkommen des Erdteils. Es geht um Öl, Erdgas, Eisenerz, Kupfer, Bauxit, Uran und andere Bodenschätze. Den staatli-chen chinesischen Rohstoffkonzernen, die in Afrika investieren, folgen immer schneller chinesische Privatunternehmen aus unterschiedlichsten Industriebran-chen Gleichzeitig geht es um langfristige Handelsabkommen, Aufbauhilfe und gewaltige Infrastrukturprojekte.
Rund 750.000 Chinesen sind in Afrika schon im Einsatz. Manager, Ärzte, Agro-nomen, fliegende Händler, Importeure, Kleinstunternehmer und ein Heer von Kontraktarbeitern auf zahllosen Großbaustellen. Überall in Afrika findet man sie. In Dar es Salaam wird das Fußballstadion von Chinesen gebaut, auch ein Teil der Fernstraße nach Moçambique. In Maputo konnte ich das neue Wirtschaftsminis-terium bewundern. Sie hinterlassen Militärkasernen, Textilienmärkte, Präsiden-tenpaläste. Ihre Methode, die Preise zu drücken und die Aufträge zu bekommen, ist konkurrenzlos. Sie bringen ihre eigenen Arbeitsbrigaden mit, halten sie bei Reis und Soße in Containern und einfachen Wohnungen abgeschlossen vor der einheimischen Bevölkerung und lassen billigst und mit ihnen bekannter Präzision und Schnelligkeit arbeiten. Für hohe Qualität sind sie auch nicht gerade bekannt und so schauen die anderen internationalen Anbieter oft in die Röhre.
Wenn das so weitergeht – und alles sieht danach aus – werden die Chinesen im Jahr 2010 die 100 − Milliarden Dollar−Marke Handelsvolumen erreichen, und die USA als ersten Handelspartner überholen.
Es wundert mich nicht, dass die Chinesen hofiert werden. Der Westen hat sich in Afrika nicht gut benommen. Erst haben sie den Kontinent mit dem Lineal unter sich aufgeteilt und als Kolonien ausgebeutet, dann wurden die Befreiungsbewe-gungen als Kommunisten bekämpft und dubiose Diktatoren unterstützt, dann kamen die Besserwisser mit ihren neuen Ideen die die Afrikaner bitteschön mor-gen umsetzen sollten und nun setzen sie Demokratieformen, Wirtschaftslibera-lismus und Antikorruptionskampagnen als Bedingung für Entwicklungshilfe. Der Kommandoton der Kolonialherren ist zwar abgelöst worden von einer mehr  dip-lomatischen Diktion, aber Besserwisser werden auch in Afrika nicht geschätzt. Vor allem, wenn dahinter Geschäftemacherei steht. Entwicklungshilfe ist auch humane Hilfe, das möchte ich betonen. Aber gleichzeitig soll sie auch den Boden für Investitionen bereiten. Das ist nicht falsch, nur wird darüber nicht geredet. Chinesen tun das. Sie akzeptieren Afrika wie es ist und sagen offen, dass sie Rohstoffe brauchen und Geschäfte machen wollen. Das gefällt zumindest den afrikanischen Eliten.
Im einfachen Volk sieht man nur die Händler und Baubrigaden. Sie sind nicht beliebt,  gelten als Wühler und Ausbeuter. Überall bis ins innerste Afrika dringen sie vor, diese Billigstprodukte, dieser schillernde, kurzlebige Schrott der auch noch Batterien braucht. „Ramschwaren, die keiner braucht und jeder will“ be-zeichnet Grill sie sehr schön. Gerüchte laufen um. Ein Priester erzählt mir, dass auf den Baustellen chinesische Verbrecher eingesetzt werden. China drückt die Löhne einheimischer Arbeiter, verkauft den Diktatoren Waffen, erhält Kriege am Leben, hat im Volk keine Freunde. Kann diese Art Afrika helfen? Das ist offen. An der westlichen Art ist der Kontinent nicht genesen. Im Gegenteil. Grill schließt mit einem schönen afrikanischen Sprichwort: „Wer ertrinkt, klammert sich auch an ein Krokodil“. Hoffen wir, dass das chinesische Krokodil ziemlich satt ist.
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Monday, 4. february 2008 1 04 /02 /Feb. /2008 13:35
R: Noch mehr Durcheinander
Jetzt sind vier Agenturen eingeschaltet, um den Wagen aus dem Zoll zu kriegen. Misereor gibt das Geld frei, will aber die Diözese verantwortlich machen dafür, dass der Wagen so lange rum stand und Lagergebühren verschlingt. Nicht zu reden von dem Zoll der anfällt. Müssten sie eigentlich nicht zahlen, weil sie eine gemeinnützige Organisation sind, aber die Befreiung wurde zu spät beantragt und nun ist sie im Finanzministerium verloren gegangen. Ich hatte gehofft, dass unser Bekannter aus Dar es Salaam Licht in das Dunkel bringen könnte, er sitzt an der Quelle, aber den hat offenbar die Afrikanitis auch schon gepackt, denn noch nicht mal er liefert uns die genauen Zahlen, was das kosten soll. So zwi¬schen 7 000,- und 10 000 Dollar. Wir sollen das Geld schon mal überweisen. Der hat Nerven, welche Summe denn? Er lacht, als M nachfragt und schweigt sich aus. Drei Dutzend Emails inzwischen rumgeschickt und die Sache wird nur un¬durchsichtiger. Soll ich warten wie die hier? Einfach nur warten? Wird sich schon was tun? Meine Nerven würden es mir danken. Ich komm ja mit dem Aktivismus auch nicht weiter. Höre Mozart. Von Karajan interpretiert. Dem seine flotte Art gefällt mir. Lesebuch Nr. 3 begonnen. Theodor Storm: Immensee. Na, das ist ja mal ne Schnulze! Und das soll große Literatur sein? Jetzt sind wir beim Schim¬melreiter. Besser. Aber ziemlich weit hergeholt. Heute halber Tag Strom wieder weg.

1 erfolgreicher Tag
Jetzt hab ich die Faxen dick. Entscheidungen müssen getroffen werden, welche Agentur mit der Entzollung beauftragt wird. Eine grafische Vorlage mit den Al¬ternativen und allen Adressen gemacht, damit es auch ja jeder versteht und das Ganze übergeben (und erklärt – ja doch). Ich übe mich weiter im Warten. Heute ganz gut gelungen. (Na gut, nebenbei das Emailprogramm repariert, den Bericht fertiggemacht und so Kleinigkeiten. Aber auch auf dem Dach unter den Wolken gesessen).

Unser Mann ist unfassbar
Oder nur durch Zufall fassbar. Oder nach dem Essen. Dann eilt er davon und wir stellen uns in seinen Weg. Dann hat er Zeit. Obwohl er eigentlich was Anderes vorhatte. Ist ja auch nett. Aber kein Zeitmanagement. Vielleicht sollte er keines haben? Aber seine Leute sind nicht glücklich mit ihm. Sie fordern mehr Trans¬parenz und Planbarkeit. Interessant: Die uns das erzählen sind alles ausländi-sche Mitarbeiter.
Die Diözese hat 100 km von hier ein 200 ha Landgut mit Herrenhaus , Kirche und Hütten nach brasilianischem Vorbild. Es ist eine Erbschaft und ungenutzt. Er hat Pläne aber niemanden zum Umsetzen. Beim Besuch am Samstag - M war dabei – stellt er fest, dass das Gut von einer Landwirtschaftskooperative besetzt worden ist. Die produzieren da alternative Produkte. Es war ein Franzose, der die Idee hatte. Jetzt hat unser Bischof den Salat. Die rauszukriegen bedeutet Krieg, ich kenne das aus LA. Mein Rat (schon wieder einer): sich mit denen zu arrangieren und ein Geschäft auf Gegenseitigkeit zu vereinbaren. Es schmeckt ihm nicht. Was der Kirche gehört hat er zu bewahren.

Das Evaluierungsteam
von Misereor ist hier. Dynamisch-direkt ist die Consultant Frau, verhalten und fragend die zukünftige Entwicklungshelferin. Wir sollen teilnehmen. Das bedeu-tet, das wir bei dem ZiP oder Zop oder wie das Verfahren auch heißt um das Projekt zu bewerten, dabeisitzen sollen. Ich bin verwundert. Geld und Auto sind nicht da, aber evaluiert wird schon mal. Theoretisch hat das Projekt in der Tat im April letzten Jahres begonnen. Praktisch sitzt das Team meist rum. Mir brummt der Schädel. Gut ist, dass das einheimische Personal an den bürokrati-schen Anforderungen von Misereor orientiert wird. Lustig die Reaktionen. Die Forderung, Verantwortung zu übernehmen für die Versäumnisse, das bringt sie zum Lachen. Das ist ihre Art der Reaktion auf Probleme.

Ordnung schaffen.
M hatte die Ablage organisiert. Alles schön geordnet, eingehängt und beschriftet, mit Zwischenblättern, selbst ausgeschnitten weil kaufen kann man so was nicht. Die Koordinatorin hatte nicht mitgemacht beim Ordnung schaffen. Nur der Buchhalter. Kam mir komisch vor. Heute weiß ich warum. Sie hat ihre eigene Ordnung. Jedes Mal wenn ein Papier nachgefragt wurde, rannte sie los, kramte in ihrer Schublade in vollen Umschlägen und kam nach langer Zeit mit einem Dokument zurück. Selten war es das richtige und die Prozedur begann von neuem. 2 Std später konnten wir beginnen. In unseren schönen Ordnern hatte sich nichts bewegt.


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Sunday, 10. february 2008 7 10 /02 /Feb. /2008 13:21
R: Kamillentee
Ich hab ihn gefunden! Der Inder oder Pakistani mit dem voll gepackten Ramsch-laden, der hat offenbar alles. Sogar Müsli! Jetzt kann ich die restlich Entzündung am Zahn und Montezumas Rache behandeln. Sollte Kamille gegen letzteres nicht wirken, muss ich mal auf das alte Buschläuferrezept zurückgreifen. Eine halbe Flasche Rum. Entweder es wirkt oder es ist dir egal.

Knie durchgedrückt
Heute hab ich einen Mann in der Hocke sitzend arbeiten sehen. Das ist selten. Afrikanische Frauen und Männer arbeiten zumeist stehend vornüber gebeugt mit gespreizten, durchgedrückten Knien. Die Frauen sitzen auch so. Beine als V aus-einander, lang gestreckt und flach auf der Matte. Kann ich nicht.

Sonntagessen
Mittags gekochte Kartoffeln mit Soße und Hähnchenteilen, davor Suppe, als Nachtisch Obstsalat. Abend Reis, Fisch, gekochte Bohnenblätter. Suppe davor und 1 kl. Banane danach. Frühstück: Waschlappen – Weißbrot, Marmelade, Mar¬garine, Instant- Kaffee, Instant- Milch, Zucker, heißes Wasser.

11.02. M: Um halb zehn war die 1.Deutschstunde für meinen Schüler Dom Er¬nesto angesetzt. Jetzt ist es halb zwölf, und er konferiert immer noch mit Schwester  Pilar, der Generalsekretärin von Caritas. Die beiden sind sich nicht besonders grün, habe ich den Eindruck, sie ist eine energische Spanierin und nimmt kein Blatt vor den Mund.
Da es bei uns nicht weiter geht (keine Druckerfarbe für die Briefe, die wir aus-drucken wollen, der Bischof hat keine Zeit), sucht sich R. was zu tun. Jetzt stellt er die Emails der Mitarbeiter um, damit sie einen POP Account haben und nicht immer übers Internet ihre Mails lesen und schicken müssen.

Gringos
Seit gestern sind zwei „Neue“ da, ein Priester aus Sri Lanka, der aber in den USA lebt und dieses grauenhafte asiatische Englisch spricht. Gott-sei-Dank kann er auch etwas Spanisch, sodass eine Verständigung mit dem Bischof und den Schwestern möglich ist. Der Andere spricht kein Wort von irgendwas, nur Eng¬lisch. Als ich ihn fragte, warum er hier sei, meinte er, er habe das Maul zu weit aufgerissen und hinterher nicht mehr nein sagen können. Sie bleiben einen Mo¬nat und wollen in der Zeit in drei oder vier Dörfern Brunnen bohren, außerdem eine Schule und ein Hospital bauen und der Priester will neue Früchte und An¬baumethoden einführen. Wir haben sehr gestaunt, aber wir lassen und gerne überraschen.
Der Nichtpriester-Gringo ist aus New York und spricht auch so. Er war 20 Jahre bei den Marines in aller Welt und ist sehr katholisch. Vor und nach dem Essen stehen wir hinter den Stühlen, Kreuze werden geschlagen und Ave Marias ge¬betet. Der Ex-Mariner sticht heraus mit seinen nach Dürer gefalteten Händen und langem Kreuzschlagen. Die Padres, wenn sie alleine sind, machen das schnell, schnell. Beide Amis halten Bush Jr. nicht für christlich. Seine Bekeh¬rungsdarstellung sei Schaulaufen um Stimmen und Geld anzuziehen, sagen sie. Die katholische Konkurrenz ist gnadenlos, wenn es um „Sekten“ geht. Aber in dem Fall rührt sich in mir Zustimmung.

12.02.M:
Gestern ist uns wieder so eine Geschichte passiert, die, wenn man sie erzählt, urkomisch scheint, aber wenn man sie selber erlebt eher nervig ist: der Drucker im Büro des Projekts, wo wir meistens arbeiten, benötigt so teure Farbkartu¬schen, dass sie bis zum letzten Tropfen ausgenutzt werden, und dann mit dem Kauf neuer so lange gewartet wird, bis es wirklich nicht mehr anders geht. Zur Zeit kann nur noch mit blauer Farbe gedruckt werden, was eigentlich ganz okay ist, nur für die offiziellen Briefe an die Botschaften und den farbigen Briefkopf des Bischofs mit einem schwarz-blau-grünen Phantasiewappen geht es nicht. Also haben wir uns den privaten Drucker von Dom Ernesto geliehen. Rs Mac fand ihn erst lange nicht aber dann hatten wir eine CD mit dem Druckertreiber und ein Handbuch. Nach anderthalbstündigem schweißtreibendem Nachdenken und Gefummel (was ist hier nicht schweißtreibend?)  gab’s die erste Reaktion: er ruckte. Nach einer weiteren halben Stunde Einstellen und Rumprobieren wurde tatsächlich das erste Schreiben ausgedruckt – das  Wappen in rosa! Also nach dem Abendessen neue Suche im Handbuch, neue Einstellungen, Reinigung der Düsen und neues Einsetzen der Kartuschen, ein neuer Probeausdruck – wieder rosa. R. gibt nicht auf, probierte es ein weiteres Mal, und als der Briefkopf wie¬der in pink aus dem Drucker ruckelte, entschlossen wir uns, das Drucken auf morgen zu verschieben und das Angebot eines anderen Priesters anzunehmen, seinen Drucker zu benutzen. Es war mittlerweile nach neun. In diesem Moment krabbelte ein haariges Monster aus dem Drucker, torkelte ein paar Mal hin und her und fiel dann auf den Rücken. Erst sah es aus wie ein kleiner Krebs, die Fi-gur, die Größe, aber es war eine Spinne!
Danach funktionierte der Drucker einwandfrei.
Allerdings hat sich heute der Bischof die fertigen 12 Briefe zum ersten Mal richtig gründlich durchgelesen und einige Änderungen verlangt. Er hatte zwar seit Ta¬gen unsere Vorlage, aber die hatte er nicht gelesen. Deshalb muss heute alles noch mal geschrieben und ausgedruckt werden. Das geht aber nicht, denn es  gibt wieder mal keinen Strom.
Der neue Priester aus Sri Lanka ist ein Gewinn. Er mag genau wie wir und die mexikanischen Nonnen kein fades Essen. Wir haben jetzt scharfes Piri Piri auf dem Tisch stehen und er hat Pfeffer gekauft  und gekocht: die Suppe und die Kartoffeln mit Cocos und den Reis mit Nelken. Hmmm!

Abfallbeseitigung
Sie schmeißen den Müll in Haufen an den Straßenrand. Wir meckern. Und stellen fest, dass diese Müllhaufen periodisch von der Müllabfuhr abgeholt werden. Mit einem Bagger. Ihre Art.

Kamillentee
wirkt wunder bei Durchfall und Zahnfleischentzündung. Sehr zu empfehlen! Danke Bruder!

Besäufnis
Die Schwestern aus Mexiko haben sich verabschiedet. Wie schade. Aber ihr Haus ist fertig. Sie haben zum Abendessen einen ausgegeben. 3 Fl. Bier, ½ Fl. Rot¬wein und 1 Fl. süßer Schampus sind von 10 Leuten verkonsumiert werden. Es war ein richtiges Fest von ½ Std. Dann sind wir traurig auseinander gegangen. Hätte nie gedacht, dass Nonnen so fröhlich und nett sein können.

Freunde
Das haben uns Freunde mit langjähriger Afrika Erfahrung geschrieben. „Hoffent-lich habt Ihr das Buch "Where there is no doctor" mitgenommen oder noch am crash course "Wie operiere ich mich selbst teilgenommen"? Zu spät. Ham wir nicht. Stand auch nicht in der Projektbeschreibung. Wir vertrauen dem Bischof und seinen Kontakten.

18.2.M: Wir haben die mexikanischen Schwestern gleich in ihrem neuen Haus besucht um zu sehen, was ihnen noch alles fehlt. So können wir ihnen gezielt etwas mitbringen, wenn sie uns zu Tortillas einladen. Schade, dass sie weg sind – wir haben viel miteinander gelacht und auch die beiden Priester neben dem Bischof mochten sie gerne und verstanden schon eine Menge Spanisch.

Dann kamen zwei deutsche Frauen, eine Entwicklungshelferin von Misereor, die schon längere Zeit im Tschad und im Senegal war und ab Mai hier arbeiten soll und eine Consultant, die versucht, unsere Leute hier im Projektbüro für ländliche Entwicklung zu kontrollieren, zu motivieren und zu coachen (fitt zu machen). Ob des Ablagesystems, das ich ja schon etwas geordnet hatte, konnte sie nur müh-sam die Fassung bewahren. Motto: ein Griff und die Sucherei geht los. Das meis-te an Papier hatten wir noch gar nicht zu Gesicht bekommen, es lag in dicken Briefumschlägen in den Schubladen des Schreibtisches. Wir haben am Wochen-ende an einer der Sitzungen teil genommen und R. hat durch gezieltes Nachfra-gen ein bisschen Licht in das Dunkel bringen können.
Und dann, dann haben wir es endlich gemacht: wir waren am Strand und haben ein nettes Hotel gefunden, wo es sich angenehm sein lässt. Unsere Hütte hatte sogar eine Dusche mit starkem Strahl und warmem Wasser, wo ich mir in Zukunft dann die Haare waschen kann. Wir saßen vor unserem „Chalet“ und schau-ten auf das tiefblaue Meer
und ließen das beruhigende und gleichmäßige Heranrollen der Wellen auf uns einwirken, die Luft war erst wie Backofen, später am Abend wie Seide. Mittags bei Garnelensalat und abends bei Gin Tonic und Garnelencurry fragten wir uns, warum wir das nicht schön längst mal gemacht hatten. Wir haben für die Woche vor Ostern reserviert. Am nächsten Morgen fühlten wir uns wie zwischen zwei Welten: wir geben für eine Nacht soviel aus, wie die Leute hier in zwei Monaten verdienen (70,-€). Und das Sein bestimmt wirklich das Bewusstsein: habe ich noch vor ein paar Tagen bemängelt, dass es keinen offiziellen Strand gibt, wo alle hin können, finde ich es jetzt plötzlich nicht mehr so toll, dass jeder an „un-seren“ Strand beim Hotel kommen kann. Der Strand ist nämlich doch für alle, es ist nur von der Straße aus nicht zu sehen, weil alles zugebaut ist. Und wenn wir am Strand liegen, werden wir belagert von Ketten-, Münzen-, Muschel- und Schnitzereiverkäufern, und wenn wir glaubhaft gemacht haben, dass wir wirklich nichts mehr kaufen wollen, dann heißt es „aber ihr wollt mir doch bestimmt hel-fen!“ Wenn ich sie so vor mir stehen sehe, diese Hungerleider, zuerst freundlich, dann immer aufdringlicher, sie wollen ja nicht betteln, sie wollen ihr Geld auf „ehrliche“ Weise verdienen, also müssen wir was kaufen. Natürlich zahlen wir viel zu viel und dann kommt schon der Nächste. Und alle – das geht nicht. Aber sie sehen es nicht ein – wir sind doch reich und sie sind arm! Wir müssten nach so vielen Jahren in armen Ländern Mechanismen haben, wie wir damit umgehen, aber es macht uns viel aus, wir fühlen uns schlecht.
Es gibt auch noch einen städtischen Strand, den hatte uns der Bischof beim Vor-beifahren nicht gezeigt und der ist sehr schön, mit vielen schattigen Bäumen und sanftem Sand.
In die Boote passt gerade ein Mann. Mit diesen Nussschalen paddeln sie hinaus zum fischen mit der Leine. Draußen sieht man sie nur als Flecken auf dem Was-serteppich.

Strom weg
Gestern Abend hat ein orkanartiger Sturm das Licht ausgeblasen. Jetzt geht nichts mehr. Heute versucht, Radio zu hören. Wie dumm von mir. Natürlich ist kein Sender da.

Guten Morgen
Sie grüßen nicht, wenn sie ins Büro kommen und wenn sie wieder gehen. Wir sitzen eng zusammen und dachten schon, sie sind beleidigt. Kommt hinzu, dass wir ihnen ja hin und wieder auch sagen, wo´s lang geht und natürlich wissen wir alles besser. Jetzt liest M, dass in Mosambik grundsätzlich nicht gegrüßt wird beim Betreten eines Zimmers. Wir aber grüßen weiter. Dann kommt immer eine freundliche Antwort.
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Friday, 7. march 2008 5 07 /03 /März /2008 13:49
Die Quadratur des Kreises
Gut, wenn das Kurzzeitgedächtnis dominiert. Gerade beim Spielen gewonnen, der Tag ist gerettet. Die Gummiwände, gegen die ich heute wieder gelaufen bin, treten zurück und der angenehme Abendwind streichelt die Haut. Freunde haben geschrieben „Es scheint so: Ihr sollt helfen ohne zu helfen, jedenfalls ohne dabei merklich bedeutsam zu sein“. Ja, wir sollen was verändern ohne dass etwas an-ders wird. Heute wieder Palaver. 2 ½ Std. lang. Ich gewöhne mich dran. Lang-sam. Wenn wir es schaffen, ihn freizukriegen von den 100 Kleinigkeiten des All-tags, dann haben wir viel erreicht. Ich arbeite an einem Organigramm um seine Verwaltung zu strukturieren.
Nun ist Feierabend. Wir haben noch auf meinem Bett Backgammon gespielt, ich dusche, binde mein Tuch um, Kopfhörer und Taschenlampe in der Hand, Kopf-kissen unterm Arm, schreite ich über den Flur. Ein wenig schaue ich noch, aber um 9.30 abends ist niemand mehr da, der mich erwischt. Das Haus ist zu und erscheint menschenleer. Wir hören noch ein Buch.

Sekretärin
Unserem Bischof haben wir einen Sekretär empfohlen, der seine Termine über-wacht, die Ordner in Ordnung hält und ungebetene Besucher vom Leib. Dabei natürlich nicht an M gedacht. Aber er schon! Umgehend hat er M gebeten, Über-setzungen vom französischen und einen pastoralen Antwortbrief in Portugiesisch zu verfassen. Ich wusste gar nicht, dass Marianne solch einen Sermon schreiben kann (auf Portugiesisch!). Will sie doch wechseln?

Es ist Donnerstag,
Wochenende und Musik fangen an. M meint, Donnerstag sei der Samstag für die Muslime. Die Trommel schlägt stundenlang einen treibenden Rhythmus, schnell, abgehackt, mitreißend.

Im falschen Film?
Vor uns war ein Spanier in derselben Mission hier. Ein Unternehmer. Einen Monat. Seine Übersichten mit den Arbeitsabläufen sind in der Apotheke über jedem Arbeitsplatz ausgehängt. Sehr gut. Auch die PC-gestützte Inventarisierung der Medikamente gibt es schon. Wer war das, der uns da für nötig hielt? Wir können Verbesserungen vorschlagen.
Misereor Projekt: Vor 10 Monaten sind die Verträge unterschrieben worden, jetzt sind die Projektmittel eingetroffen. Sie sind hier fest davon überzeugt, die Schuld liege bei Misereor. Sie sind sauer auf die Organisation die so viel nach-fragt. Hier macht man das anders.
Seminar mit dem Misereor-Evaluierungsteam: Die genaue Schreibweise eines Wortes wird gesucht. M hat das Lexikon dabei. Nein, meint Frederico, der Land-wirtschaftsmann, das sei nur ein Buch. Hier schreibe man das anders. Sie sind sehr überzeugt von sich. Ich glaube, sie sind auch sauer auf uns Besserwisser. Weil: hier macht man das anders.

Sonntag Vormittag am Strand
und Bach im Kopfhörer. Vor mir das Meer, links landen kleine Boote, ein Haufen Menschen wartet, sie wollen Fische kaufen und schauen zu, wie die Boote ele-gant durch die Dünung kommen. Ab und an dringt Meeresrauschen durch.

Schimmel
Julio, der manchmal sauber macht, hat ihn entdeckt. Die Ledertasche, schwarze Schuhe, der Lederkoffer, ja sogar mein Sakko und die Wollpullover sind dick mit grünen Flecken bedeckt. Der Schimmel aus Dar es Salaam hat uns eingeholt.

Die endlose Geschichte der Fahrzeug - Entzollung
Ich hatte eine Fantasie: Mit unserem Herumwirbeln haben wir das Wasser wild aufgewühlt, Kanäle geöffnet, neue Rinnen gesucht, auch gefunden, das Ganze als Lösung präsentiert und nun, nun ist die See ist wieder ruhig geworden. Der Fluss daraus fließt seinen gewohnten, trägen Gang, ein Wassertropfen fällt noch, alles bleibt beim alten und das Fahrzeug steht weiter im Hafen. Herausgekom-men ist einzig, dass das wichtigste Papier nun auch noch verloren gegangen ist.  Wir gewöhnen uns dran und fließen auch ruhiger dahin.

Geschwindigkeit ist relativ oder: wie ich Einstein verstand.
Es fiel mir schwer, den Sinn der eigenen Tätigkeit zu erkennen. Aber vielleicht lag das an meiner Geschwindigkeitsvorstellung? Schon reduziert auf die Schnelligkeit eines Goggomobils war ich angereist. Das aber war immer noch zu schnell. Jetzt hab ich runter geschaltet und siehe da, im Schneckengang gibt’s auch noch Veränderungen, man sieht sie nur nicht wenn man Goggo fährt.
Mir geht es seit 1 Woche wieder besser, nachdem ich mal die Geduld verloren hatte. Jetzt hab ich sie wieder gefunden.

Unser Bispo
Er redet gerne. Seit Tagen tagelang. Mit wechselnden Leuten. Manchmal vergisst er Mittag- und Abendessen. Bei Tisch präsidiert er mit Charme und oft witzig. Seine Augen blitzen schelmisch, wenn er Witze erzählt, durchaus auch selbstkri-tische, die Kirche betreffend. Oder er erzählt Geschichten die er erlebt hat voller lustiger Einfälle. Er bestimmt gerne. Lächeln bescheidet er dem malariakranken Padre, Er, der Bischof, habe ihm dazu keine Erlaubnis gegeben. Als wir ihm mit-teilen, in der Apotheke sei ein Personalproblem gelöst worden, kriegt er fast ei-nen Anfall. Ohne seine Entscheidung ist nichts gelöst. Die Italienischen Schwes-tern haben ein sehr gutes Projekt aufgebaut (M hat es beschrieben). Es ist sozial ausgerichtet, betreut und unterstützt Aids-Kranke und ihre Familien, hilft nicht nur durch Lebensmittel-Spenden sondern auch durch Kleinprojekte, die Ein-kommen schaffen. Das Projekt hat mir sehr imponiert. Ich hätte gerne gewech-selt. Da wird was Sinnvolles gemacht. Kurzum, der Bischof könnte stolz sein. Und was macht er? Er macht es wie der König im Märchen. Der hatte eine große Schatzkammer. Das schönste Stück war eine goldene Flöte. Wenn man da rein schaute, konnte man das ganze Königreich sehen. Berge und Wiesen und Wälder und die fleißigen Menschen all überall. Und was machte der König mit der Flöte? Er pfiff drauf. Später hat er versucht, es uns zu erklären. Dass er das Projekt und die Oberin schneidet ist wohl eine disziplinarische Maßnahem, die er vonnö-ten hält. Er wurde nicht gefragt und bei Entscheidungen übergangen. Es ist ihm wichtig, dass wir verstehen. Dann lächelt er sein Bubenlächeln und sagt, unse-ren Appell, bei solchen Maßnahmen die Menschlichkeit voran zu stellen, müsse er sich wohl noch mal überlegen. Er ist sehr gescheit. Ich habe einen 60-seitigen Hirtenbrief von ihm gesehen Da ist alles drin von der Geschichte der Provinz und der Diözese bis zu theologischen Problemen. Die Unterhaltungen mit ihm über philosophische Fragen sind sehr lehrreich. Er ist halt noch sehr jung. Und muss noch aus Fehlern lernen.

Bei Dalai Lama gelesen:
„Der christliche Klerus ist besonders dem Dienst am Nächsten auf dem Gebiet der Erziehung, Gesundheit und Sozialhilfe verpflichtet“ (und ruft den Buddhis-mus auf, davon zu lernen). Ich schreibe das auf, weil genau diese Hilfen von den Nonnen, die wir kennen gelernt haben, geleistet wird. Das nennen sie „Mission“.

Wir haben was Schönes gesehen
und ein Bild an Jörg geschickt. Prompt kam seine Antwort: „Es handelt sich um ein Mitglied aus der Familie der Buprestidae, auf deutsch Prachtkäfer.
Ihren Namen haben sie völlig zu Recht, es gibt kaum im besten Sinne schönere Käfer. Es gibt sie schon in Gold und Emaille seit den Pharaonen und man hat sie (konserviert in echt) sogar als Brosche am Revers getragen“. Ich muss sagen, mir läuft ein kleiner Schauer über den Rücken, wenn ich eine Verbindung zwischen mir und den Pharaonen finde. Beide haben wir denselben Geschmack. Ich hab ihn ja gar nicht gefunden. M hat ihn entdeckt und mir gezeigt. Er ist in der Tat ein Prachtkerlchen. Schnell allerdings ist er auch nicht. Vielleicht hat seine Gattung deshalb überlebt? Fragen der Zeitökonomie halten mich in Atem.

Wo bleibt das Positive, Herr Einloft?
Recht gefragt, denn es gibt dessen eine Menge. Fangen wir an: Noch nie abends die Stirnlampe zum Lesen gebraucht. Gut, das mag auch daran liegen, dass wir im Bett Hörbuch hören. Der Strom allerdings fällt deutlich weniger aus als in Tansania. Dann: 3 mal am Tag steht Essen auf dem Tisch. Mir schmeckt es. Viel Fisch und kleine Portionen. Ich brauche nicht abwaschen und einkaufen. Dann: Projekte und Organisationsstrukturen auszuarbeiten macht mir Spaß. An Tabel-len und Grafiken fissele ich bis in die Nacht hinein. Mein Element. Dann: Heute ist die Hälfte der Zeit rum! Noch 40 Tage. Und für die Wochenende haben wir den Strand und das Hotel gefunden. Dann: Abends spielen, lesen, Bilder sortie-ren, Sachen am PC ausprobieren und Bücher hören. Es füllt mich mehr aus als Fernsehen. Dem verfalle ich zu schnell. Auch: Kein Alkohol die Woche durch, nur am Wochenende – geht gut. Und besonders: mit M zusammen zu arbeiten ist sehr angenehm. Wir ergänzen uns. Sie ist gleich bleibend gelassen und fängt mich ein, wenn nötig, allein mit ihrem Sein. Nicht zu vergessen: Ich habe Zeit übrig für Studien, die schon lange liegen. Und ich lerne. Langsam leben hat auch seine Qualitäten. Ich bin einfach privilegiert. Wer kann schon so viel von ver-schiedenen Leben lernen?

Ein Padre ist krank
Die ganzen Tage schon lief die Nachricht um, ein Padre im Inneren sei schwer an Malaria erkrankt. Es gibt in der ganzen Provinz nur ein Krankenhaus, das hier um die Ecke. Und das ist auch noch völlig unterbemittelt mit Medikamenten, Ausrüstung und Personal. Da draußen gibt’s gerade mal eine Gesundheitsstation. Heute Morgen dann Aufregung, der Bischof fuhr los und wir glaubten schon zur letzten Ölung. Heute Abend war der Kranke hier, er hatte ihn geholt. Nun liegt er im Zimmer zwischen M und mir. Hoffentlich stirbt er nicht.
(Einen Tag später) Nee, scheint nicht so. Er tattert zwar geisterhaft durch die Gegend, immer im Schlafanzug mit kurzen Höschen, aber am Essen nimmt er teil und telefoniert wie ein Weltmeister dabei. Wer so viel am Handy hängt stirbt noch nicht.

Hinterland
Es verschlägt und uns alleweil in Hinterländer. Hinterland nennt man die Gegend von Hommertshausen (die Zeitung heißt sogar: Hinterländer Anzeiger) und hier nennen sie abgelegene Gegenden sage und schreibe auf Deutsch auch Hinter-land. Hab ich in der Zeitung gelesen. Wo sie das herhaben?

Portu-Spanisch
Noch immer passiert uns das Vermenge aus beiden Sprachen. M schreibt in ih-rem Evaluierungsbericht von „Padres de Familia“ und beide wissen wir, das heißt „Eltern“. Bis der Bischof dumm guckt weil sie empfiehlt, er solle sie treffen. Wen, die Priester der Familie?

Die Karawane zieht weiter
Heute ein Stück vorangekommen mit der Arbeit. Es ist wie mit dem Schleppnetz fischen. Lange Zeit sind die Haken über den Boden geschrappt und jetzt haben einige ein wenig Widerstand gefunden. Wir haben für die 3 Bereiche Schule, A-potheke und Schreinerei unsere Evaluierungen und Empfehlungen vorgestellt, schön aufbereitet in Tabellen und Berichten. M dazu die Vorschläge, wie das Strandgrundstück genutzt werden kann. Die einfachen Konstruktionen vom Süd-strand und der Insel Bongoyo in TAN haben uns animiert. Wir dürfen den Antrag auf einen SES-Schreiner wegschicken. Aber vorsichtig, ganz vorsichtig. 3 Stun-den Palaver. Ihm brummt der Kopf vor Vorschlägen, hat er gesagt. Und gefragt, wie es weitergeht, ob wir die Sachen nicht nur entwickeln sondern auch bei der Umsetzung in die Hand nehmen. Ich muss ich sagen: Grundsätzlich ja, wir sind ja schon dabei. Aber von ihrer Seite muss auch was passieren. Und ein wenig Abstand brauche ich erst mal.

5 mal geduscht heute. Es wirkt nur kurz. Die Hitze macht mich schlapp. Zur Apotheke laufen wir. Das ist jedes Mal eine Stunde hin und zurück. Heute bin ich kaum noch den Berg hoch gekommen.
Das hasse ich, wenn die Anopheles mir vor der Nase rumtanzt! Mistviecher. Heu-te hat mich eine erwischt. Seltsam: Malaria ist die Krankheit mit den meisten Todesfällen und kaum einer redet drüber. Aids dagegen mit weitaus weniger To-ten steht in jedem Bericht an erster Stelle. Natürlich ist diese Krankheit ein Rie-senproblem besonders, weil Menschen die arbeiten können häufiger sterben. Gerade liegt wieder ein Bekannter des Bischofs im Krankenhaus im Koma. Mala-ria.

Unser Priester mit der Malaria ist der Vertreter des Bischofs und schon etwas länger im Dienst. Das merkt man ihm an. Seine Rede erinnert mich an eine Mes-se. Eintönig, fast ohne Heben und Senken der Stimme, ähnlich dmn Gemurmel wenn sie zelebrieren. Die Anderen verstehen ihn.
Heute hat es wieder gegossen und die Luft ist klarer und angenehm kühl. Denke, so 27 Grad. Seit Tagen laufen wir hinter einem Drucker her. Meine Güte, ist das manchmal nervig. Aber morgen fahren wir an den Strand. Da ist zwar auch kein Drucker aber auch kein Druck.
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Sunday, 9. march 2008 7 09 /03 /März /2008 14:03
Bischof der Belesene
Heute haben wir am Abendbrottisch – abends Brot scheint auch eine typisch deutsche Sitte, denn hier gab es Suppe, Nudeln und Fisch – über Goethe, Hesse und Thomas Mann geredet. Der Bischof hat geredet, er hatte sie gelesen. In Ita-lienisch. Wir haben nur (erstaunt) kommentiert um zu bekunden, dass wir auch was wissen. Enorm, was der Mann alles kennt.

Biestige Priester
Immer dachte ich, ein Bischof ist eine Persönlichkeit zu der alle Untergebenen ehrfurchtsvoll aufblicken. Hier ist das anders. Was wir mitkriegen, sind Graben-kämpfe um eigene Unabhängigkeitsbereiche zumindest einiger Priester. Das scheint so weit zu gehen, dass sie ihn, unseren Bischof, auflaufen lassen. Heute war schlechte Stimmung bei Tisch. Einer hatte ihn einfach sitzen lassen obwohl er doch gesagt hatte, er wartet auf den Bischof, sagt der Bischof. Und ist stock-sauer. Das wird Konsequenzen haben, sagt er. Und tritt gleich dem nächsten auf den Fuß. Unter seiner Schafherde sind einige sture Böcke.

Trommler
Da war sie wieder, diese Musik in der Nacht. Die treibenden Trommeln, sicher mehrere. Der Rhythmus scheint immer schneller zu jagen, gestützt von einer Pauke die zwischen die Wirbel schlägt. Dann jault dieses brasilianische Instru-ment dazwischen, neben den Takt, ein Tamburin mit einem Dorn innen an der Bespannung der mit einem nassen Wattebausch gezogen wird und Töne wie ein geplagter Esel von sich gibt. Es regt auf uns soll ja wohl. Jetzt noch der helle Klang der Kuhglocken an einem gebogenen Stahldraht dazu, mit einem Stock geschlagen, ebenfalls dazwischen, nicht im Takt und doch den Rhythmus stär-kend. Infernalisch. Ich stell mir nackte, schwitzende Oberkörper vor, über aus-gehöhlte Baumstämme gebeugt, die ganze Nacht durchtrommelnd, eine Masse stampfender ekstatischer Tänzer antreibend. Und merke auf einmal, dass es vom Band sein muss. Die Musik kenne ich. Aus Brasilien.
Aber täuschen tu ich mich öfters hier. Wo ich Afrika drin erträume ist es noch nicht mal drauf. Neulich, als ich schrieb, dass sie Donnerstag schon beginnen mit der dröhnenden Musik, da war es Karneval. Wir haben es eine Woche später festgestellt als sie ihn beerdigten. Den Karneval. Drei Wochen später als auf dem Kalender. Sie hatten erst angefangen als in Köln die Bürgersteige gekehrt und die Sachen eingepackt wurden.

Reform tut Not
 Heute hatten wir die wichtigste Konferenz mit dem Bischof. Über die notwendige Verwaltungsreform und wie er das Ganze managt und managen sollte. Mit einer PowerPoint Präsen-tation haben wir es geschafft, dass er eine Zeitlang nichts mehr gesagt, nur fas-ziniert auf die Vorführung gestarrt hat. Wir haben die Vision, dass er sich aus dem täglichen Klein-Klein herauszieht und nicht mehr Mädchen für alles spielt. Als Filter zwischen ihm und seinen Projekten braucht er einen Koordinator. Er muss sich konzentrieren auf die Zielsetzungen, die mittel- und langfristigen und ihre Kotrolle. Und natürlich auf seine pastoralen Aufgaben. Dann gewinnt er Ab-stand und die Würde, die er so gerne hätte. Sind unsere Aussagen angekom-men?
Die Wandzeitung mit dem Organigramm hat ihm imponiert. Nun ist er am Zug was zu tun. Ideen und Vorlagen sind da. Natürlich hat er es schwer, er kann bei seinen Patres nicht mit der ökonomischen Peitsche arbeiten. Sie sollen alles oh-ne weltliche Belohnung tun. Was sie nicht tun. Sie gehen hin und unterrichten in der Schule gegen schnöden Mammon. Das regt ihn auf.
Er hat gefragt, ob und wann wir wiederkommen um die angefangenen Sachen weiter zu machen. Wir haben ihm unsere Kondition genannt: generell ja aber unter der Bedingung, dass sich hier in den Projekten (und bei ihm) auch etwas tut in der Richtung, die wir angestoßen haben.

Schloss Camelot
Was für Welten! Der Strom war weg, wir liegen auf dem Bett, die warmen Wo-gen der Luft streichen über uns und wir hören König Arthus und die Ritter der Tafelrunde. Mittelalter, winterliche Landschaften, verzauberte Schwerter, Magier und ein wunderschöner König, der allen seinen Untertanen nur Gutes tut geis-tern durch unsere Kopfhörer. Hier in Afrika gibt es auch Zauberer. Aber der gute König der allen Wohlstand bringt, der fehlt noch.

Kunst
Auf der Insel Ibo gibt es 2 Autos. Das von der Gouverneurin und das vom Hotel-besitzer. Beide Autos hatten einen Unfall. Sie sind zusammengestoßen. Mitten-mang. Das bringt auch nicht jeder fertig.

Am Strand
Urlaub. Sonne. Indischer Ozean flach wie ein Brett und in allen türkis-blau-violett-schwarzen Tönen schimmernd. Darauf kleine Boote wie Farbtupfer, Män-ner fischen. Wir laufen. Dann kommt ein kleiner Mann und läuft neben mir her. Er hätte Hunger und ich soll ihm was abkaufen. Unsicherheit und Unwilligkeit durchlaufen mich. Siehst du nicht, dass ich Sport mache? Er kommt hinter uns her an unser Häuschen. Keine Touristen sagt er, seit gestern nicht gegessen. Er ist schon alt. Ich gebe ihm was.

Geburtstag
Meine Schwester hat ein Bild geschickt. Ein iPod mit meinem Namen drauf. Ja sagt M, dass ist dein Geburtstagsgeschenk. Ich brauch zwar keinen iPod, freue mich aber wie ein Schneekönig. Technisch wunderschöne Sachen liebe ich sehr. Dann gab es einen Blumenstrauß selbst gepflückte von M (ich hatte gar nicht mitgekriegt, dass am Strand Blumen wachsen und was für schöne!) und einen Kuchen den man mit dem Löffel essen muss gab es auch noch. Er heißt Schoko in Schokolade. Um den war ich schon mehrmals rum geschlichen beim Inder. Und eine Tasse Kaffee gab es. Frisch aus der Küche. Den hat M über 100e Meter Steg bei Wind und Regen in die Hütte transportiert. Ich hab sie gefragt, wie sie das gemacht hat, die volle Tasse bei dem wackeligen Steg und bei dem starken Regen bis ans Bett zu bringen. Sie wollte nicht raus mit der Sprache, ich hab ihr versprochen, nicht böse zu werde, da hat sie es verraten. Hinter der Küche hat sie einen tiefen Schluck genommen und vor der Hütte wieder zurückgespuckt. Ich hatte schon ausgetrunken als sie das erzählt hat. Viele Emails gabs auch, sogar von Leuten, von denen ich es nie erwartet hätte. Und einen ganz langen Brief von zu Hause! Ach wie schön. Ich kann nicht antworten, die Internetleitung ist hier so langsam, dass mir die Verbindung im Bischofs Haus jetzt schnell vor-kommt. Wie muss das erst sein, wenn wir wieder in D sind? Wutsch und die E-mails sind futsch. Hier kann man ruhig zwischen Empfang und Senden mal Mit-tagessen gehen. Um dann begrüßt zu werden: Server antwortet nicht mehr.

Sprachprobleme
Cuba Libre wollte ich. Haben wir nicht. Wie das? Coca Cola ist doch da. Ja. Und Limone und Eis? Ja. Und Rum. Was? Ron. Nein....Jetzt geht das schon wieder los. Beide erinnern wir stande pede die bedrückende Situation in Guayaquil beim Frühstück. Kommt der Ober: Kaffee? Nein, ich möchte Te. Hä? TTTEEE. Schul-terzucken. Dee? Tééé? Schulterzucken. Ich nehme Anlauf. Heute morgen möch-te ich keinen Kaffee sondern.... Der starrt mich immer blöder an. Gibt es nicht. Bis ich Tee auf einem anderen Tisch sehe. Ach das, und er sagt etwas ähnliches wie: ðɕ. War hier schon wieder ähnliches? Ich probiere es auf brasilianisch mit hhumm. Hatte uns auch einiges gekostet rauszukriegen, dass das Rum sein soll-te. Hum? Schulterzucken. Er stand da hinten, der Rum. Ich hatte ihn gesehen. Also spanisch: rrrrron. Irritiertes Schauen. Ich gebe auf und male mit dem Fin-ger RON auf den Tisch. Ach, sagt der Witzbold: Rum! Wie auf deutsch, nur mit einem näselnden u.
M: und aus lauter Schüchternheit trinkt er jetzt immer Gin Tonic!

Freundlichkeit
„Seien sie nicht enttäuscht, Mosambikaner grüßen nicht“ stand im schlauen Buch. Es fällt mir immer noch schwer, ruhig zu bleiben, wenn eine Angestellte am Morgen rein kommt und mich mit keinem Blick beachtet, dazu noch ein Ge-sicht wie 3 Tage Regenwetter zieht. Beim den ersten Malen dachte ich an schlechte Kinderstube. Um festzustellen, dass der Charme von  DDR-Zöllnern besonders bei jungen Frauen Landessitte ist.  Der Vergleich mit DDR Bürokraten ist gewollt. In der Tat haben diese Genossen nach der Unabhängigkeit fleißig mitgeholfen, die durch den Kolonialkrieg und den Abzug der Portugiesen ruinier-te Wirtschaft des Landes vollends gegen die Wand zu fahren. Zumindest haben sie Bürokraten-Verhalten bis heute (mit) geprägt. Unlust bis Verweigerung ir-gend etwas zu tun ist noch immer Tagesordnung in den Verwaltungen. Dass die DDR Einfluss auf das Verhalten junger Menschen in Afrika hatte, wage ich dann doch nicht zu behaupten. Wäre zu viel der Ehre in so kurzer Zeit.
PS: Es gibt viele freundliche Mosambikaner!

Ostern
Hier brüteten die Eier von selbst aus wenn man sie ließe (aber es gibt keine Ostereier, die schauen alle recht dumm, wenn wir von der Sitte erzählen) und in D werden sie für den nächsten Sommer konserviert. Tief gefroren. Wir verfolgen mit Interesse den Temperaturabfall und bleiben darob gerne hier.
Wir waren heute wieder mal in der Messe. Es war sehr sportlich. Dauernd auf-stehen, klatschen, singen, setzen. Dann sind sie alle nach vorne gegangen, es war aber nicht das Abendmahl, sie sind einfach am Altar vorbei und haben ge-nickt und dann haben sie sich wieder gesetzt. Dann haben sie noch Erntedank gemacht und eine Dose Nescafe, Zucker, Reis und andere Lebensmittel nach vorne gebracht. Keine Ahnung, ob das für den Priester war. Die Tanzgruppe ist niedlich, lauter Mädchen zwischen 8 und 14 und die tanzen barfuß zum Gemein-desingen. Das sieht schön aus und ist sehr unterhaltsam. Ich nehme an, das sind die Mädchen, die von der Kirche den Initiationsriten abspenstig gemacht wurden. Bei den nationalen Einführungsriten kriegen die Mädchen und Jungen wichtige Lehren mit auf den Weg ins Leben, wie z.B. Schmerz aushalten und Sex machen. Bei den Katholen gibt’s auch wichtige Lehren zu lernen, ich befürchte, sie sind weniger auf das Diesseits ausgerichtet. Predigen tut der Priester nicht viel. Dafür lesen sie zu zweit viel ab. Diesmal dauerte es nur knapp 2 Stunden. Sie hatten aber gestern Abend schon gefeiert von 9.00 Uhr bis knapp 2.00 die Nacht. Und Freitag ebenfalls. Für unsere Priester war es eine harte Woche und sie sind alle kaputt. Jeden Tag begann die erste Messe um 6.00 Uhr morgens. Und tagsüber war auch einiges los. Der Bischof sah ganz elendig aus heute. Beim Abendessen ging’s ihm schon besser und wir haben lange diskutiert, ob Mosambik mit Brasilien mehr Kontakte haben soll. Ich bin dafür wegen der Süd-Süd Verbindung. Länder des Südens sind sich in der Entwicklung näher als die Technisierung aus dem Norden. Der Bischof ist gegen Brasilien. Weil die Brasili-aner die Homosexualität nach Mosambik bringen täten. Jeder hat so seine Grün-de.
Ich hab jetzt meinen Grund Schluss zu machen, denn ich werde mich zu Marian-ne schleichen und da hören wir noch Buch. Über einen Mann der erzählt, wie er als Kind Ferien machte und wie er seine Frau im Sterben begleitet hat und wie er Altersflecken kriegt. Alles durcheinander. Zu lesen haben wir nur noch ein Ge-schichtsbuch über Mosambik. M hat auch das schon ausgelesen dazu den Hir-tenbrief des Bischofs und alle Traktate. Wir haben einen Hilferuf an einen Freund losgelassen, der kommt am Samstag aus Maputo. Er soll irgendwas mitbringen was Buchstaben hat.
Jetzt geht auch noch der Tabak aus! Wird Zeit

Jetzt ist es passiert
Gleich 2 Zähne raus. War nur eine Brücke. Und das Knie will nicht mehr laufen. Jetzt lispele und humple ich. Mal sehn wie sich das entwickelt. Der einzig gute Zahnarzt hier, ein Italiener, ist anscheinend nicht mehr da. Pater João will sich darum kümmern. Wenn alle Stricke reißen, fliege ich nach Dar es Salaam zu meinem Zahnarzt. Ist ja nicht mehr wie bei Livingstone. Der hätte ein halbes Jahr zu Fuß bis nach Dar es Salaam gebraucht und immer noch keinen Zahnarzt gefunden.

Abre mão Bispo!
„Öffne die Faust, Bischof“ ist meine Botschaft. Er hält sie eisern geschlossen, seine Regierungshand. Und gibt kein Fitzelchen an Verantwortung ab. Morgen fährt er für 2 Wochen weg. Und alles wird liegen bleiben sagen seine Leute. Heu-te gab es so ein Beispiel. Er hatte uns seine Idee einer zweiten Apotheke in Mon-tepuez erzählt und gebeten, dabei zu helfen. Räumlichkeiten sind da, Missiona-rinnen vor Ort, sie wissen Bescheid, sagt er. Wir wollten mit der Direktorin der Apotheke hinfahren und alles vorbereiten. Brauchen aber eine Fahrgelegenheit. Er fing an zu stottern als M ihm heute vorschlug, dass Padre João die Koordina-tion übernehmen könnte. Irgendwas von „noch nicht so weit und anders muss erst...“ nuschelt er in seinen nicht vorhandenen Bart. Ich habe das Gespräch ab-gebrochen. Dann eben nicht. Ohne ihn darf nichts gehen. Oder? Will er nicht o-der kann er nicht? Sehen wir falsch hin? Es ist alles so widersprüchlich. Er ist so nett zu uns, freut sich, bedankt sich für die Gespräche, lacht so gerne, auch über sich, ist menschlich. Möchte Änderungen. Braucht sie. Und kann nichts loslassen. Ach Bispo!

Er ist weg.
Gähnende Leere hat sich im Bischofshaus breit gemacht seit er abgereist ist. Wie bei Dornröschen, als das ganze Schloss in den Schlaf fiel und die Rosen an den Fenstern hochrankten. Und wenn er dann wiederkommt, dann gibt er allen einen Kuss und dann kommt wieder Leben in die Bude. Wir schreiben am Abschlussbe-richt.

Ein Erlebnis aus der ersten Welt
Wir waren bei LAM, der Fluggesellschaft, unsere Flüge bestätigen. Ich hatte mich auf ein längeres Palaver mit hohen Geldforderungen wegen Umbuchung einge-richtet. Sogar die Möglichkeit, dass sie uns ablehnen hatten wir diskutiert. In dem Fall, wir waren uns einig, fahren wir mit dem Bus. Am 11. sind wir in Mapu-to, komme was da wolle. Das Gebäude ist ein neuer Flachbau, seine saubere blau-rot-weiße Erscheinung sticht heraus zwischen all den grau-weißlichen Gebäuden drum herum. Und dann waren wir in einer anderen Welt. Kühles Klima, schönes Interior, geschwungene Tresen, nette Bedienung. Und kompetent! Sie studiert unseren Flugplan, tippt auf ihrem Computer, sagt, einen Moment, kommt nach Sekunden mit einem Ausdruck zurück, heftet ihn an, überreicht ihn mit einem Lächeln: alles erledigt. M sagt: es war wie auf einem anderen Stern.

Reklame
„Weil Schmutz Spaß macht: OMO“ wirbt die Reklame. Freut ich zu hören. Ob das auch für Rotweinflecken gilt?

Ich hab Heimweh. Wohin? Ich glaub, aus dem Unbekannten mal wieder in vertraute Gefilde.
Auf Wiedersehen in Deutschland!

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Tuesday, 11. march 2008 2 11 /03 /März /2008 14:08
9. März 2008
Wenn uns jemand fragt, wie es war, das hier haben wir in unseren Abschlussbericht geschrieben (vor der Abreise, noch in Pemba)

Generelle Einschätzung: Wir haben viel gelernt in einer fremden Umgebung (Bischofsitz) und einer fremden Kultur („Hinterland“ Cabo Delgado). Die Freundlichkeit des Bischofs uns gegenüber ist hervorzuheben. Ob und was wir erreicht haben ist abzuwarten. Kleinigkeiten können benannt werden, aber größer Ände-rungen brauchen gerade in Afrika ihre Zeit. Da, wo wir nichts erreicht haben, ja sogar auf Ablehnung stießen, ist nicht auszuschließen, dass wir zu viel des Guten wollten.

Änderungen in Organisationsstrukturen, neue Projekte schaffen oder bestehende verbessern, braucht Zeit. In Afrika besonders. Vorläufige Ergebnisse sind hier und da als kleine Änderungen sichtbar, der Rest ist Beobachten und Warten. Un-sere aktuelle Einschätzung, dass der Bischof Verhaltens- und Organisations-strukturen verändern wird, ist pessimistisch.

Eine Diözese im „Hinterland“ Afrikas hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Wir haben sicher nicht alle begriffen. Wirkungsgrad, Erfolg oder Misserfolg unserer Arbeit werden erst im Zeitverlauf sichtbar.

Ende II Maputo, den 12. April 2004
Relativierung oder: Ende gut. Alles noch nicht.
Gestern ist der Bischof nach 10 Tagen Abwesenheit wieder zurück gekommen. Er wollte gleich das Abschlussgespräch. Und das war dann wie ein Dammbruch. Unsere Vorschläge zur Verwaltungsreform werden für gut erachtet und geprüft ob eine Realisierung möglich ist. Das Wandzeitungs-Organigramm soll dem-nächst der Vollversammlung der Padres vorgestellt und mit ihnen diskutiert wer-den. Das ist ein Erfolg. In der Tat. Unsere pessimistische Einschätzung hat der afrikanischen (langsameren) Geschwindigkeit nicht standgehalten.

Es war ein Abenteuer in einer doppelt anderen Welt: Afrika im Hinterland von Mosambik und Kirchenherrschaft. Es war dreifach anders mit unserem Unvermö-gen, Situationen und Abläufe um uns herum einschätzen zu können. Das hat uns ständig verunsichert.

Wir haben viele Freunde gefunden in einem Kreis von Menschen, dem wir an-sonsten nicht so nahe kommen (außer in Ecuador, da haben wir mit Salesianern zusammen gearbeitet, aber die waren ziemlich „normal“). Spaß hatten wir auch. Und ein anderes (Zusammen)Leben. Froh sind wir, es gemacht zu haben und froh, dass es vorbei ist.

Das letzte Kompliment
Zum Abschluss hat der Bischof M noch ein schönes (afrikanisches) Kompliment gemacht. „Maryann, du bist“ sagte er mit Wohlwollen „massiver geworden“.

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Friday, 24. september 2010 5 24 /09 /Sept. /2010 12:24

Der Flug zu den Emirates führte über das Schwarze Meer, Anatolien, den Irak und den Iran. Auf dem Flughafen in Dubai hatten wir den Eindruck, in einer riesigen Shopping Mall gelandet zu sein. Glitzernde Läden mit internationalen Luxusprodukten, aber auch typisch arabische Waren wie Wasserpfeifen, Kaftane, Dolche und Schwerter, Ledersitzkissen, Felle und Gewürze wollte ich mir näher ansehen, aber ich wurde im Gedränge weiter geschoben. Verschleierte Frauen kauften Goldschmuck nach Gewicht, Männer in langen weißen Hemden und mit Turbanen oder Tüchern auf dem Kopf und Laptops in den Umhängetaschen führten ihre diversen Frauen und kinderreichen Familien durch die Menge und kauften ihnen Kuchen und Cola, Geschäftsleute im formellen Anzug oder Kostüm, sonnenverbrannte Touristen mit nackten Oberschenkeln und Bäuchen- viele von ihnen hätten mit langem Hemd und Schleier sicherlich auch besser ausgesehen- waren auf der Suche nach Schnäppchen und R besorgte sich seinen Pfeifentabak auf Vorrat. Ich beobachtete und staunte und die Wartezeit bis zum Anschlussflug verging.

Auf dem Weiterflug sahen wir die graugelbe Arabische Halbinsel und das türkisfarbene Meer am  Horn von Afrika. In Nairobi ein weiterer kurzer Aufenthalt und von hier war es nur noch eine Stunde. Zuerst aber flogen wir am Kilimanjaro vorbei und damit ihn alle einmal sehen konnten,  drehte der Pilot eine Ehrenrunde über dem schneebedeckten Bergmassiv mit seinen vielen kleinen Kratern, bevor er langsam sank und zur Landung in Dar es Salaam ansetzte. Sansibar war unter uns zu sehen und der hellblaue Indische Ozean, in dem von oben die Korallenriffs und kleine weiße Inseln wie Boote wirkten. Dar-es-Salaam---16.jpgDie Gegend um Dar es Salaam erschien sehr flach und grün, ein langer weißer Strand war zu erkennen und weit verstreute Siedlungen aus kleinen Häusern und Hütten mit Blech- oder Palmdächern, winzige Felder und Gärten drum herum, viele Pfade und ungeteerte Wege, rotgelbe Erde, dann einige wenige breite Straßen und mehrgeschossige Bauten, ein paar Hochhäuser in der Nähe des Hafens, wir legten uns in die letzte Kurve und setzten auf.  Aufregend war das:  dies war der Mittelpunkt unseres Lebens für die kommenden Jahre. Wir hielten uns schwitzend an den Händen und freuten uns, von oben war es wunderschön.

Beim Aussteigen überwältigte uns die feuchte Hitze und im Gedränge bei der Passkontrolle hatten wir Atembeschwerden und unsere Kleidung klebte. Den Anderen ging es auch nicht besser, wenn man jemanden aus Versehen berührte, war er genauso nass verschwitzt wie wir. Es roch nach Schweiß. Wie das die schwarz verschleierten Frauen aushielten, die, unter ihrem Schleier noch Jeans oder Kleider trugen? Wir bekamen ein Touristenvisum für drei Monate, unser Gepäck war da und draußen stand schon der kräftig gebaute gütig aussehende Bürobote und Chauffeur Shamte, der uns mit einem großen Namensschild erwartete und perfekt Englisch sprach. Der Dienstwagen war ein vierradgetriebenen kräftigen Jeep mit dem Lenkrad rechts, Tansania hatte Linksverkehr. Die Fahrt ging über eine autobahnähnliche Zufahrtsstraße, vorbei an Werkstätten und Produktionshallen, davor wackelige Verkaufsstände - das alles erinnerte noch an Lateinamerika, nur die Menschen waren dunkler - führte am Zentrum vorbei mit Repräsentativbauten,  älteren Häusern aus der Kolonialzeit und einem indisch aussehenden Viertel um im Norden der Stadt,  auf der Halbinsel, in einen Weg aus rotem Lehm mit tiefen Wasserlöchern über zu gehen. Wir holperten und schaukelten durch eine luxuriöse Wohngegend,  an hohen Mauern und Zäunen vorbei hinter denen große Grundstücke und Villen zu erkennen waren, zur Residenz des scheidenden Direktors und Vorgängers von R und seiner brasilianischen Ehefrau, wo wir eingeladen waren, die ersten Tage zu verbringen.

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Sunday, 26. september 2010 7 26 /09 /Sept. /2010 12:11

Teil I endete mit den ersten Eindrücken von Dar es Salaam und der Ankunft beim scheidenden Direktors der FES (meinem Vorgänger) und seiner brasilianischen Ehefrau, wo wir eingeladen waren, die ersten Tage zu verbringen.


 

Shamte hupte, ein Diener riss das Tor auf und wir rollten durch den großen tropischen Garten vors Haus. Beim Verlassen des klimatisierten Wagens erschlug mich die Gluthitze. Ein anderer Diener und eine junge Frau griffen sich unser Gepäck und brachten es irgendwohin. Unsere Gastgeber  begrüßten uns mit „Hallo, wir sind Peter und Valeria“, Küsschen und Schulterklopfen. „Am besten,  ihr springt erstmal in den Pool“, luden sie uns ein. Was für eine gute Idee!

Richtig kalt war das Wasser zwar nicht, aber es erfrischte, zumindest konnte man sich den Schweiß der Reise abspülen.

Sie wohnten zu zweit in einer dreistöckigen Villa inmitten eines großen Gemüse- und Blumengartens mit Bambus, Affenbrot- und  Flammenbäumen, Bananenstauden und Bougainvilleen auf der Halbinsel zwischen Indischem Ozean und der Msasani-Bucht,  etwa 20 Minuten vom Büro entfernt.

Wir hatten ein einfaches Zimmer mit einem eigenen Bad und Moskitonetzen vor den Fenstern und über den Betten.

Ein Bad nach dem langen Flug, ein eiskalter Gin-Tonic zur Begrüßung  auf dem Dachgarten mit Blick aufs Meer , eine warme Brise – unser Leben in Afrika konnte losgehen! Das Paradies war nicht perfekt, die Moskitos attackierten und im Nu waren wir zerstochen und mussten ins Haus. Das Autan war noch in unserem unbegleiteten Fluggepäck, aber die Malaria-Prophylaxe hatten wir schon vor einer Woche begonnen.

Wir schliefen ohne Zudecke, ohne uns zu berühren und ich rettete mich in der Nacht zweimal unter der lauwarmen Dusche (kaltes Wasser gab es nicht – woher auch?).

Das Frühstück bestand aus Obstsalat mit Mangos, Orangen, Papayas und Bananen, dazu frisch gepresster Saft.

Einige Tage später lag ich  wach auf meinem nass geschwitzten Laken, es war noch dunkel, als die Brise ein seltsames Geräusch von der Stadt her übers Wasser wehte: der Muezzin rief. Ich glaubte, es waren sogar mehrere, aber ich konnte mich auch irren, weil einige Hunde anfingen zu heulen. Es war Freitag, verschärfter Moscheegang für die Muslime. Es musste ungefähr halb fünf Uhr sein. Erst danach fingen die Hähne an zu krähen, dann die Vögel zu singen, und die vielen Raben zu krächzen. Als erstes in den Pool zum Wachwerden. Gestern Abend war es etwas später geworden. R hatte Caipirinhas gemacht, das Essen war vorzüglich gewesen.  Unsere Gastgeber gaben sich Mühe, uns zu zeigen, wo wir einkaufen konnten, sie machten uns mit Leuten bekannt, erklärten, was wir nicht verstanden. Ich hatte das Gefühl, wir würden uns schon lange kennen, waren vertraut. Dazu trug natürlich bei, dass Valeria Brasilianerin war und wir uns auf Portugiesisch unterhalten konnten. Mit Brasilianern wird man einfach schnell warm, sie sind offen und herzlich.

Asha.jpg „Mama Hamisi“, die junge Frau im Haus gefiel uns,  wir übernahmen sie gerne als Hausangestellte wenn wir eine eigene Wohnung hätten. Sie sprach geduldig Kisuaheli mit mir und verstand, was ich meinte. Sie war etwa 26 Jahre alt, schlank und schön mit ihrer braunen Haut, dem edlen Gesicht und der originellen Zöpfchenfrisur, arbeitete schnell und gründlich und sah, wo etwas zu tun war. Außerdem lachte sie immer, was natürlich auch darauf hin deuten konnte, dass ich ziemlichen Blödsinn redete. Ihren Namen hatte sie von ihrem ersten Sohn Hamisi. Mütter werden nach ihren erstgeborenen Söhnen genannt, der Jungmädchenname ist nicht mehr wichtig, wenn sie verheiratet sind. Und Hamisi bedeutet, dass er an einem Donnerstag geboren wurde. Die „Jumas“ wurden am Freitag geboren, sind also islamische Sonntagskinder! Mama Hamisi lachte erfreut bei unserer Anfrage, ich hatte den Eindruck, ihr sei eine Last von der Seele genommen. Ihr Mann Iddi war der Gärtner, den wir draußen gesehen hatten, und es konnte gut sein, dass die neuen Mieter des Hauses ihn nicht mehr brauchen würden, da sie selbst Personal mit brachten. So hatte wenigstens sie die Gewissheit, weiter Geld zu verdienen.

R fuhr mit Peter ins Büro. Er musste jeden Tag der Überlappungszeit ausnutzen, um wichtige Leute kennen zu lernen und sich mit der Arbeit der Stiftung vertraut zu machen.

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Tuesday, 28. september 2010 2 28 /09 /Sept. /2010 12:21

Zwei Monate wohnten wir in einem Hotel, warteten auf das unbegleitete Fluggepäck, warteten auf den Umzug, das Auto, die Wohnung, das Visum, die Arbeitserlaubnis. Mal sollte es bald kommen, mal hing es irgendwo, wartete auf Bakschisch oder andere Wohltaten. Und dann dauerte es wieder. Leben zwischen den Welten  muss geübt sein.

 

Afrika ist Warten. Einiges sind wir aus Lateinamerika gewohnt, doch hier scheint mir die Ungewissheit größer. Man weiß nie, was passiert, besser gesagt, warum nichts passiert und plötzlich doch. Ganz Tansania tut langsam. Vielleicht aus gutem Grund? Es ist das einzige Land in Afrika ohne große Konflikte, ohne Kriege, ohne Umstürze seit der Unabhängigkeit. Ja, sie haben Iddi Amin, den Schlächter von Uganda verjagt, weil der sie angegriffen hat. Aber ansonsten ist es ein friedliches Land. Arm wie die Kirchenmaus aber wenn der Regen nicht ausbleibt, verhungert selten jemand. Vielleicht müssen wir auf alles so lange warten, weil ihr Leben langsam und  friedlich verläuft? Zwischen Widerstand gegen Veränderung und Ruhe gibt es einen Zusammenhang, da bin ich sicher. Nur meinen alle Nordlichter, die Tansanier müssten sich ein bisschen mehr entwickeln. Ich lebe davon.

 

(M) 6.6. Eben hat Reinhold angerufen. Eine Truhe mit unserem unbegleiteten Fluggepäck ist noch in Frankfurt, die andere ist verschollen! Ich will mich nicht aufregen, aber wenn ich daran denke, was da alles drin ist: sämtliche Unterlagen unserer Versicherungen, Zeugnisse, Verdienstbescheinigungen, meine Medikamente für ein Jahr.... Na ja, meistens wird ja nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird, und die Sachen tauchen irgendwann wieder auf....hoffentlich! Trotzdem, je länger ich drüber nachdenke......irgendwie macht es mich schon nervös!

Ich bin fürchterlich zerstochen, besonders im Gesicht. Ich dachte nicht, dass die Biester auch morgens am Swimmingpool angreifen.

 

8.6. Also, ein Gepäckstück ist jetzt in Zürich, kommt aber wohl am Montag. Auf telefonische Nachfrage von Reinhold, wie es denn aussehe, sagte man ihm, es sei eine ganz gewöhnliche 35 Kilo schwere Pumpe(!).

 

16.6. Seit gestern Nachmittag sind wir in einem sehr schönen Hotel-Apartment und genießen das Allein-Zusammensein. Kipepeo---Shamte-wartet-Kopie-1.jpgR wird morgens von seinem Fahrer abgeholt. Im Hotel können wir kochen, haben Internet und zwei Zimmer. Mama Hamisi, die noch bis zu Peters Abreise bei ihm arbeitet, kommt zweimal die Woche um unsere Wäsche zum Waschen abzuholen und zurück zu bringen. Es gibt keine Wäschereien in der Nähe. Ich wüsste nicht, wo ich alles aufhängen und bügeln könnte. Wir schwimmen regelmäßig im Pool und gehen in den klimatisierten Fittnessraum zum Trainieren.

 

Shamte kommt freudestrahlend und stolz mit unserem unbegleiteten Fluggepäck, wohlbehalten und vollständig. Wir finden allerlei Nützliches darin, nur nicht die Malariatabletten. Die haben wir wohl aus Versehen zum Umzug gepackt, der erst in einigen Monaten ankommt. Aber eigentlich wundern wir uns, was wir alles gemeint haben, unbedingt zu brauchen, warme Kleider, CDs und viele Bücher. Die beiden Kisten stehen  uns im Hotel im Weg herum.

Unser Auto, in Gibraltar bestellt, kommt relativ pünktlich im Hafen von Dar es Salaam an, wir haben seine Reise auf der Internetseite der Reederei verfolgt. Doch die Schlüssel dazu sind an unseren alten Wohnsitz geschickt worden, an die Adresse, die wir schon vor vier Monaten aufgegeben hatten,  bevor wir zur Fortbildung nach Bad Honnef gegangen sind. Also wird es noch ein paar Wochen dauern, bis uns der Schlüssel wenn überhaupt irgendwie erreichen. Wir können weiter nichts tun als warten und hoffen.

Reinhold ist gestern das erste Mal alleine mit dem Dienstwagen nach Hause gekommen. Abends waren wir noch unterwegs und er hat prompt wieder vergessen, dass hier Linksverkehr ist. Und dauernd versucht er, mit der rechten Hand zu schalten. Ich darf ja nicht mit dem Dienstwagen fahren und nehme für meine Unternehmungen ein Taxi.

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