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  • : Andere-Welten oder: Von Einem der auszog aus seinem Dorf und neue Welten kennen lernte
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Andere Welten für Kinder & Erwachsene

Saturday, 31. october 1998 6 31 /10 /Okt. /1998 14:41

von RE - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene
In Ibagué war ich. Das spricht man aus: Ibageeeee. Diesmal mit Juan Carlos, der fährt den Jeep. Über Land sieht man mehr. Von Bogotá geht es die Anden runter in das Tal des Magdalena-Flusses und drüben wieder ein kleines Stückchen die West-Kordillere rauf. Hier heissen die Alpen Kordilleren und es gibt einen Gebirgszug im Osten, da oben drauf liegt Bogotá und einen weiter im Westen, richtung Küste. Die beiden Gebirge vereinen sich an der Grenze zu Ecuador und dann ziehen sie vereint weiter durch Bolivien und Peru nach Chile und Argentinien runter. Die ollen Anden-Tanten. Die Anden runter zu fahren geht gut. Dann kommt die weite Ebene, in der Mitte der mächtige Fluss Magdalena, der langsam danhinrollt und fliesst und fliesst bis er an die Küste gelangt und das Meer küsst. Da unten an der Küste ist es ganz schön heiss. Und fruchtbar. Reis wächst da und Mais und Palmen und Bananen und Mangos gibts, so gross wie Kinderköpfe. Na ja, die von kleinen Kindern. Weiter oben, da wo wir entlang fahren, ist es oft recht kalt. Ibagué ist die Hauptstadt der Provint Tollima. Und so heißt auch der riesige Vulkan, den man durch ein Tal hinter der Stadt sehen kann. Der Vulkan hat einen Sombrero-Hut aus Schnee und Wolken und ist momentan zumindest ganz ruhig. Aber bei denen weiss man nie, ob sie nicht mal rotzen und kotzen wollen. Dann kannste laufen, sag ich dir!

Wir haben die Bürgermeisterin besucht und eine Kooperative, die hat 80 000 Mitglieder. Die Bürgermeisterin war nett und hat zugehört, vielleicht hat sie aber auch nur so getan und nicht richtig verstanden, was ich gesagt hab. Sie verstand kein Deutsch und ich war ein wenig aufgeregt. So eine wichtige Person denn auch. Mit dem Präsidenten der Kooperative hab ich oben in dem Tal, unterhalb von dem Vulkan Mittag gegessen, den hab ich ganz gut verstanden. Und dann waren wir noch in einem Büro, da waren die Leute auch ganz nett. Mit von der Partie war noch ein Mensch von der Regierung, die uns Geld gibt. Der fand das auch ganz nett, was in der Kooperative so passiert. Was ich wiederum nett fand, denn es ist gut, wenn man nett zueinander ist. Und dann hab ich noch ein paar kleine Klitschen-Werkstätten besucht, die nennt man hier Micros, das heisst "Kleinste". Die besuchen mußte ich machen, weil wir auch die unterstützen, damit sie etwas wachsen. Wir helfen denen, damit sie besser verkaufen können und bessere Sachen herstellen. Und deshalb muss ich machmal reisen um zu nachzusehen, ob sie das auch richtig machen. Alles klar? OK.

Übernachtet haben wir oben in dem Tal. Da war es schön ruhig. Wenn man aus Bogotá kommt, ist das eine wahre Erleichterung. In der Haupstadt hupt und schrillt und brummts den ganzen lieben langen Tag und oft nachts auch noch. Die Leute hier auf dem Campo - das ist das Land, wo Bauern wohnen - die gehen mit den Hühnern schlafen und stehen so früh auf, dass sie den Haan wecken. Der protestiert dann lautstark und deshalb krähen die Hähne so früh. Das erinnert mich an eine Geschichte in Ecuador vor vielen, vielen Jahren. Da waren wir auch auf dem Land, das hier Campo heißt und haben bei einer Bauernfamilie übernachtet. Um 7:00 oder 8:00 Uhr abends gehen sie normal ins Bett. Das hat der Mann auch getan, die Frau wollte aber unbedingt, dass wir ihre Gruppe besuchen. Und da wollten sie tanzen. Es war aber keine Musik da. Ein junger Mann hat sein Pferd geholt und ist in die Dunkelheit losgeritten. Nach langer Zeit kam er mit 2 Platten zurück. Wir waren schon ganz schön müde, mussten aber tanzen, denn wenn ein Besuch kommt, dann ist das der Anlass zum tanzen. Und Besuch kommt selten. Es war spät, als wir auf unser Stroh kamen. Und kaum hatten wir die Augen zugemacht, ging das Radio von dem Mann los. Sein Bett war nur eine Bretterwand von uns entfernt. Von 3:00 bis 4:00 in der Früh pflegte er Nachrichten aus der nächsten Stadt zu hören, wie die Preise für das Vieh standen, wer sein Schwein verkaufen und seine Pantoffel verloren hatt und so was. Um 4:00 ist er aufgestanden, um 5:00 Uhr gab es Frühstück. Einen Teller mit Reis, Fleisch, Eiern, gebratenen Bananen und Kaffee. Das hat uns etwas munterer gemacht.
Genauso geht das hier auch, hat mir Juan Carlos erzählt. Nur, dass sie keinen Kaffee, sondern Schokolade zum Frühstück trinken.

Am nächsten Tag sind wir wieder zurückgefahren, die Anden - Kordilleren hoch. Da drüben, sagt Juan Carlos, da leben die Guerilleros. Die kämpfen gegen den Staat und lassen keine Polizei und kein Militär in ihre Berge und sagen, die kleinen Leute müssten mehr Unterstützung vom Staat kriegen. Nicht nur die reichen Leute, wie das hier so üblich ist. Da haben sie zwar grundsätzlich Recht, aber die schießen auch auf kleine Leute. Und da hört mein Verständnis auf. Jedenfalls hab ich dann gesehen, was sie manchmal machen. Auf den Straßen muss man so alle 50 Km Gebühren zahlen. Und dann kam eine Stelle schon nach 25 km. Aber da war kein Häuschen mehr und keine Schranke und kein Mensch zu sehen. Tja, sagt Juan Carlos, das hat die Guerilla weggesprengt. Sie haben gesagt, es wäre nicht gerecht, so kurz hintereinander Geld zu verlangen. Wumm-Dumm, war das Problem gelöst. So kann man auch mit kleinen Sachen, den Autofahrern Freude machen. Ach nee, trotzdem kann ich sie nicht leiden, die Guerillas. Sie bringen dauernd Leute um. Das darf man nicht.

Und dann kamen wir wieder nach Bogotá und alles wurde laut und hektisch und die Autos rumpelten rum und hupten und der Verkehr stand still weil alle zusammen und auf einmal auf die Kreuzung wollten und ich war froh, als die Marianne mir freudestrahlend die Tür aufgemacht hat. Da war ich wieder zu Hause.
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Saturday, 30. october 1999 6 30 /10 /Okt. /1999 13:52

von RE - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene
Karneval in Bogota
gibt es nicht. Da meint man, in Südamerika sind die Menschen lustig und feiern viel. Und dann gibt es hier auch solche und solche. In Bogotá, da da gibt es welche, die rennen zur Arbeit. Im Norden, an der Küste, da ist das anders. Da bewegen sich die Menschen schön langsam. Vielleicht, weil da mehr schwarze Menschen leben und es wärmer ist.

Auf meinem Tisch liegt eine Maske. Nur eine kleine. Es ist ein Stierkopf aus Holz, innen hohl und vorne lustig angemalt. Rote, gelbe, grüne und blaue Streifen ziehen sich vom Kopf auf die Schnauze zu. Den benutzt man im Karneval an der Küste. Nicht so klein, natürlich nicht. Auch Tigerköpfe. Meist werden die aus Pappmaché gemacht. Männer setzten sie sich auf den Kopf, verkleiden sich als Tiere und springen wie die Derwische damit rum. In Brasilien gibt es auch so was. Da heißt es “Bum-ba meo Boi”, hau meinen Ochsen und ist eine ganze Geschichte, die auf den Straßen gespielt wird. Der Boi, das ist ein Ochse und der wird von einem jungen Mann gespielt und der Ochsenkopf ist bunt und hat viele Bänder und unten rum hat er noch ein Stoffkleid an, wie ein Ochse mit einem langen Schwanz. Der schwitzt da drunter wie verrückt. Und dann gibt es noch den reichen Haciendeiro, dem Mann, dem die Farm und der Ochse gehört und die Doña Catarina, das ist die Frau des Gutsverwalters und die will die Zunge vom Ochsen. Und dann spielt noch mit der Capitão de Mato, ein dusseliger Dorfpolizist und noch ein schusseliger Arzt. Das sind alles Leute, die die Dorfbewohner da oben im Norden von Brasilien ganz gut kennen und über die sie sich bei der Gelegenheit lustig machen. Und dann hupfen da noch die Vaqueiros rum, die Cowboys und Banditen und ein Blasorchester spielt schrill und Indianer dürften auch nicht fehlen. Die Frage ist, kriegt die Frau Catarina nun ihre Ochsenzunge? Und dann plumpst der Ochse irgendwann um und der schusselige Doktor soll ihn wieder lebendig machen. Und dann geht’s dann drunter und drüber und alles feiert und tanzt und singt und trinkt und manchmal geht die Geschichte auch ganz anders. So ist das da in Brasilien. Hier in Kolumbien hat der Ochse nicht so viel zu tun.

Einen schönen Brauch will ich Euch noch erzählen. Sie spritzen sich mit Wasser voll und schmeißen Mehl hinterher. Das ist echt toll. Viele haben Wasserbomben, aber mit Schläuchen und Eimern geht’s auch ganz gut. So eine Bombe in den Bus und hinterher eine Tüte Mehl, das bringt Stimmung. Da oben an der Küste, da ist es warm, da geht das gut. Wir haben es aber auch schon in Ecuador oben in den Anden erlebt. Am Anfang ist es ein wenig ungemütlich. Du gehst die Straße lang und vom Balkon kippt dir einer einen Eimer Wasser über und alles lacht sich schubbelig. Aber dann geben sie einem einen Schnaps. Und ab dem dritten Wasserguss und dem dritten Schnaps, da fängt man dann an, mitzulachen. Zum Schluss haben mich dann 3 Leute in einen Hauseingang gezerrt und mir einen Eimer voll übergekippt. Danach haben wir zusammen eine halbe Flasche Feuerwasser gekippt. Ich hab mich sehr gefreut und sehr warm war mir.

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Sunday, 31. october 1999 7 31 /10 /Okt. /1999 13:19

von RE - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene
Kinder, es war Sonnenfinsternis

Wir hatten eine Sonnenfinsternis. Um Mittag hat sich der Mond langsam, langsam vor die Sonne geschoben und die Erde verdunkelt. Es wurde grau, trüb, unwirklich, unheimlich. Dann hören die Vögel auf zu zwitschern, die Hunde verkriechen sich und die Erde ward still und unheimlich. Erst nach einer ganzen Weile schlich die Sonnensichel langsam hinter dem Mond hervor, heller und heller wurde es und dankbar begrüßen Mensch, Tier und Pflanze unsere Licht- und Lebensspenderin. Sie wurde erst mal Halbsonne und dann Dreiviertelsonne und dann war sie wieder da.

Die Wayú-Indianer glauben schon sehr lange, dass der Mond die Sonne frisst. Auch diesmal hatten sie Angst, es könnte passieren. Vor 1000 Jahren, so die Sage, hat sich die Sonne 8 Tage lang hinter dem Mond versteckt. Als die Dämmerung begann, sind die Wolken auf die Erde gesunken und die Pflanzen, die sie berührten, wurden nackt. Dann kamen andere Wolken und mit ihnen fremde Tiere, die sie Mariapalitas nannten, es waren aber Langusten. Sie haben alle Pflanzen abgefressen, die sie finden konnten. Die Ziegen und alle andern Tiere waren ohne Futter. Und die Wasserstellen trockneten aus. Die Großmütter und alle alten Leute haben geweint und zu Gott Mareygua gebetet, er solle ihnen vergeben wenn sie etwas schlechtes getan hätten. Deshalb haben die Wayú-Indianer Angst vor der Sonnenfinsternis.

Aber sie haben auch ein Gegenmittel gefunden um den schlechten Geistern zu entgehen,die den Sonnenglanz nehmen. Menschen und Tiere schließen sich ein in dunklen Räumen, denn wer draußen bleibt, der verirrt sich und kommt nicht mehr zurück. Sagen sie. Und sie haben sich ausgerüstet, um Lärm zu machen. Mit Kochtöpfen, Blechschüsseln, Holzknüppeln und Äxten, mit Revolvern und Gewehren haben sie Krach gemacht in dem Glauben, dass sie damit die bösen Geister vertreiben und die Sonne mit ihrem Glanz zurückkommen wird.

Die Sonne kam zurück, oh Wunder. Er hat anscheinend geholfen, der Krach, den die Wayu-Indianer gemacht haben. Oder?
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Sunday, 30. july 2006 7 30 /07 /Juli /2006 13:47

von RE - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene
Dar es Salaam 2006. Grellgelb zuckte es und blendete die Augen, gleich danach ein Donner, als würden wir neben einer Kanone stehen. Es hat eingeschlagen, der erste Gedanke. Und es hatte eingeschlagen. Im Haus, in der Nachbarwohnung. Die Leitungen waren verschmort, Flammen schlugen raus. Das war zu löschen. Aber die angeschlossenen Geräte waren hin.  Sogar den Haus-Generator hatte es erwischt, weil er gerade lief. Auch das Internet war verschwunden.
Wir hatten Glück. Gleich zwei Mal. Es hat unsere Wohnung nicht getroffen und von den Geräten hat offenbar alles überlebt obwohl sie eingestöpselt waren und noch mal Glück hatten wir, weil wir nicht da waren.

Kurz danach waren wir in Sansibar an der Ostküste. Und es tat genau denselben Wummer! Wrrrums! Der Schlag hatte die Wände der Hütte erzittern lassen, meine Ohren sausten und hätten die Fenster Scheiben gehabt, sie hätten gezittert. Schlag und Blitz kamen für uns gleichzeitig. Der Blitz erhellte gelblich das Meer vor uns und dann folgten Schlag auf Schlag und Blitz auf Blitz, nicht mehr so stark wie die große Explosion, aber Furcht erregend immer noch. Wir waren in einem Tropengewitter.

Früher, zu Hause, hat uns die Mutter gelehrt, die Kleider auf einem Bündel zusammenzulegen und auf dem Stuhl neben dem Bett zu verwahren. Damit, wenn der Blitz einschlüge, man die Sachen nehmen und rennen sollte. Angst hatten wir vor dem Gewitter. Unheimlich war das, was da geschah.

Nur Vater hat mich mit ans Fenster genommen und erklärt, was abläuft. Er war Segelflieger und Flieger müssen von Gewittern was wissen. Sonst kommen sie in Teufels Küche wenn sie da rein fliegen. Wortwörtlich. Wolken, höre ich ihn noch immer sagen, reiben sich aneinander, das ergibt Spannung und wie alle Spannung sucht sich diese auch eine Entladung und zwar auf der Erde. Am liebsten dort, wo es näher ist und wo der Blitz wenig Widerstand findet, rein zu fahren. Höhe Gebäude liebt er, Menschen einsam auf dem Feld, Bäume. „Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen“ kannten wir als Bauernweisheit. Der Spruch ist nicht richtig. Besser, sich flach in eine Furche legen, sagte Vater, wenn man alleine ist und auf dem Feld überrascht wird. Neueste Erkenntnisse sagen, hinhocken ist sicherer. Auf keinen Fall stehen bleiben, der Blitz sucht sich den höchsten Punkt. Deshalb, so hat er mir erzählt, funktionieren auch die Blitzableiter. Die haben einen Drahtzipfel in Richtung Himmel, höher als das Dach und wenn da der Blitz rein fährt, wird er weiter geleitet über eine Leitung in die Erde. Da guckt er dann dumm. Der Blitz.
Und der Donner, sagte mein Vater, der kommt davon, wenn die Wolken, die gespaltenen, wieder zusammen rasseln. Dabei hab ich gelernt, wie schnell der Schall ist. Zähl mal, wenn du einen Blitz siehst. Langsam: Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig.... und jedes Mal wenn du bei 3 bist, ist der Blitz 1 Km weit weg, bei sechsundzwanzig sind es 2 Km und bei neunundzwanzig 3 Km.

Den ganzen Tag vorher hatte der Wind fest geblasen. Die Wedel der hohen Königspalmen hatten hilflos im Wind herumgefuchtelt und die riesigen Blätter der niedrigen Fächerpalme sahen aus wie Tänzer, die sich nach allen Seiten hin verbiegen. Unangenehm war der Wind geworden. Und dann auf einmal – hörte er auf. Kein Hauch mehr. Und der Himmel war voller Wolken.  Ich konnte das nicht begreifen, dachte ich doch, die Wolken machen den Wind. So, wie auf dem Bild, wo eine Wolke die Backen aufbläst und Segelboote und Windmühlen antreibt. Neee, lacht Marianne mich aus, das ist was für Kinder. Gut dass ich ein kindliches Gemüt habe, sonst hätte ich sauer werden müssen. Wind, sagt sie, entsteht wenn es ein Hochdruckgebiet gibt (und dabei hielt sie die Hände nach oben, damit ich das auch kapiere) und daneben, irgendwo weg, einen Tiefdruck (Hände unten, ich habs kapiert). Das kann man auf dem Barometer sehen. Früher hatten wir an der Hauswand ein kleines Häuschen und wenn es Hochdruck war, dann kam eine Sonne heraus und bei Tiefdruck ein Mann und eine Frau unter einem Regenschirm. Also: Hochdruck hier und Tiefdruck da und die Windmoleküle spielen Schlittenfahrt. Sie sausen den Berg hinab in einer Wolke von Schnee, nein Luft und je schneller sie sausen um so mehr Schnee (also Luft) wirbeln sie mit und dann geht’s unten juchheisa über Stock und Stein und wenn du im Weg stehst pusten sie dich an. Und deshalb wedelt die Palme wie bekloppt.

Nach der Ruhe vor dem Sturm kam das Gewitter. Da war die Ruhe vorbei. Mit dem ersten Schlag erlosch das Licht und verkrümelte sich bis zum nächsten Tag. Wasser plätscherte in die Hütte, Vorhänge und Moskitonetze wollten weg fliegen und ich hatte ein wenig Angst. Dann aber ging es weg, das Gewitter. Drüben, überm Indischen Ozean zog es gen Japan oder wo auch immer hin. Vielleicht ist es ja bis zu euch gekommen?

Viele liebe Grüße
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Wednesday, 29. october 2008 3 29 /10 /Okt. /2008 13:50

von RE - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene
An meine jungen Freunde

Bericht über meine Reise zu den Hochlandindianern, durch Flüsse in den Bergen, an Guerillas vorbei (sie waren nicht zu Hause) und wie ich einen Indianerhäuptling kennen lernte

Bogota den 31. Juli 1998

Fliegen gefällt mir langsam nicht mehr. Aber nach Valledupar, am Rand der kolumbianischen Alpen, sie heißen Ostkordilleren und liegen fast an der Küste, da kann man kaum mit dem Auto hin. Also musste ich fliegen. Das Flugzeug hüpfte und sprang und mein Seeelchen auch. Als wenn es sich lustig machen wollte über mich. Und dann dotzte es auf, schlitterte ein wenig und wir waren da. Brül-lende Hitze empfing uns. Der Ort liegt auf einer Hochebene mit rundum Bergen. Ein alter Jeep wartete mit einem noch älteren Fahrer. Der machte ein unfreundliches Gesicht und fuhr auch so. Vollgas durch die Ebene, am liebsten links und wenn ein Fahrzeug entge-genkam dann kurbelte er erst kurz davor scharf nach rechts.

Dann gings in die Berge. Erst war noch As-phalt da, dann weniger und dann kam Piste mit Sand. Aufwärts ging´s voll durch die Kurven. Die Hupe des alten Fahrers warnte meilenweit die Autos, Mulas und Leute auf dem Weg. Pueblo Bonito, der "hübsche Ort", war die erste Station. So hübsch war´s da aber nicht. Am Eingang eine Militärkaserne mit jungen Soldaten. Die saßen auf der Mauer und hielten ihre Gewehre in die Gegend. Von uns wollten sie wissen, wohin und wozu und warum. Sie sind da und haben Angst, weil die Guerillero-Kämpfer in den Bergen sitzen. Wir waren von Leuten in der Gegend eingeladen, da hat die Guerilla uns nichts gemacht. Wenn man den armen Leuten hilft, dann tun sie einem nichts, sagen die Leute. Das fand ich ganz gut. Weil sie, die Guerilla, so sagen die Leute, ja für die armen Leute kämpfen und gegen die reichen Leute sind, die den armen Leuten nichts gönnen, damit sie selber noch reicher werden kön-nen. Na, ich weiß nicht, manchmal ist das viel-leicht so. Aber manchmal kämpfen die Gueril-leros auch dafür, dass sie selber reich werden.

Wir haben eine Kooperative besichtigt. Denen helfen wir mit unserem Kaffee-Projekt. Das ist der Kaffee, der direkt von den Kleinbauern auch nach Europa kommt. Er ist ein wenig teurer, aber das, was er mehr kostet, wird di-rekt den Bauern ausgezahlt. Der Kaffee hat den Aufkleber TransFair und es gibt ihn im Su-permarkt. Sagt das mal Euren Eltern.

Die Bauern kamen mit ihren Mulas und zu Fuß aus den Bergen. Die meisten waren Indianer, einige waren Colonos, also Siedler. Die India-ner hatten weiße Stoffumhänge an bis zu den Knien und einen breiten Gürtel aus vielen dünnen Seilen. Manche hatten Cowboyhüte auf, manche Hüte wie halbe Kürbisse. Fast alle hatten lange Haare, Stofftaschen umgehängt und die Machete an der Seite. In den Taschen haben sie alles, was sie brauchen, manchmal haben sie mehrere davon, an den Seiten und vor dem Bauch. Schon die kleinen Kinder ha-ben Taschen um und Macheten an der Seite. Kleine Macheten natürlich.

In der Versammlung haben sie uns viel erzählt. Indianer erzählen Geschichten. Das war gut, da versteh ich viel mehr. Ich erzähl ja auch gerne Geschichten. Vielleicht sind wir ebenfalls In-dianer, wir aus Hommertshausen?

Und dann hab ich ihn kennen gelernt, den Häuptling. Er war nicht von dem Stamm wo die Bauern her kamen, sondern aus dem Sü-den. Klein ist er, sein Gesicht erinnert mich an einen Frosch und dauernd kaut er Blätter, die aus der dicken Unterlippe rausragen. Lange Zeit war er Oberhäuptling aller Indianer in Kolumbien. Und hat die Welt bereist als Ver-treter der Indianer. Er war schon in Deutsch-land und Australien und Dänemark und den USA und so. Dann aber, vor 10 Jahren, haben die Indianer beschlossen, sie wollen auf den Kriegspfad gehen und er war dagegen. Da ist er zurückgetreten und in den Norden gezogen, in die Berge an der Sierra Nevada, den schnee-bedeckten kolumbianischen Alpen. Und hat diese Kooperative aufgebaut weil er weiß, wie wichtig es ist, sich zusammenzuschließen. Gemeinsamkeit macht stark. Sein ehemaliges Volk ist dann doch nicht auf den Kriegspfad gezogen.

Wir sollten bei ihm übernachten. Er wollte einen Jeep besorgen. Es war weit zu laufen und schon 6:00 Uhr abends, also fast dunkel. Hier wird es ja um 6.00 Uhr Nachmittags schon dunkel, das ganze Jahr über. Und für uns Grin-gos da am Berg war das unheimlich. Dann kam er zurück und sagte, der Wagen muss noch repariert werden. Viele Autos gibt es nicht in der Gegend, meistens sind es welche zum transportieren von Sachen. Wir haben gewar-tet. Das ist normal in Lateinamerika. Warten muss man können. Das können alle. Und da saßen dann die Indianer unter einem Baum und haben sich Geschichten erzählt und geraucht und waren lustig. Und ihre Mulas haben das Maul aufgemacht und mitgeröhrt. Die meisten blieben über Nacht, der Weg zurück war stun-denlang.

Dann kam der Wagen und brauchte noch Ben-zin. Das gab´s weit weg und wir haben ihm ein bisschen Geld gegeben und nochmals gewartet. Um 8:00 sind wir abgefahren. Mit uns hinten auf der Ladefläche. Ich hab immer gesagt, in Ecuador sind wir mit unserem Peugeot fast überall hingekommen. Hier wären wir nicht mal 100 m weit gekommen. Das war eher eine Mondlandschaft denn eine Straße. Sie hatte tiefe Krater und Risse und der Jeep schwankte da durch, von einer Seite auf die andere. Zweimal mussten wir durch einen Fluss . Es hatte geregnet in den Bergen und das Wasser kam rauschend herunter. Und der Jeep mahlte den Berg hoch und ließ sich nicht aufhalten. Gut so, denn Schieben hätten ich nicht mehr gekonnt. War zu müde.

An einer Stelle konnte man weit in das vom Mond beschienene Tal blicken. Der Jeep blieb stehen, jetzt kam er nicht mehr weiter. Die Straße hörte auf. Da haben wir unsere Sachen abgeladen und sind weiter marschiert. Es ging noch 2 mal durch kleine Bäche und ich bin im Matsch versunken. Bellend kam uns ein Rudel Hunde entgegen, die Kinder hinterher und dann waren wir da, zu Hause beim Indianer-häuptling.

Es fing wieder leicht an zu regnen und wir saßen bei Kerzenlicht auf der Veranda. Strom aus der Leitung gibt es nicht. Nur Taschenlam-pen. Die braucht man, um aufs Klo, in die Küche, in die Zimmer oder ums Haus herum ge-hen zu können. Der Häuptling hat mal bei Maurern geholfen, einiges gelernt und sich ein Haus aus Steinen gebaut. Die anderen Indianer leben oft noch in Lehmhäusern mit Strohdächern. Das konnte ich am nächsten Morgen sehen.

Ich war sehr müde. Es musste aber noch ein wenig palavert werden. Danach haben wir zu viert in einem kleinen Zimmer geschlafen. Ich als Häuptling aus der Stadt durfte auf einem Lattenrost schlafen. Meine Kollegen mussten sich auf dem Boden legen. Es war ganz bequem für Indianerverhältnisse. Ich hab gut geschlafen.

Am Morgen habe ich die Familie und den klei-nen Bauernhof, der heißt hier Finca, richtig gesehen. Acht Leute wohnen da in 2 Hütten, dazu 3 Hunde, 4 Kühe, Schafe, Meerschweinchen und Hühner. Die Hühner laufen frei her-um. Als wir ihnen mal empfohlen haben, sie doch im Stall zu halten weil dann die Eier leichter zu finden sind, da stellte sich heraus, dass sie frei laufen müssen. Sie warnen mit ihrem aufgeregten Geschnatter vor den Schlangen. Und hinter dem Haus ist der Gemüsegarten und das Feld mit Yucca (bekannt auch als Yamswurzel), Bananen, Bohnen, Zuckerrohr - halt alles, was der Mensch und die Tiere so brauchen als Grundnahrung. Drumherum sind Zäune aus krummen Ästen und unten liegen Steine aufgeschichtet, damit kein Tier durchkrabbeln kann. Und Matsch wechselt ab mit Gras und Kraut und Pflanzen.

Das Land mit Kaffee ist weiter oben in den Bergen, zwei Stunden zu gehen. Die beiden älteren Jungen sind dann los mit ihren Mache-ten umgeschnallt und dem Gewehr. Sie hatten da zu tun. Jeder in der Familie hat seine feste Aufgabe. Nur das Baby nicht. Das wird bei einem Mädchen auf dem Rücken transportiert. Das Mädchen hat ein Band um den Kopf geschnallt und in der Schlinge unten sitzt der Kleine, hält sich fest, quietscht vergnügt herum und schaut sich alles an.

Zum Frühstück gab es Kartoffeln und Bananen und ein Ei. Und warme Milch mit ein ganz klein wenig Kaffee drin. Igitt, igitt, und das mir! Wo mir doch schon bei dem Geruch von Schmandt schlecht wird! Ich hab auf einem Stein gesessen und ins Tal geschaut. Und eine Kuh hat mir in die Milch geguckt, da hab ich ihr die Milch gegeben. Sie hat mir zum Dank über das Gesicht geleckt. Jetzt kriegen die Kinder Milchkaffee von der Kuh.

Und dann haben sie noch eine Gasanlage. Zum Kochen. In einem Graben liegt ein dicker Plas-tikschlauch und da kommt Kuhmist rein und Wasser. 100 Eimer Kuhmist und 400 Eimer Wasser. So ungefähr. Das fängt dann an zu gären und das Gas davon steigt in eine Leitung und damit kann man den Gaskocher anmachen. Fast umsonst. Sonst kochen sie auf einem of-fenem Feuer und der Rauch zieht durch das Dach ab. Hält warm. Die Augen tränen nur davon. Gewöhnt man sich dran. Und dann haben sie noch eine Sonnenanlage, um Strom zu machen. Die ist kaputt. Und dann haben sie noch einen Fischteich. Den haben die Jungens gegraben. Die Fische wollen nicht wachsen. Weil die Männchen und Weibchen zusammenleben, haben sie mir erklärt. Der Indianerhäuptling ist reich. Im Vergleich zu den anderen Indianern.

Dann kam der Jeep wieder den Berg hochge-klettert um uns abzuholen. Wenn man da hin-ten draufsteht, muss man auf die Zweige aufpassen. Die hängen über dem Weg und schlagen ins Gesicht. Bei der Rückfahrt hatten wir einem freundlicheren Fahrer, der fuhr aber genauso schnell wie der unfreundliche. Und dann kam die Ebene und es wurde wieder heiß und dann kam der Flughafen und das Flugzeug. Und ich bin eingestiegen mit meinen schmutzigen Stiefeln und den verschwitzten Kleidern, in denen ich geschlafen hatte und es ging zurück nach Bogotá in meine reiche Wohnung mit Strom und Fernseher und Email und Dusche und Kühlschrank und Küche und Möbeln und Teppichboden und Bett und Kleiderschrank und Bücherschrank. Zu all dem Reichtum. Mir war ganz komisch zumute.




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Thursday, 30. october 2008 4 30 /10 /Okt. /2008 13:43

von RE - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene
Tach Freunde und Freundschaft! (Faust her, einmal von oben drauf der eine, dann der andere)

Ihr stellt schwere Fragen! Ich weiß nicht ob wir die befriedigend beantworten können. Und die Marianne hat mir höflich den Vortritt gelassen. OK los gehts.

Also, heute fang ich mit den Fragen von Jonas an. Heut kommen die jüngeren Männer mal zuerst dran. Danach der Ältere, der Jan.
Warum hat die Inderin ihren Mann bedient? Weiß ich nicht Jonas. Also, ich weiß nicht, weshalb unsere Bekannte ihren Mann bedient hat. Vielleicht hatte sie ihn so lieb, dass sie das gerne machte. Vielleicht gehörte sie einer Religion an, wo man das so macht oder vielleicht hat der Mann gesagt, also, ich bring das Geld heim, dafür bedienst du mich. Sozusagen als Vertrag zwischen den beiden. Du meinst, das wär ein komischer Vertrag? Ja gut, zwischen Eheleuten ist das nicht so häufig. Aber es gibt viele Menschen, die lassen sich von anderen Menschen bedienen. Und bezahlen dafür was. In englischen Büchern liest man das oft. Da haben die reichen Leute ihre Diener und die Diener kommen dann morgens ans Bett, machen die Vorhänge auf und haben einen Tee mit Zwieback auf einem Tablett. Ich wollte damit nur sagen, dass es auch bei uns Menschen gibt, die andere Menschen bedienen. Wenigstens gibt es viele Menschen, die denken anders als wir und ticken deshalb doch richtig. Wenn ich die Frau wieder sehe und wenn wir uns ein wenig befreunden, dann frage ich sie mal.

So, die nächste Frage her: Wie laut kann ein Löwe brüllen? Ich hab mal einen in Deutschland im Zirkus gesehen, hier noch nicht. Ich hab aber mal gedacht, da wären Löwen vor mir die würden brüllen. Das war ein schreckliches Gebrüll. Marianne war auch dabei. Es war auf einer Insel in Brasilien. Eigentlich gibt es da keine Löwen. Wir sind trotzdem so schnell als möglich nach Hause gesaust. Am nächsten Tag haben sie uns erzählt, dass wir Brüllaffen gehört hatten. Wenn ihr kommt, dann ärgern wir mal einen Löwen in der Serengeti und lassen ihn brüllen. Aber dann müssen wir rennen. Wenn die mal das Maul aufhaben, machen die das so schnell nicht wieder zu.
Jetzt mal im ernst: ich glaube, die Löwen die können ganz schön laut brüllen. Man hat mir gesagt, das sei gruselig.

Gut, die nächste Frage: was für Spielsachen haben die Kinder hier?
Also, die reichen Kinder, die haben so Spielsachen wie ihr. Viel aus Plastik. Natürlich Fußbälle. Was ich noch nicht gesehen hab, sind so gescheite Spiele. Die armen Kinder, die machen sich ihre Spielsachen selbst. Die spielen mit Autoreifen oder mit den Felgen vom kaputten Fahrrad (die rollen wunderbar wenn man sie mit einem Stock antreibt). Die Mädchen machen sich auch schon mal eine Puppe aus alten Lumpen und oft hab ich gesehen, dass sie mit Steinen gezielt gegen eine Wand werfen und zwar so, dass derjenige gewonnen hat, dessen Stein am nächsten an der Wand liegen bleibt. In Zanzibar (das ist eine große Insel) haben wir die Jungens am Strand gesehen wie sie jauchzend im Wasser rumgespielt haben. Mädchen dürfen dort nicht ins Wasser weil in Zanzibar die meisten Menschen Muslime sind und weil die Frauen sich nach ihrem Glauben verhüllen müssen. Sie tragen lange Kleider – viele Frauen tragen wunderschöne lange Kleider – und dann haben sie einen Kanga (das ist auch so ein schönes Tuch) also diesen Kanga haben sie um den Kopf geschlungen. Manche nur wie ein Kopftuch, manche verstecken das ganze Gesicht und nur die Augen gucken raus. Und die jungen Mädchen, die wachsen bei ihren Müttern und bei den anderen Frauen auf und spielen dort. Natürlich gehen sie auch in die Schule. Aber getrennt. Ich hab die jungen Mädchen auch fröhlich gesehen. Sie glauben einfach, das wäre so recht und von Gott gewollt.

So, ich meine, das wären die Fragen von Jonas. Jetzt kommt Jan dran. Die Frage war, wie wir den Menschen in Afrika helfen. Also Jan, Marianne hat ja schon geschrieben, dass sie da bei den jungen Menschen im Gefängnis war was eigentlich kein Gefängnis ist. Und sie will diesen jungen Leuten Englisch-Unterricht geben. Sie können kein Englisch und das brauchen sie ganz dringend, sonst finden sie keine gute Arbeit später. Es gibt noch ein paar andere Sachen, die sie sich anschaut, davon schreibt sie dann noch. Wir wollen unbedingt was mit Kindern machen so wie in Rio.
Was ich mache ist anders. Ich hab viele Projekte. Zum Beispiel haben wir eine Ausbildung für junge Leute, die schon arbeiten. Damit die das besser machen können kriegen sie von uns eine Zusatzausbildung. Ein Jahr lang jeden Monat 2 Tage. Da lernen sie dann, wie man gute Projekte macht, die das Land entwickeln können. Weil hier sind die meisten Menschen, besonders auf dem Land sehr arm und da braucht man Projekte, zum Beispiel dass die besser ihre Kartoffeln und Zwiebeln verkaufen können. Zum Beispiel fehlen die Strassen. Dann müssen die gebaut werden. Oder es fehlen Krankenhäuser. Oder es fehlen Schulen. Und die jungen Menschen bei uns, die lernen, wie man solche Planungen macht. Oder ein anderes Beispiel. Hier gibt es ganz gute Gesetze. Die Frauen sind nach diesen Gesetzen den Männern gleich. Aber in den afrikanischen Dörfern, da ist die Tradition ganz anders. Da sind die Frauen den Männern nicht gleich. Da müssen die Frauen viel arbeiten und die Männer sitzen oft unter einem Baum und trinken Bananenbier. So, jetzt wissen diese Frauen auf den Dörfern gar nicht, dass es diese Gesetze gibt. Weil die kein Fernsehen, kein Radio, keine Zeitung, kein nix haben wo sie sich informieren könnten. Und wir unterstützen einige Frauen, die haben ein Theaterstück gemacht und gehen dann in diese Dörfer und spielen den anderen Frauen vor, was ihre Rechte sind. Ich hab noch eine ganze Menge anderer Projekte. Wenn du mehr wissen willst, frag nur.
Jetzt tun mir die Finger weh vom Klimpern auf den Tasten. Und es ist warm. Nicht ganz, die Leute beschweren sich, es sei ein kalter Winter. Ich stell die Klimaanlage nachts immer auf 26 Grad. Damit es nicht zu warm wird.
Jetzt grüßt mal euren Bruder Frederic, den Wurzelzwerg zuerst von mir (kann der auch schon schreiben?) und dann natürlich Margrit und Friedemann.
Ich wünschte, ich könnte euch öfters sehen.
Alles Liebe aus Dar es Salaam von eurem Freund
Reinhold
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Tuesday, 4. november 2008 2 04 /11 /Nov. /2008 17:02

von RE - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene
Woher kommt die Sonne morgens, wohin geht sie abends? Kindergartenkinder aus Dar es Salaam antworten:
 
Jonika (5): Ich denke, Gott machte die Sonne, dass die Leute am Tag die Diebe sehen. Wenn die Sonne scheint, wagen sie nicht, in Häuser einzubrechen.


Ivan (3): Die Sonne hat ein schönes Haus, in dem sie schläft. Am Abend geht sie zum Schlafen in den Himmel zurück.

Robert (5): Ich habe keine Ahnung, woher sie kommt. Aber am Tag wird es sehr heiß. Und wenn sie nachts im Himmel schläft, wird es sehr kalt.

Junior (2): Sicher ist die Sonne die Lampe für Dar-es-Salaam. Die ist dort festgemacht worden, dass ich gut laufen kann. Sie ist das Licht und sie gehört mir. Niemand kann sie anfassen. Wenn andere Kinder sie anlangen, dann möchte ich schreien.

Fatuma (5): Die Sonne wohnt mit Gott im Himmel. Ich mag sie, weil sie so schön scheint. Am Morgen, wenn es kalt ist, wärmen wir uns gerne in der Sonne.

Joel (5): Ich glaube, irgendwann wird sie müde und dann geht sie in den Himmel zurück und schläft. Sie versteckt sich, damit die Kinder sie nicht stören können.

Sabringa (5): Die Sonne scheint, damit die Wäsche trocknet, wenn man sie gewaschen hat. 

Queen (5): Die Sonne ist böse, weil sie macht, dass die Menschen sehr schwitzen. Ich hasse die Sonne. 

Rugemalila (5): Ich denke, die Tanesco hat die Sonne als große elektrische Lampe an den Himmel gesetzt. So haben die Menschen bei Stromsperre eine andere Energie.

Louis (7): Ich glaube, nur Gott weiß, woher die Sonne am Morgen kommt und wohin sie in der Nacht geht. Die Sterne sind ihre Kinder. Weil sie noch Kinder sind, sind sie nicht heiß. Ich freue mich, wenn die Sonne am Morgen aufgeht. Wenn sie am Abend untergeht, bin ich traurig.

 Diana (4): Die Sonne ist eine große 'mwenge' <Fackel oder Taschenlampe?> am Himmel. Vor vielen Jahren ist sie dort festgemacht worden. Nachts sehen wir sie nicht, weil sie ihre Haustüre zumacht, damit die Kinder sie nicht stören können
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Monday, 17. november 2008 1 17 /11 /Nov. /2008 13:09

von REinloft - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene

Max

Max ist wieder da. Immer, wenn H&J die Zeit knapp wird, dürfen wir den Hund haben. Nun ist Lukas auch noch beschädigt und wir machen mal wieder "Hund teilen" (auf ausländisch: "Dog-Sharing"). Er ist mein Freund und ein ganz lieber. Mit seinen großen, schwarzen Augen blickt er mich an und manchmal krieg ich - schlapp - die Zunge ins Gesicht. Und dann legt er mir seine Pfote auf´s Knie und schaut mich wieder unbewegt an.

Er braucht Liebe. Und tigert ständig hinter oder vor mir her. Wenn ich schreibe, liegt er neben mir mit der Schnauze auf dem Boden. Abends möchte er am Liebsten mit im Bett schlafen, aber das geht nicht. Unser Bett ist aus Sansibar und so hoch, da kann er drunter durch laufen. Da müsste ich ihn hoch heben und wenn er nachts raus will, wieder runter. Und ein Hund im Bett, ach nee. Ich liege schon lieber mit M alleine da drin. Wenn wir ihn vor dem Bett schlafen lassen, weckt er uns gegen Morgen auf weil er sich mit seiner Zunge wäscht. Das macht komische schlapp Geräusche die uns aufwecken. Ein Wachhund sollte vor dem Zimmer liegen, denke ich. Stehen wir morgens nicht zeitig auf, stellt er sich auf die Hinterpfote und knallt die Zimmertür auf. Schwanzwedelnd kommt er rein, schaut vergnügt, hallo hier bin ich, Guten Morgen, aufstehen, ich will spazieren gehen.

Max liebt spazieren gehen. Er weiß genau, wann es los gehen soll und dann bellt er wie verrückt und springt vor Freude hoch in die Luft. Manchmal auch auf mich drauf. Draußen bleibt er freundlich stehen bis ich die Leine angemacht habe und dann geht es los. Max ist ein Schnüffler. Überall wo er was interessantes wahr nimmt bleibt er stehen und schnüffelt ausgiebig. Dann hebt er sein Bein und macht Pipi dran. "Hier war Max" steht dann da für andere Hunde.

Max ist ein Jagdhund. Mit der Schnauze auf dem Boden nimmt er Spur auf und dann geht es Zickzack der Spur nach. Nur muss er dauernd schnüffeln und das kostet Zeit. Der Hase ist längst über alle Berge. Einmal haben wir im Wald ein Reh gesehen. Das stand auf einer Anhöhe. Max rennt wie verrückt den Wald hoch, das Reh schaut ganz verwirrt, was kommt denn da für ein verrückter Hund und dann macht es einen Satz und noch einen und ist im Gebüsch verschwunden. Jetzt schaut Max verdutzt. Da war doch gerade noch ein Reh? Außerdem ist ihm die Puste ausgegangen vom schnellen Rennen. Er bellt noch Mal, schließlich ist er ja der Jagdhund, und dann kommt er zurück. Brav Max. Obwohl: ist er wirklich ein Jagdhund? Einmal, bei einem Spaziergang mit der ganzen Familie haben alle den Hasen am Wegesrand gesehen. Nur Max nicht. Er trabte vergnügt 3 Meter an ihm vorbei.

Max ist ein alter Hund. Mit seinen 13 Lebensjahren ist er längst Senior und älter als ich. Doch noch immer ist er schlank und rank mit einem eleganten Gang. Ich liebe es wenn sein Hinterteil hin und her schwingt und sein Körper sich vorwärts schlängelt. Leichtfüßig trottet er dahin. Und wenn er läuft, wir sein Körper lang und schnell wie ein Schatten. Ach ist er schön. Vorne hat er schon einen weißen Bart so wie ich und buschige weiße Augenbrauen. Und weiße Vorderbeine hat er.

Max hat ein rotes Halstuch. Es steht ihm toll. Es ist aus Amerika, das Halstuch und darauf steht: "Ohio State College of Veterinary Medicin". Er sieht damit sehr elegant aus.  Max ist der einzige Hund mit Halstuch, den ich kenne. Ich glaube, er trägt es mit Stolz. 

Was er kann wie ein Weltmeister ist, im Weg stehen. Ich will wohin, er läuft vor, schaut sich um und bleibt abrupt quer stehen. Was bin ich schon gestolpert über ihn! Eines Tages falle ich mal. Dann bin ich sauer. Und wenn ich die Treppe hoch oder runter will läuft er vor, wird langsam und bleibt quer stehen. Dann muss ich ihn weg schieben damit ich vorbei komme. Aber dann legt er mir die Schnauze auf´s Knie, schaut mich mit mit seinen dunklen Augen an und ich bin ihm wieder gut.

So lieb er ist, so gnadenlos wird er, wenn ein anderer Hund nahe kommt. Dann erwacht der Wolf in ihm und er greif an. Er knurrt wie verrückt, springt, beißt, schlägt, kratzt, dreht sich blitzschnell und findet einen anderen Angriff. Egal wie groß oder jung der andere Hund ist, Max greift an wenn ich ihn nicht festhalte. Ein mal hatte ich die Leine an, die sich ausrollt. Wir kommen um eine Kurve, Max sieht den anderen Hund auf der anderen Straßenseite, stürzt wütend los, ich schrei, die Leine rollt sich aus, ich krieg sie nicht gestoppt und schon hat mich Max davongezogen. Meine Beine rennen noch ein bisschen, ich komme nicht mit und schon fliege ich langeslängs auf den Asphalt. Mitten aufs Gesicht. Den getreuen Freund hat das alles nicht interessiert, er war am kämpfen. Hinterher sah ich schlimmer aus als er.
Nur wenn der andere Hund ein Weibchen ist, dann tut Max so, als wäre sie nicht von seiner Rasse. Hochnäsig schaut er in die andere Richtung und stolzirrt vorbei.        

Schon sehr lange sind Hunde mit den Menschen zusammen. Wolfsherden zogen mit den Menschen und kriegten Abfälle. Nachts könnten sie mit ihrem Geheul vor Überfällen warnen und vom Feuer aus konnte man ihnen abgenagte Knochen zuwerfen. Und sie kamen näher und näher und wurden mit den Jahren friedlicher und irgendwann blieben sie bei den Menschen als Partner. 100 000 Jahre soll das her sein. Trotzdem dürfen wir uns nicht täuschen, auch Max ist ein Tier der manchmal anders reagiert als wir erwarten. Was er wohl fühlt?

Ich liebe ihn. Als Hund.
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Tuesday, 9. december 2008 2 09 /12 /Dez. /2008 16:49

von REinloft - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene
Es fing im Monat April 1996 in Rio an.

Der Ameisenumzug
Also, was ich da neulich erlebt habe, das war toll. Ich sitz im Bad auf dem Klo, guck so auf den Rand vom Waschbecken und trau meinen Augen nicht. Kommt doch aus so´nem kleinen Loch der Chef von den Ameisen, die bei uns wohnen. Doch, doch, wir haben richtige Hausameisen. Und die sind sehr praktisch. Wenn wir Baratas – Kakerlaken abends erschlagen müssen, weil sie wieder wie wild durch die Gegend sausen, dann sind in Nullkommanix die freundlichen Ameisen da und hastdunichtgesehen haben sie das Viech huckepack und schleppen es ab. Also, kommt da der Chef raus, schaut sich so um, übersieht mich großzügig (ich mag sie ja auch und bin ihr Freund) und dann seh ich, wie er sich rumdreht und was in´s Loch ruft. Schon kommen die jungen Kerls raus, die als Kundschafter arbeiten. Und schon sind sie die Wand runter, wieseln übern Boden, machen eine kleine Konferenz und dann laufen einige von denen zurück, die Wand hoch und erstatten Bericht. Ich seh noch, wie der Chef nickt, dann dreht er sich um und was glaubt Ihr, was er jetzt macht: er pfeift. Richtig, er pfeift auf seinen Vorderpfoten. Also, ich konnts ja nicht genau hören, aber ausgesehen hat es genauso. Und dann gehts los. Mit Sack und Pack und Kind und Kegel kommt der ganze Verein aus dem Loch raus und runter die Wand. Eine Ameise hinter der anderen. Das hat gedauert, das waren vielleicht viele. Unten waren die ersten schon unter der Tür durch, immer hinter den Kundschaftern her. Ich bin aufgestanden und hinterher. Das wollt ich doch genauer sehen. Aber die waren ja so klein. Da hab ich meine Lupe geholt. Und wirklich! Die hatten den ganzen Hausrat dabei! Und auch noch die Eier von der Aufzucht- und Nachwuchsabteilung! Die haben sie schön vorsichtig über den Kopf gehalten und ab gings immer in einer Reihe. Vorne waren schon die ersten im Wohnzimmer unter dem Tisch durch und rechts bei den Pflanzen angelangt. Und als ich ins Bad kam, sind gerade die letzten aus dem Loch gekommen. Es war eine lange Reihe von meinen Freunden, den Hausameisen, die zogen mit Kind und Kegel um. Und dann sind sie am Fenster in ein anderes Loch eingezogen. Und dann hat es noch etwas gedauert und die Reihe wurde kürzer und kürzer und dann waren sie in der neuen Wohnung und nichts mehr zu sehen. Ja, hab ich mir gedacht, das siehst du alter Knacker aber auch zum ersten Mal in deinem Leben. Und vielleicht nie wieder. Es war ein denkwürdiger Tag. Mein Ameisenumzugstag.

So, jetzt geh ich ins Bett. Hab zu viel gegessen, mein Bauch kneift so. Was macht Ihr denn in so einem Fall?

Bis bald, Euer Willibald aus Rio

1 Woche später

Mir ist da noch was eingefallen was ich vergessen hatte zu schreiben vom Ameisenumzug. Da war nämlich so eine nette kleine Ameise, so im Ameisenvorschulalter. Die schleppte da was über dem Kopf durch die Gegend, das konnte ich nicht genau erkennen. Ich also mit dem Vergrößerungsglas ran und was glaubt Ihr, was die da hatte? Ihr glaubt's mir ja nicht, wenn ich Euch das erzähl. Die hatte nämlich ihren kleinen Teddybären mitgenommen! Wirklich. Jetzt weiß ich auch, wo der Name *Ameisenbär* herkommt.

Ganz viel Tage, so ungefähr 14 später

Ja ja, der Ameisenbär. Ich mein, so was kriegt man ja auch nicht alle Tage zu sehen. Hübsch war der kleine Kerl. Wirklich. So mit Pausbäckchen und Außen aufgerauht. Das sollte wohl das Zottelfell sein. Und der kleine Ameisenjunge, der ihn schleppte, der hatte vielleicht sein Schaff! Der war ja nun schwer für ihn und da mußte er immer so Trippelschritte machen, damit er in der Reihe blieb. Immer 2 normale Schritte und dann wieder 2 schnelle Trippler. Der war richtig stolz auf sein Bärchen, das konnte man sehen. Ob der den zum Geburtstag gekriegt hat?

Wieder eine Zeit später

Die Ameisenmusikkapelle
Also, das mit dem Ameisenbär das ist so: Ganz genau konnt ich ja nicht sehen, was sie machten. War halt so klein. Hab zwar meine Lupe genommen, aber auch das hat nicht gereicht. Das sah aber so aus, so bärenhaft, was der Kleine Ameisenjunge auf dem Rücken hatte. Da hab ich mir vorgestellt, es sei ein Bär. Ich meine, man guckt ja auch manchmal aus dem Fenster und denkt, das wär ein Pferd da, was man sieht und dann ist es nur ein Euch kann ich ja reden Fahrrad. Nur weil man gerne mal ein Pferd gesehen hätte, kapiert? Gut. Mit, die anderen, die lachen mich aus, wenn ich ihnen so was erzähle.

Da gibt's nämlich noch was, was ich meinte, gesehen zu haben. Ganz vorne, nach den Kriegern und den Kundschaftern, da war doch so eine Gruppe, die ging nicht hintereinander her wie die anderen Ameisen. Nee, die ging so ein bisschen nebeneinander, nicht ganz in der Reihe, nein, nein, war schon etwas durcheinander, aber die marschierten zusammen. Auch das hab ich mir durch meine Lupe genauer angeschaut. Also, ich bin mir nicht so sicher, hören konnt ich ja nix, aber ich denk, das war denen ihre Musikkapelle. Auf jedem Marsch hatt man heutzutage sowas, wenn's geordnet zugeht. Vorneweg marschierte ein Kerl, der streckte sein ein Bein immer in die Luft und wackelte damit. Der hat den Takt geschlagen! Und dann waren welche, so dicke olle, die haben sich mit ihren beiden Vorderbeinen immer auf die Brust gekloppt. Das waren die Trommler. Und dann waren da welche, die haben sich mit einem Bein über das andere gestrichen, kam mir so vor wie bei den Grillen. Und dann noch ganz schlanke Ameisen, die sind sich mit einem Bein immer über den Rücken gefahren. Fideler? Was meint Ihr. Und hinter der ganzen Gruppe so ein paar ganz kleine Ameisenkinder, die haben so komisch herumgetollt. So als wenn sie wumtata wumtata nach der Musik machen und alles nicht ganz so ernst nehmen. Also, das war schon was!

Kurz vor Weihnachten

Die Weihnachtsbaumblattschneiderameise
Meine Ameisen waren verschwunden. Da irgendwo unter den Blumen am Fenster in einem Loch. Hatte lange Zeit nix mehr von ihnen gesehen. Neulich lieg ich in der Hängematte und sinnier so vor mich hin. Und da seh ich doch, wie aus diesem Loch 2 Späherameisen rauskommen. Ihr müßt wissen, die sind viel größer als die Arbeitsameisen, diese Späher und Kriegerameisen. Bis zu 200 mal größer können die werden als die ganz einfachen Ameisen. Also, die sind jetzt nicht so groß wie kleine Tiere aber doch für die Ameisenfamilie große Wummer. Na ja, hinter den beiden kam eine, die sah mir aus wie der Chef. Bißchen würdiger war der. Und die beiden Späher, die wieselten auch so rum und die Chefameise, die offenbar Sachen zu denen gesagt hat. Ich konnt es natürlich nicht hören, ist doch ganz klar. Und außerdem haben Ameisen ja auch keine Sprache. Die reden aber wirklich miteinander. Nee, die riechen miteinander und können sich so was sagen. Wenigsten hatte ich den Eindruck, der sagt denen, Jungens, jetzt paßt mal auf wo ihr hingeht, nix mit Kneipe und so und kommt gut wieder heim. Also, die beiden auf die Jück. Geradewegs auf unser Fenster zu, die Wand rauf und schon hatten sie einen Spalt gefunden und waren draußen. Na, denk ich noch, wo wollen denn die so eilig hin. Ist doch gefährlich da draußen. Eine Ameise allein in Rio, was da nicht alles passieren kann. Und dann bin ich eingeschlafen. Genau eine halbe Stunde später wach ich wieder auf. Und weil ich so schräg in der Hängematte lag, guck ich genau auf den Boden. Und denk, ich seh nicht recht. Ich auf, nach meiner Lupe gelaufen. Da waren die beiden zurück und hatten eine riesige Ameise bei sich. Also wirklich, die Hausameise ist ja nicht so groß. Aber die, die da jetzt vor dem Loch steht, die war gaanz irre groß. Die Chefameise guckte mit dem Oberkörper aus dem Loch, na ja, offenbar haben die sich was berochen-besprochen. Dann ist ein ganzer Trupp ab und in unseren Nadelbaum rein. In den, den wir letztes Jahr als Weihnachtsbaum benutzt haben. Und auf einmal wußte ich, was die große Ameise war: eine Blattschneiderameise! Die hatten die extra geholt, sie arbeitet draußen an den Palmen. Dann ist der ganze Trupp an den Ästen entlang, haben mal hier geguckt, mal da geschaut, mal höher und mal tiefer. Und dann hat die Blattschneiderameise ein schönes kleines Ästchen einfach abgesägt. So wie ein kleiner Finger so lang. Und die anderen haben das Ästchen auf den Rücken genommen und ab ging`s, den Baum runter. Und schnurstracks Richtung Höhle. Und da haben sie dann das Ästchen durch die Öffnung gezerrt und dann war wieder Ruhe. Und ich wußte, die feiern jetzt Weihnachten mit ihrem kleinen Bäumchen. Da hab ich denn da in meiner Hängematte gelegen, mir einen geschmunzelt und gedacht, was es nicht alles gibt im Leben!

(von Marianne)

Sie haben auch die Schublade gefunden haben, wo ich immer die Plätzchen verstecke. Ja, und zu einer richtigen Weihnachtsfeier gehören nun mal Plätzchen. Und die haben sie fein säuberlich in Plätzchen-Puzzles (Krümel) zerlegt und nach Hause in ihren Bau getragen. Da sitzen sie jetzt drin, und nur ab und zu kommt noch mal einer von ihnen raus und guckt, ob es schneit. Na, wie Ihr wißt, können sie da lange warten! Wir können ihnen ja mal ein paar Cocosstreusel hinpusten, damit sie einen Schneesturm haben.

 

(Jetzt wieder ich): Penedo

Nach Weihnachten sind wir nach Penedo gefahren, das liegt, wenn wir rechterhand bei uns abfahren den Copacabana-Strand entlang, dann immer weiter Richtung Südpol bis fast nach Sao Paulo und da ab in die Berge. Da haben Finnen gesiedelt. Da gibt’s eine bißchen andere Weihnachtsstimmung. Mit Sauna und Mistelzweigen.

Die Geschichte von den Blattschneiderameisen in Penedo
Das kann doch nicht wahr sein, hab ich noch gedacht. Wie kommt der denn hier hin. Den kenn ich doch aus Rio, diesen Ameisenkerl. Das war doch der, der den Weihnachtsbaum für meine Hausameisen abgemacht hat. Ich war ganz sicher. Der muß aber ganz schön gelaufen sein, wir hatten mit dem Auto 2 Stunden gebraucht. Nun ja, nun traf ich ihn in Penedo wieder. Gut, gut, ich geb's ja zu, ich kann mich auch getäuscht haben, aber er sah genau so aus, wie er da am Straßenrand hochmarschierte. Also, das kam so: wir waren spazierengegangen. Ja, ja, ich auch. Geh ja nicht so gerne spazieren, aber da in Penedo, da war's so richtig urwaldlich. Alles voll mit allen möglichen Pflanzen und Bäumen, die haben vor sich hin gewuchert. Ganz schön mächtig manchmal. Und bunt, meine Güte wie bunt. Blau und gelb und rot und natürlich 35 Sorten von grün. Ich hab so geguckt und da war er, mein Blattschneiderameiserich. Also, hab ich gedacht, da schauste doch mal, wo der jetzt hinwill. Vielleicht noch ´n Weihnachtsbaum abmachen? Und wie wir so den Weg hochwandern, er ganz am Rand, ich ein wenig daneben, da kommen plötzlich weitere Kollegen von dem aus den Büschen und ganz langsam immer mehr und die wandern hintereinander her und da kommen auch schon welche von vorne und da war das eine Blattschneiderameisenstraße. Nur, die von vorne kamen, die hatten was geladen. Auf dem Rücken trugen die kleine Blätter. Manche bisschen größer, manche kleiner. Die mit den größeren Blättern, die sind sogar manchmal umgefallen weil das Blatt so schwer war. Dann kamen sofort andere an und haben geholfen. Aber nur beim Aufstehen. Laufen mußte die mit ihrer Last alleine. Man hat richtig gesehen, wie sie geschwitzt haben. Nu, hab ich gedacht, wo holen denn die die Blätter her. Also, es waren keine ganzen Blätter, nein, nur Teile, kleine Teile davon. Und dann hab ich's gesehen! Die waren an einem klitzekleinen Bäumchen. Einem gerade neu geborenen Mangobäumchen. Hunderte von Blattschneiderameisen auf der Straße hoch und runter. Und die meisten Blätter schon ab. Und dann hab sie mir gezeigt, wie sie das machen. Auf so einem Blatt wuseln so 20 bis 50 kleine Schneideameisen rum. Sie sitzen am Rand und wißt Ihr, was die machen? Die machen Löcher. So welche wie im Klopapier. Halbrund am Blattrand entlang. Und dann kommt die Trägerblattschneiderameise und die setzt sich halb auf das ausgestanzte Blättchen, halb auf den Rand und bohrt fertig und dann wippt sie das Teil mal hin und mal her und schwupp hat sie es huckepack. Und ab damit. Hunderte sind das die da dauernd kleine Teilchen vom Blatt davonschleppen. Immerzu. Man kann richtig zusehen, wie das Blatt kleiner wird. Und das passiert auf jedem Blatt. Also nee, die haben das kleine Bäumchen richtig abgeerntet. Ich hab ihnen gut zugeredet, ich hab geschimpft, die wollten nicht aufhören. Die haben die kleinen Blattteilchen auf der Straße runtergeschleppt, eine hinter der anderen her und ab ging die Post, Richtung Bau, wo sie wohnen. Und da verschwand ein Blättchen nach dem anderen im Loch.

Nun ja, was machen die denn damit? Also, ich hab meinen Freund gefragt, den, der in Rio war und den Weihnachtsbaum abgemacht hat. Und der hat mir folgendes erzählt: in der großen Höhle da unter dem Loch, da haben sie einen Garten angelegt. Und da tragen sie die Blätter hin und schichten sie aufeinander. So wie ein Silo, wo die Bauern das Gras in einem Turm aufeinanderschichten. Und dann fängt das an zu faulen. Und da drauf wachsen kleine Pilze. Und die Pilze, die brauchen sie als Nahrung. Weil die essen sie gerne. Und besonders ihre kleinen Blattschneiderameisenkinder, die lieben geradezu diese Speise und werden dann groß. So etwa hab ich ihn verstanden, meinen Freund. Ich mein, wenn das so ist, dann brauchen sie ja die Blätter. Und wirklich haben sie auch nur diesen einen Baum geerntet. Drumherum nix. Na ja, wir Menschen machen das ja auch so. Wir ernten und leben davon. Tja, das war die Geschichte von den Blattscheideameisen. Gute Nacht, ich fahr jetzt nach Bolivien. Bestimmt kommt mein Freund nicht bis dahin. Ob er's wirklich war?

Das war die Geschichte aus Penedo von eurem Ameisenonkel Reinhold

(Viel später wieder in Rio)

Mangomeisen
Gerade gab´s Bratkartoffeln mit eingelegtem Fisch! Ach du liebe Güte, wie hab ich gef...uttert. Bratkartoffel, was gibt's Besseres als Bratkartoffeln. Na ja, Hähnchen in Schokoladensoße und eingelegter Hering und ... na ja, aber Bratkartoffeln, mmmmm.

Ich komm aus der Küche. Da um die Ecke, wo der Abfalleimer steht. Sie sind wieder da, unsere Freunde. Also, jetzt haben sie ja ein Ding entdeckt, das ist einzigartig. Wie Zirkus! Das müßtet Ihr sehen. Aber der Reihe nach. Das geht so. Sie haben ein Informationssystem. Ich hab mir das mal genauer angesehen. Wenn wir Mangoschalen und Kerne in den Eimer werfen, dann steht so ein kleiner Ameiserichkerl da, ich will ja nicht sagen mit Schlapphut, wie ein Detektiv, aber an so einen erinnert er mich. Der linst immer um die Ecken. Und wenn dann was kommt, tja, was macht er dann. Er stellt sich auf seine Hinterbeine und fummelt vor seinem Gesicht rum mit den Vorderbeinen. Ich hab mir gedacht, der pfeift. Der pfeift den berühmten Ameisenpfiff! Mit seinen 2 Pfoten zwischen den Zähnen. Das muß ganz schön grell sein, weil wie der Blitz ist die Bande da. Und dann kannst du was erleben. Dann wuselt und wieselt und suselt und zieselt es den Abfalleimer rauf. Gar nicht wie sonst, wo sie doch immer so diszipliniert hintereinander her laufen. Ist klar, kann ich auch verstehen, der erste kriegt natürlich das Beste. Und wenn sie dann oben am Rand sind, meine Güte, als ich dass das erste Mal gesehen hab, ich hab gedacht, ich hol mich nicht ein vor lachen. Der Abfallkorb ist ja meist voll, haben Abfallkörbe so an sich. Oder habt Ihr schon mal einen leeren gesehen? Ja, ja, wenn der Papa den gerade ausgeleert hat und ihn zurückbringt. Dann schon. Aber danach, wutsch, ist er doch mindestens halbvoll. Unserer auch. Halb oder dreiviertel voll. Und dann kommen unsere Freunde oben an. Die kräftigsten zuerst. Und das scheinen auch die mutigsten zu sein. Und dann stellen sie sich auf - und hast du nicht gesehen, mit einem Köpper rein ins Vergnügen. Abfall ist meistens weich, nicht. Da tauchen sie dann ein in die Schalen und Kerne von den Mangos. Und dann geht ein Knabbern und Schleckern los. Aber glaubt ja nicht, daß sie alles nur für sich behalten. Sie nehmen immer Stückchen ins Maul und ab zurück. Das ist bestimmt für die Oma und die Tanten und auch natürlich für die Königin, die muß ja zu Hause bleiben und den Nachwuchs großziehen. Aber zurück zu dem Zirkus. Die ganz mutigen, die springen, wie gesagt, mit'm Köpper rein. Und dann kommen die Kleineren. Unser Korb geht vom Rand schräg nach innen rein. Das nutzen die Kleineren aus und rutschen runter. Wirklich. Ich sag's Euch. Setzten sich auf den Hintern und rutschen bis zu den Mangoschalen. Ich kann's zwar nicht hören, aber ich bin sicher, sie kichern das Ameisenkichern vor lauter Vergnügen. Erst rutschen und dann Mangos. Das ist ja auch was. Die anderen, die steigen ganz normal ab, so wie sich das für Ameisen gehört. Ich glaub, sie haben uns ganz gern. Denn manchmal holen sie von der Anrichte die Reste, ratzeputz. Sie helfen uns saubermachen. Und die toten Barata-Kakerlaken, die sowieso. Wo ich die doch nicht leiden kann. Das wissen die. Und räumen sie weg.

Ja, das war die Geschichte von den Mangos und den Ameisen.

(wieder später, unterwegs)

Der Zeitungsschneider
Wir waren mal wieder unterwegs, Richtung Mottas. Also, Mottas, das liegt von Rio aus wenn man vom Strand guckt, so halb rechts 3 Stunden. Da geht's in die Berge. Erst ist es noch flach wie ein Teppich und auf einmal schlängelt sich die Straße an ganz glatten, steilen Felsen hoch. Meine Güte, da sind Felsen dabei! Wie Türme von hohen Kirchen. Der eine heißt auch so: dedo de Deus, Gottes Finger. Und wenn man ziemlich oben ist, dann geht's rechts und nach ner halben Stunde wieder links und dann ist man auf einem Schotterweg. Das ist natürlich eine richtige und wichtige Straße, kein Weg so zwischen den Wiesen. Ja, und die Straße muß man genau 30 Km weit fahren. Ganz genau. Dann links rein, ein bißchen den Abhang runter und noch mal 7 Km bis zum Ende von Tal. Da ist dann Mottas. Und da hat unser Freund Alfredo sein Landhaus. Und da hat er auch eine Vorschule und eine Werkstatt gebaut, wo die Kinder was lernen können. So weit draußen da am Ende der Welt, da gibt's sonst nicht viel.

Also, da lag ich denn vor dem Haus von meinem Freund Alfredo auf dem Rasen und hab so den Wolken zugeschaut. Nee, eigentlich hab ich auf den Apfelsinenbaum geschaut und mich gefragt, wer mir denn jetzt ne Apfelsine bringen könnte. In dem Moment kitzelt mich jemand an der Hand!

Ich bin vielleicht erschrocken. Und trau meinen Augen nicht. Steht doch da mein Freund, der Blattschneider. Ich kann's bis heute nicht fassen. Erst haben wir uns in Rio getroffen, als er den Weihnachtsbaum für meine Hausameisen abgemacht hat, dann in Penedo, da wo die Finnen mit ihren Saunen wohnen und jetzt hier. Ich mein, das sind ja weite Wege! Oder, ob es doch nicht derselbe ist? Man kennt sich ja nicht so aus bei den kleinen Kerlen. Wenigstens, der kannte mich. Ob die so ein Informationssystem haben, sowas wie Ameisen-Internet? Oder Rauchsignale? Ich hab gesehen, sie tippen sich immer mit ihren Fühlern an, vielleicht reichen sie damit ihre Nachrichten weiter? Wie auch immer, da war er, mein kleiner Freund. Und hinter ihm eine ganze Reihe seiner Brüder und Schwestern. Und alle hatten über dem Kopf ein Schnitzelchen, ein Stückchen - aber diesmal war es nicht von einem Blatt wie sie's normal tragen. Nee, diesmal sah's aus wie was Geschriebenes. Na, denk ich noch, schau an, jetzt gehen die auch schon in die Schule und lernen lesen und schreiben, potzderblitz! Da macht mein Freund so Bewegungen mit seinen Vorderbeinen und schon schert die Reihe aus und verteilt sich im Gras. Hier einer hin, da einer hin, die wußten ganz genau, wo sie hin mußten, um ihre Schnippelchen fallenzulassen. Also, Ihr glaubt mir´s nicht. Nehm ich Euch ja auch nicht für übel. Wenn ich's selbst nicht gesehen hätte, tät ich's ja auch nicht glauben. Langsam, ganz langsam setzt sich da vor mir doch die erste Seite der Mottaer Sonntagszeitung zusammen! Weil Motta so klein ist, hat die Zeitung nur ein Blatt. Und das hatten die doch meinem Freund Alfredo vom Tisch geklaut, säuberlich zerschnitten in kleine Dreiecke und mir gebracht. Ich war ganz gerührt. Obwohl, lesen konnte ich nichts mehr. Und dann kam auch noch der Wind und hat die meisten Schnippsel weggetragen. Und meine Freunde standen dabei und haben ungläubig den Resten ihrer Arbeit nachgeschaut. Ich konnte genau sehen, was sie dachten: ach, hätten wir's doch nur unserer Königin gebracht. Die hätte anders auf unsere Arbeit aufgepaßt.

Ich hab sie gerne, die kleinen Freunde. Wirklich. Und am nächsten Tag haben sie Zeitungsschnippel in das Loch, dort, wo sie wohnten, reingetragen. Wahrscheinlich liest ihre Königin die neuesten Nachrichten.

Und das, meine Freunde, war die Geschichte von den Blattschneiderameisen in Rio und Umgebung.

Nun sind wir schon einige Zeit zurück in Bogotá.

Ich glaube, so weit kann mein Freund nicht laufen. Wenigstens habe ich ihn noch nie entdeckt. Aber ein wenig Heimweh nach ihm und seiner großen Familie hab ich schon.

Ameisenbär
Mir ist da noch was eingefallen was ich vergessen hatte zu schreiben vom Ameisenumzug. Da war nämlich so eine nette kleine Ameise, so im Ameisenvorschulalter. Die schleppte da was über dem Kopf durch die Gegend, das konnte ich nicht genau erkennen. Ich also mit dem Vergrößerungsglas ran und was glaubt Ihr, was die da hatte. Ihr glaubt's mir ja nicht, wenn ich Euch das erzähl. Die hatte nämlich ihren kleinen Teddybären mitgenommen! Wirklich. Jetzt weiß ich auch, wo der Name *Ameisenbär* herkommt.
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Sunday, 6. november 2011 7 06 /11 /Nov. /2011 12:09

von R.Einloft - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene

Enkel in Köln - 01Wilde Tage hatten wir mit den Enkeln in Köln. Party mit  Spiderman, Prinzessin, Häschen, Piraten, Kinderbowle, Deko überall, mit Tanzen, Rumalbern,auf dem Spielplatz Rumtollen, über den Rhein wander, WDR besuchen, Bahn fahren, Musizieren, Geschichten vorlesen, morgens im Bett geweckt werden von 2 munteren Kindern, mit Kuscheln, Schmusen, sich lieb haben, mit Kochen (alle meine Kleinen wissen, wie man prüft, ob die Spaghetti gut sind - an die Wand werfen und wenn sie kleben bleiben, sind sie gar), Inlineskater fahren (nee, nicht wir, nur die Charlotta, musste nur halten und mit rennen), auf Klettergerüste klettern, Schaukeln, Quatsch machen, das ganze Programm halt. Nu sind wir K.O. Danke, Biene & Markus!

Bilder sind hier im Album: http://www.andere-welten.net/album-1974062.html

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Monday, 17. december 2012 1 17 /12 /Dez. /2012 10:48

von R.Einloft - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene

17. Dezember 2012 10:25 -. Im Tal leichter Nebel, Schneereste in den Waldecken, Frühlingshaft bei 3 Grad. Dhaka 25 Grad, Sonne, Dar es Salaam 29 Grad, Sonne, leicht bewölkt

Luther:

„Es gibt in der deutschen Sprache so viele Mundarten, dass sie sich gegenseitig nicht verstehen. Die Schwaben und die Hessen verstehen sich gegenseitig nicht, ja die Bayern sind unter sich solche Barbaren, dass sie sich untereinender nicht verstehen. Die Bayern sind dumm und unbegabt, dafür aber rechtschaffener. Die Franken und Schwaben sind eifach, rechtschaffen und diensteifrig, Wenn ich viel reisen müsste, wollte ich durch kein Land lieber als durch Schaben und Bayernland ziehen. Die Leute sind sehr freundlich und gastfrei, laufen den Ankömmlingen entgegen und geben reichlich für ihr Vermögen“.

Auch ich liebe das Bayernland (ausgenommen den FC Bayern). Liebe Leute leben da! Einige sind sogar die unseren. Das mit dem dumm hat sich gegeben, sie liegen immer vorne bei der Pisa Studie. Das mit der Sprache nicht:

Bairisch ist international...
Ein Bayer besucht die Frankfurter Messe. Er deckt sich bei verschiedenen Messeständen mit allerlei Prospekten ein. Wie er so vollbepackt mit all dem wichtigem Krusch durch die Messe schlendert, hält ihn eine Messehostess auf und fragt den Bayer: "Möchten Sie gerne von unseren Produkten den neusten Katalog mitnehmen? Daraufhin schaut er auf seine prall gefüllten Tüten, schaut die Frau an und sagt zu ihr: "Sie,......wartn's schnei! I schaug, ob i den ned scho hob!" Darauf die verdutzte Frau: "Oh, excuse me, we have this also in English."
02.10.08 Birgit Niedermayr (Original unredigiert) (Quelle. http://www.bayerische-witze.de/bayern-preussen.htm)


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Friday, 21. june 2013 5 21 /06 /Juni /2013 14:17

von R.Einloft - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene

Marianne - Nürnberg 1980M erzählt:
Nürnberg, 26.12.1980

Seit Stunden warte ich auf meine Freundin A., die ihren „alten Freund“ Reinhold mitbringen will. Ein paar Tage Nürnberg mit Stadtbummeln, Museumsbesuchen, evtl. etwas Skilanglauf sind geplant. Sie wollten zum Kaffee kommen, aber jetzt habe ich abgeräumt und bereite das Abendessen vor, Coq au Vin.


Da, jetzt läutet es an der Haustür, A. steht da, setzt zu langatmigen Erklärungen an, warum es wieder mal nicht rechtzeitig geklappt hat. Ist doch egal, kommt erstmal rein. Dieser Reinhold, der gefällt mir auf den ersten Blick. Sieht gut aus und spielt sich nicht gleich in der Vordergrund, wie es normalerweise die Männer machen, die in unser „Frauenhaus“ kommen. Er sieht, dass ich gerade Zwiebeln schnippeln will und sagt, lass mich das machen! Er kann es, und wie! Schnell und effektiv. Unsere Jungs, 12 und 13 Jahre alt beäugen ihn misstrauisch: er ist so anders. Beim Essen machen wir uns miteinander bekannt, er fragt die beiden aus, findet sofort einen Draht zu ihnen, meine Schwestern sind offensichtlich auch angetan und jede bemüht sich, ihn in ein Gespräch zu ziehen.


Dann beschließen wir, gemeinsam „Lügenmäxchen“ zu spielen und setzen uns auf den Boden um meinen niedrigen Couchtisch herum. Jetzt, zu Weihnachten ist mein Wohnzimmer endlich fertig, alles selbst renoviert und als Krönung habe ich letzte Woche einen weißen Berberteppichboden verlegt. Da sitzt man gut. Goran und ich spielen vor und hinter Reinhold und wir versuchen, ihm zu helfen, geben ihm Tipps, aber er verliert eine nach der anderen Runde und lacht. Gut, dass er nicht sauer wird! Es wird immer lustiger, er verliert immer mehr. Neben ihm steht sein volles Rotweinglas und es kommt, wie es kommen muss: er fuchtelt herum und der Wein fließt auf meinen schönen neuen Berber! Fassungslos und unfähig etwas zu tun, sehe ich zu, wie sich die rote Farbe im Teppich ausbreitet. Er springt auf, Salz, Salz, hast du genug Salz im Haus. Ja, hab ich immer. Er schüttet den Inhalt der Packung auf den Rotweinfleck und behauptet, bis morgen sei nichts mehr davon zu sehen. Jetzt ist erstmal ein rosa Salzberg da, wo das Glas stand. Ich habe mich wieder in der Kontrolle, egal, so ein schöner Abend, da will ich keinen Stress machen, und außerdem, was solls.


Wir spielen und lachen weiter und Goran schubst mir seinen Ellbogen in die Rippen. Gefällt der dir auch so gut? Ja, und wie, flüstere ich zurück. Den wünsch ich mir als Vater!


Welcher Junge kann sich schon seinen Vater aussuchen? Aber es hat geklappt.


Aber erstmal kommen noch einige rosa Salzhäufchen dazu. Nach dem Besuch, als ich sie weg kehre, ist nichts mehr davon zu sehen.

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Sunday, 23. june 2013 7 23 /06 /Juni /2013 11:15

von R.Einloft - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene

23. Juni 2013 10:36 -. Über das Tal ziehen graue, dunkle Regenwolken, schütten ab und an ihren Inhalt aus. Nur vereinzelt lugt manchmal Helligkeit hervor. Könnte die Sommersonne sein. Wieder kalt. 16 Grad. Brrrr
Dar es Salaam 24 Grad, Sonne. Meine Wettervorhersage Rio funktioniert nicht. Vielleicht weil sie da streiken? Gut machen die das, können wir uns was von abgucken wie das Volk Politik für das Volk einfordern kann.

Rotwein umschütten war zwar nicht meine Lieblingsbeschäftigung, ich wollte ihn schon trinken, aber nach einem gewissen Mass von demselben passierte mir das immer wieder. Das ich ihn verschüttete. Wir saßen damals noch öfters am Boden und ich beliebte mit ausholenden Gesten Geschichten zu erzählen. Je weiter der Abend fortschritt um so mehr. Und um so gefährdeter war das Glas neben mir (M hat das schön in ihrer Geschichte erzählt was passierte, als sie mich kennen und lieben lernte. Trotz Rotweinflecken. Hier: http://www.andere-welten.net/article-geschichten-aus-nurnberg-der-neue-mann-verschuttet-rotwein-118634037.html).

Irgendwann war es sogar mir zu viel und ich beschloss, auf den geliebten Rotwein zu verzichten. Auch wenn ich wusste, wie man den Fleck (zumeist) entfernen konnte - mit viel Salz, sofort - belastete ich doch meine Umgebung sehr. Und trank fortan nur noch Weißwein. Bis zu dem Tag, wo mir das Folgende passierte:

M&R Nürnberg 2006 -ReinholdWir waren im Heimaturlaub aus Ecuador wieder in Nürnberg. Unserer Tour durch die Stadt war Tradition. Ähnlich wie hier: http://www.andere-welten.net/article-nurnberg-tut-uns-gut-118570667.html landeten wir irgendwann im vom Volksmund so benannten Schlenkerla. Das Traditionslokal „Zur Schranke“, 1530 erbaut, liegt am wunderschönen Tiergärtnertorplatz mit Blick auf die Burg gleich gegenüber dem Albrecht-Dürer-Haus. „Zur Schranke“ deshalb, weil sich im Mittelalter vor dem Haus eine Schranke befand. Fuhrleute und Bauern mussten hier ihren Wegzoll entrichten und nutzten den Aufenthalt um Hunger und Durst zu stillen. Marianne freut sich - 4Wir saßen draußen auf Gartenstühlen, genossen die Aussicht, den fränkischen Weißwein, die kleinen Würstchen und uns. Ich hatte meine neue weiße Hose an, wir zogen weiter, ich ging vor M, da sagt sie mit Entsetzen in der Stimme: was hast Du denn da auf Deiner Hose! Mein Vorgänger hatte Rotwein verschüttet und der war nun auf meinem Hintern als Gartenstuhlmuster abgebildet. Da beschloss ich weise, wieder Rotwein zu trinken. Ich entkam den Flecken nicht, auch wenn ich sie nicht selbst verursachte. 

 

PS: In Nürnberg trinke ich weiterhin weißen Frankenwein. Er ist für uns der Beste

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Sunday, 30. june 2013 7 30 /06 /Juni /2013 10:52

von R.Einloft - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene

M hatte in ihrer ersten kleinen Geschichte aus Nürnberg erzählt, wie ihre Freundin A den neuen Mann (mich!) mitbrachte, der ihr so gut gefiel und der gleich am ersten Abend Rotwein auf ihren neuen Berberteppich schüttete (http://www.andere-welten.net/article-geschichten-aus-nurnberg-der-neue-mann-verschuttet-rotwein-118634037.html).

 

Goran&Frank jungAuch den Jungens gefiel er, Goran hatte sogar gesagt: Den möchte ich als Vater.

 

 

 

 

 

Hier geht es weiter mit M`s Geschichte

Nürnberg, Ende Dezember 1980

Am nächsten Morgen schrecke ich hoch, es ist schon neun Uhr,  ich habe das Haus voller Gäste und  muss doch Frühstück machen. Es ist schweinekalt draußen und die Küche muss noch mit Holz und Kohle beheizt werden. Verkatert und benommen trotte ich im Nachthemd durch den kalten Flur in die Küche und: O Wunder! Es ist geheizt, es riecht nach Kaffee, und Reinhold sitzt am Ofen, in einer roten Strumpfhose, mit den Füßen auf dem Fensterbrett und liest. Nicht sehr sexy aber gemütlich. Er freut sich, dass ich mich freue.
 
Unser Eckgrundstück hat einen riesigen Garten und der Bürgersteig ist ca. hundert Meter lang. Im Winter muss ich morgens um 5:00 aufstehen, um Schnee zu schippen. Mittlerweile ist alles vereist, und wenn jemand ausrutscht, bin ich dran. Goran, mein 13-jähriger Pflegesohn, fühlt sich zwar schon sehr erwachsen und gebärdet sich so, wie er es für „männlich“ hält, aber fürs Schneeschippen ist er noch zu klein! Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, ihn darum zu bitten.
Ein schabendes Geräusch, ein  Hacken und Kratzen wecken mich zwei Tage später auf und siehe da, Reinhold und Goran hacken gemeinsam den harten Schnee weg und kehren ihn an den Rand. Wir beiden Männer machen das jetzt mal, das ist doch keine Arbeit für Frauen – damit hat er ihn motiviert. Na prima, geht doch!

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Wednesday, 20. november 2013 3 20 /11 /Nov. /2013 10:39

von R.Einloft - veröffentlicht in: Andere Welten für Kinder & Erwachsene

M ist die einzige Frau im Skatklub und kommt sich jung vor, weil die meisten Männer älter sind. Es sind auch ein paar jüngere Männer dabei, aber die sind auch alt. Sie - M - liebt Skat, hat es schon seit ihrer frühesten Jugend gespielt. Um genauer zu sein: seit sie  rechnen und reizen konnte. Ihre kontaktarmen Eltern spielten jeden Samstag, die jungen Mädchen waren abwechselnd Skatpartner. Und als ich in ihr Leben kam musste ich Skat lernen. Auf die harte Tour. Ein Jahr lang hab ich nur verloren. So gewinnst du später besser, sagte sie. In Ecuador spielten wir Sonntag Nachmittags. Um 14.00 Uhr pünktlich riefen die Jungs: 18. Und es ging los. Auch da hab ich viel verloren, doch sie waren freundlich zu mir und rechneten ab und an vor, wie viele Spiele ich schon gewonnen habe. Überall wo wir lebten hat M Skatbrüder gesucht und gefunden, nur in Rio nicht, da gab es Besseres zu erleben.

Und dann zogen wir in das kleine Dorf am Rande des Hinterlandes und siehe da, da gab es einen Skat Club. Sie nannten sich „Hinterländer Luschen“. Luschen sind die Augen, die bei der Abrechnung nichts zählen doch manche ihrer Skatbrüder wollen das nicht einsehen und diskutieren hinter jedem Spiel bis zu Beleidigungen, man habe falsch ausgespielt (dieses ewige Nachkarren ist auch der Grund, weshalb ich Skat nicht besonders mag. Obwohl M das nicht macht. Sie spielt cool.)

Einer kommt mit seiner Sauerstoffflasche im Rollwagen. Er ist zwar etwas kurzatmig aber schimpfen kann der wie eine Eins. Ein andererSkatbruder meinte, alle anderen spielten blöd. M besonders, vielleicht mochte er Frauen nicht, denn M kann ganz schön raffiniert spielen. Doch der alte Mann wusste alles besser und beschiss wo er konnte. Nein, ausschließen geht nicht, sagte M, der hat dochMarianne Vereinsmeister Skatclub Hinterländer Luschen - 5 nur noch das. Vor ein paar Monaten ist er gestorben und die Runde hat ein wenig mehr Ruhe, die Trauer hielt sich in Grenzen.

Trinken tun sie nicht während der Spiele, nur der Akademiker, der braucht Alkohol für seine Konzentration. Und gewinnt die schlechtesten Blätter. Dafür ist essen angesagt zur Stärkung. Es gibt traditionell Brötchen mit rohem Hackfleisch von einem Metzger weiter weg, der hat das beste, sagen sie. Manche können bis zu 5 Brötchen verdrücken. Und dazu noch Schokoriegel zur Verbesserung der Nervenstärke. 

In Abständen fahren sie am Wochenende zu Ligaspielen. Die dauern den ganzen Tag. M fährt gerne mit. Anfangs waren sie skeptisch, an ihrem Tisch zu spielen. Weil Frauen können das nicht. Bis sie kiebitzten. Jetzt wissen sie, da ist eine Gegnerin, die spielt wie ein Mann obwohl sie nicht so aussieht.
Die Fahrten zu diesen Spielen sind oft lang und wenn M fahren muss hat unser kleines Autochen schwer zu schuften, denn ihre Skatbrüder sind mächtige Männer. Bei einer Rückfahrt ist sie mit ihren Skatbrüdern in einer Italienischen Eisdiele eingekehrt. Rund um sie rum saßen ihre mächtigen Männerfreunde. Nebenan ein Frauentisch, der tuschelte und tuschelte. Bis sich eine wagte: wir möchten gerne wissen, zu wem diese Dame gehört. Zu uns allen haben sie wie aus einem Munde gesagt. Ist nicht wahr. Sie gehört zu mir.

Jeden zweiten Mittwoch ist sie weg zum Training. Na ja, ist wohl mehr zum Spaß. Um 7.00 Uhr abends fangen sie an und so um 1/2 12.00 kommt sie zurück. Manchmal froh, dann seh ich schon, sie hat gewonnen, manchmal nicht so froh. Keine guten Karten sagt sie dann. In letzter Zeit hat sie öfters keine guten Karten. Letztens hat sie an einem Tisch bei der Endabrechnung trotzdem gewonnen weil die anderen ihre Spiele verloren haben. Das kann sie gut, den Anderen die Spiele kaputt machen. Ich ärgere mich dann immer.  

Die Leute, die ich vom Club kenne sind nett. Ein alter Mann aus dem Nachbardorf hat sie ins Herz geschlossen, was ich gut verstehen kann. Hab ich ja auch, sie ins Herz geschlossen. Ihr alter Freund hat sie zum Geburtstag in eine Gaststätte eingeladen. Mich auch. Und noch einen vom Club. Es war richtig nett. Aber wir mussten weit fahren, einmal nach Süden, um das Geburtstagskind ab zu holen und einmal nach Norden zum Lokal und später wieder zurück zu ihm nach Süden und dann nach Hause. Weil ihr älterer Freund keinen Führerschein mehr hat. Sein Leben lang war er Fahrer und jetzt muss er sich fahren lassen. Auch nicht schön.

Einmal im Jahr gibt es eine große Feier, da darf ich auch mit (nicht, dass ich nicht mit dürfte zum Luschen-Training, aber ich hab keine Luschen - äh Luscht). Auf diesem Fest gibts Bier und Fleisch und Wurst und so. Keine Geschmacksverweichlicher wie Salat oder Gemüse. Richtig was für Männer. Da hat M dann ganz schlechte Karten. 

 

(Das Bild zeigt M. Sie hat den Pokal gewonnen und ist Vereinsmeisterin 2011)

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