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Unsere Welten, unsere Probleme

Thursday, 6. march 2008 4 06 /03 /März /2008 10:25
Immer wieder interessant, wie Menschen anderer Völker unsere Gewohnheiten sehen.
Don Ernesto, Bischof von Pemba in Mosambik, war mal ein paar Monate in Deutschland zum Sprachen lernen. Er erzählt gerne davon und dann bleibt kein Auge trocken. Wie er zum ersten Mal Eierbecher gesehen hat und dann versucht er seinen Mitbrüdern das Ding an Hand eines Pfefferstreuer zu beschreiben. Als auch noch ein Gerät dazu kommt, mit dem man Eier köpfen kann anstelle sie zu schälen, wie das normal wäre, gibt er lachend auf. Keiner versteht ihn.

Oder wie es Samstags dicke Suppe gab und er dachte, dass sei die gewohnte Suppe vor dem Hauptge-richt. Und hungrig blieb. Den ganzen Tag. Derweilen es abends ja auch kein normales Essen mit Suppe, Hauptgericht und Nachspeise gibt. Sondern nur Brot, Käse, Wurst. Da musste er hungern (er ist ein großer Mann und braucht schon Einiges).

Oder wie sein Amtsbruder ihn mitten in der Woche zum Spaziergang am Nachmittag aufgefordert hat. Was ist ein Spaziergang? Und dann kam er auch noch einige Minuten zu spät! Oder dass die Leute sich Sonntags alle so schön anziehen. Es gefällt ihm. Und wie sie diszipliniert an der Ampel stehen obwohl kein Fahrzeug kommt. Und wie die Deutschen gehen, er zeigt es und lacht sich halb schubbelig über den eiligen geradeaus marschierenden Gang.

Und dann das Kuchen essen am Nachmittag. „Mit oder ohne Sahne“ sagt er über das ganze Gesicht strahlend auf Deutsch und ahmt mit der Hand die Hausfrau nach. Um danach seinen Kollegen zu erklären, was das denn sei. Und dann der Zucker in Würfelform. Der hat es ihm angetan. Von dem man nur ein oder zwei Stück kriegt. Wobei sie doch Kaffee so gerne süß trinken. Den leicht missbilligend, unverständlichen Blick, der ihm zugeworfen wurde als er mehr nahm, macht er nach und wir liegen über dem Tisch vor Lachen.
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Wednesday, 5. november 2008 3 05 /11 /Nov. /2008 11:39
Herzlichen Glückwunsch an alle da draußen. Meine Hoffnung: Die Welt wird ein wenig gerechter, menschlicher, lebenswerter. Es ist ähnlich, sagt Bernd, wie bei der Willy-Wahl. Das ist so. Feiert feste. Mein Leib- und Magenspruch: Man muss die Feste feste feiern. Ich hab heute Nacht schon vorgefeiert und bin entsprechend träge.

Herta hat angerufen, sie bleibt in sporadischem Kontakt auch wenn ich nicht mehr in Tansania bin. Sie sagt, man darf nicht zu viel von dem neuen Präsidenten erwarten. Wir sind uns einig: Viel Spielraum bleibt ihm nicht.
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Friday, 2. january 2009 5 02 /01 /Jan. /2009 13:04
Es schneit. Das Neue Jahr zeigt sich in einem schönen Gesicht. Es soll schlechter werden - das Jahr und das Gesicht. Allerorten negative Voraussagen von selbsternannten Aposteln. Gerade von denen, die den Turbo-Kapitalismus als positv dargestellt haben. Ich denke, es wird härter mit der Illusion, Wachstum sei das non plus ultra menschlicher Entwicklung. Wachstum wohin? Und womit? Wo sollen all die Rohstoffe herkommen? Mal abgesehen von den beängstigenden Umweltbelastungen die zu erwarten wären. China darf gar nicht auf die Idee kommen, alle Chinesen müssten Auto fahren können. Ich befürchte, China hat das im Hinterkopf. Dann aber geht´s uns an den Kragen. Davor habe ich Angst.

Ich plädiere, die Diskussion über alternative menschliche Ziele zu verstärken. Alternativen sind auf unserer Seite der Welt notwendig genauso wie auf der Seite der Unterprivilegierten. Die haben den Traum von unserem Reichtum. Warum sollten sie auch nicht? Wir leben ihnen das Wohlleben ja vor. Wies da drinnen aussieht, wissen sie nicht. Und die Frage, ob wir wirklich glücklich leben mit unseren 10 000 Sachen um uns herum und den täglich neu dazu kommenden, die muss erlaubt sein. Ich habe in Afrika mehr glückliche Menschen getroffen als in Deutschland. Womit wir wieder bei Aristoteles wären. Glück erreichen sollte die Bestimmung werden. Zusammen leben, Freundschaften, kooperieren, für den Nächsten mit sorgen sind Schlüsselworte.

Die Krise, die auf uns zukommt wird keine existentielle Krise werden. Wir müssen reduzieren, auf einem geringeren wirtschaftlichen Niveau uns einpendeln. Unsere Erde gibt nicht her, dass alle auf dem Niveau der Industrienationen existieren. Und wir können nicht dauernd auf der Spitze hocken und ab und an Almosen verteilen, wenn eine übermäßige Katastrophe unser Herz rührt. Dass 100.000 Menschen täglich an Hunger sterben, rührt nicht mehr. Hunger ist eine der permannenten Kathastrofen, die wir uns nicht erlauben drürften. Reduktion unseres Standarts auf ein Niveau, das zu erreichen weniger stresst könnte gar ein Fortschritt sein.

Ich wünsche uns ein erfolgreiches Neues Jahr. Mit der Gewissheit, dass weniger mehr sein kann.   
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Friday, 24. april 2009 5 24 /04 /Apr. /2009 18:24
Mich packt die Wut. Da  stellen sich diese selbsternannten Wirtschaftsexperten schon wieder hin und verkünden, nach ihren Berechnungen würde das Sozialprodukt im nächsten Jahr um 6% schrumpfen. Nicht 7, auch nicht 5 oder 4, nein 6%. Sie haben es errechnet. Was für eine Chuzpe, was für eine Dreistigkeit. Noch nie, wirklich noch nie haben die Vorhersagen dieser "Weisen" gestimmt. Kann nicht stimmen, denn sie stochern im Heuhaufen herum, versuchen, die Zukunft zu antizipieren. Ihre Modelle der Hochrechnung sind eine Computergestützte Form der Wahrsagerei. Der gelingt auch ab und an ein Zufallstreffer. Sie berechnen was sein wird, wenn es so weiter geht wie bisher - falls ihre Modelle stimmen (das vergessen sie zu sagen). Aber: erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Keiner von ihnen (zumindest in Deutschland) hat irgend etwas von der Krise geahnt. Anstelle ihr Versagen einzugestehen, in sich zu gehen, zumindest vorsichtig zu sein, machen sie Angst und sonnen sich in ihrer Aufgeblasenheit.

Was bedeutet ein Rückgang von 6%? Unser Bruttosozialprodukt schrumpft auf die Größe von 2006, vielleicht 2005. Da ging es den Deutschen bekanntermaßen recht schlecht.

Krisen können eine heilsame Wirkung haben. Das ist bei Menschen so, das ist in der Wirtschaft so. Krisen sondern aus, was der Markt am wenigsten braucht. Gar nicht so ungesund, nachzufragen, was wir wirklich brauchen, um glücklich und zufrieden zu sein. Schlimm sind die dran, die ihre Arbeit verlieren. Das sehe ich auch. Aber vielleicht ist auch das für den Einen oder Anderen Anlass nachzudenken, Änderungen anzuvisieren, die im Trott nicht möglich sind?

Freilich ist die Krise noch nicht vorbei. Die Wirtschaft ist wieder verhalten optimistisch, die Kauflust der Deutschen hat nicht nachgelassen, aber die Banken haben "giftige Wertpapiere" in ihren Kellern. Sie haben hochrisikoreiche Papiere gekauft, gezockt, auf hohe Erträge gewettet, nun stellt sich raus, die Papiere haben keine oder nur geringe reale Deckung, waren überbewertet. Ein Beispiel sind die Rückversicherungen amerikanischer Institute, die immense Kredite auf Immobilien vergeben haben. Dabei wurde wenig geprüft, ob die Kreditnehmer auch zurückzahlen können, Hauptsache, die Verkaufsprovisionen stimmten. Hinzu kommt, wie man jetzt feststellt, dass Immobilien in Amerika lange Zeit zu hoch bewertet wurden, also nicht den Wert haben, der ihnen zugeschrieben wird. Um sich abzusichern, haben diese Banken ihr Risiko gestreut. Sie haben sich gegen Ausfall der Kreditrückzahlung und Verlust der Immobilie versichert bei anderen, internationalen Banken. Nun sind die externen Banken, am Verlust beteiligt. Die Häuser in Amerika können nicht abbezahlt oder verkauft werden, und wenn sie verkauft werden, zu einen viel geringeren Preis. Diese Versicherungen sind gestückelt und in Pakete verschnürt worden mit anderen Gewinnerwartungen (die berühmten Bankprodukte, deren Verträge bis zu 1000 Seiten lang sind, da schaut keiner mehr durch) und heute weiß niemand mehr, welche Summen bezahlt werden müssen, wenn die Versicherungen fällig werden. Unvorstellbar hoch sind die Summen der schlechten Papiere. Weltweit sollen es 8 Billiarden Dollar sein, in Deutschland vermutet man bis zu 1 Billiarde an faulen Papieren (1 Billiarde hat 12 Nullen. Legt man 10 Euroscheine nebeneinander, ergibt das eine Strecke von 1.000 Km. Vorstellbar, diese Summe? Mir nicht). Und jetzt versuchen diese Schlitzohren von Bankern die Verluste zu sozialisieren und Gewinne zu behalten. Aber das ist ein anderes Thema.

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Sunday, 26. april 2009 7 26 /04 /Apr. /2009 18:15
"DANKE"
... sagte der Banker,
als 
die Depots seiner Kunden 
crashten!
Das Deutsche Institut für Anlegerschutz schätzt, dass Anlageberater Jahr für Jahr über 40 Milliarden Euro Ihrer Kunden ABZOCKEN!
(Falken Telegramme)

Eine
Bad Bank will die Bundesregierung einrichten, um die Banken von schlechten Papieren zu erleichtern. Der Name ist begrifflich falsch, die "schlimmen Banken" sind schon längst da. Das abzocken der Kunden um an Provisionen zu kommen ist die eine Seite der Bad Banker. Die andere Seite ist, dass die Banken ihr Kerngeschäft der Kreditvergabe hintangestellt und mit hochrisikoreichen Papieren gewettet haben. Das Geschäft ging lange gut, sich selbst und die Bankeigentümer haben einige Banker immens bereichert. Die Risiken erwiesen sich ab dem letzten Jahr als das, was sie waren: Risiken. Sie haben verloren. Nun sitzen sie auf ihren Papieren mit den abgestürzten Werten und den möglichen Verpflichtungen. Manfred schreibt in seinem Kommentar zu meiner Wut über falsche Propheten: "Aber es gibt noch eine Steigerung der Wut....."zornige Wut" oder ....ich weiss nicht, wie ich´s nennen soll. Sie gilt den "Paketschnürern" und "Paketverkäufern" bei den Banken....diesen Raubtieren, die die Geldgier zu Bestien gemacht hat, die Gift verpackten und es als Lebensmittel verkauften....Urkapitalismus....Betrug....Schande".

Warum kann eine solche Deponie der richtige Weg sein?

Zwischen 850 Milliarden bis 1 Billion Euro an "toxischen" Papieren haben die deutschen Banken sagen die Schätzungen (weltweit 8 Billiarden). Diese Wertpapiere bergen nach wie vor immenses Verlustpotenzial. Es waren hoch riskante Produkte (Derivate, Zertifikate und wie sie alle heißen, diese künstliche Schöpfungen), mit denen zeitweise hohe Gewinne gemacht wurden. Der Grundsatz, wer hohe Gewinne macht kann auch hohe Verluste haben, schien vergessen vor Gier in einem Zeitraum wilden, freigelassenen Kapitalismus. In den schlechten Wertpapieren stecken u.a. Verbindlichkeiten, die die Banken zahlen müssen. (Ein Bsp: darin enthalten sind Versicherungen amerikanischer Immobilienbanken gegen Kreditausfall und Immobilienverlust, die wahrscheinlich gezahlt werden müssen von dem, der diese Papiere hat). Das versetzten die Banken bei der Kreditvergabe in eine Art Schockstarre. Sie wissen nicht, wie viel sie noch zahlen müssen oder an Werten verlieren, denn sie haben mit Risiken gehandelt, die heute keiner mehr eingehen will (kann sein, dass irgend einer mal wieder anfängt, Ackermann von der deutschen Bank meint noch immer, 25% Gewinn sei erstrebenswert. Dann würden die giftigen Papiere weniger giftig). Das Risikopotenziale der Banken ist bereits durch den Besitz der giftigen Vermögenswerte ausgeschöpft. Weitere Kreditrisiken wollen und können sie nicht eingehen.

Die Idee der Bad Bank ist nun, dass sie die schlechten Papiere den Banken abnimmt, abwartet, wie deren Entwicklung weiterhin ist und die Banken von den Risiken befreit. Dann so sagt man, können sich die Banken wieder ihren originären Geschäften der Kreditvergabe und vorsichtigen Verwaltung der (Spar)Guthaben widmen.

Ich denke, das Auslagern der schlechten Papiere ist ein richtiger Weg, die Modelle der Bundesregierung allerdings versuchen, die Verluste der Banken zu sozialisieren und das Volk bezahlen zu lassen. "Mit der Bildung einer Deponie für diese explosiven Vermögenswerte plant man einen Risikotransfer auf die Allgemeinheit" (Falken Telegramm). Sie halten noch immer zusammen, die Herrschenden, zu denen heute auch meine Partei, die SPD sich zugehörig fühlt.

Schweden und USA gehen andere Wege. Sie übernehmen Banken, tauschen ihre sich als unfähig erwiesenen Raffgeier aus, fangen neue Wege an, lagern schlechte Papiere aus in Institute, die den Banken gehören, die von zukünftigen Gewinnen refinanziert werden. Warum nicht hier? Gestern Abend im Kabarett: Im Hühnerstall reicht ein Huhn mit Vogelgrippe um den gesamten Bestand auszuwechseln.

Ackermann und Co müssen weg! Sie haben verzockt, uns alle geschädigt und, so ist zu befürchten, sie werden sich kaum ändern


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Monday, 4. may 2009 1 04 /05 /Mai /2009 18:03
Horrornachrichten erreichen uns von Verlusten deutscher Banken. Freilich, wie sollte es auch anders sein in Zeiten der Krise. Der Raffgier nachgebend, haben Bankmanager tradierte Vorsicht über den Haufen geworfen, sind zu Zockern geworden und haben den Karren in den Dreck gefahren sprich: das hohe Risiko das sie eingingen, hat zugeschlagen.

Aber halt, da war doch noch was? Jahrelang ging es ja gut, ihr Spiel mit dem Feuer. Jahrelang haben sie gewonnen, unvorstellbare Summen, die Inflation der Nullen anheizend, Millionen reichten nicht, Milliarden mussten es sein. Das genau war ja die Begründung: Turbokapitalismus bringst, damit wird man schnell und irrsinnig reich. Schlagkräftige Argumente in der Tat, manche, viele verführend, sich den Scharlatanen anzuschließen.

Stellt sich die Frage: wo ist das Geld? Wo sind sie, die Millionen und Milliarden Gewinne? Gelehrt wurde ich, für schlechte Tage in guten Tagen etwas auf die hohe Kante zu legen. Weil schlechte Tage sicher kommen. Ebenso müssten unsere Banken, unsere prächtig verdienenden in guten Zeiten, eine Menge Geld haben auf ihren hohen Kanten.

Der DGB meldet, in den letzten 10 Jahren haben sich die Erträge der Geschäfte mit Wertpapieren und Zinseinnahmen aus Kreditgeschäften unserer Banken alleine im Ausland auf 1.093 Mrd. Euro summiert. Der größte Teil, so der DGB, wanderte in die Tresore der Finanzinstitute.

Da liegen sie nun, die Gewinne. Und jetzt ist die Spekulationsblase geplatzt, jetzt kommen Verluste und was machen unsere Finanzjongleure? Sie zapfen Vater Staat an. 200 Mrd. Euro aus Steuergelder sollen den notleidenden Banken zufließen. Und wo bleibt der Einsatz der aufgelaufenen Bankengewinne? Sie werden privatisiert. Reiche Vermögensbesitzer und Bankmanager haben sich eine goldene Nase verdient, Banken ihre gläsernen Burgen hochgezogen. Millionen von normalen Bürgern zahlen nun die Zeche. So weit darf es nicht kommen! Die Verursacher der Krise müssen zur Verantwortung gezogen werden. 1.093 Mrd. Euro Selbstbeteiligung stehen an um Banken zu retten, verehrte Merkelin. Oder wem dient sie?
 
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Thursday, 7. may 2009 4 07 /05 /Mai /2009 23:55
Lukas muss eine Präsentation zum Abitur machen über die Frage,

ist Demokratie wichtig für Wohlstand (am Bsp. China-Indien und darüber hinaus).

Ein interessantes Thema, in der Tat. Und keinesfalls einfach zu beantworten.

Sollte doch meinen, Demokratie verbessere Wirtschaftswachstum derweilen ja freie Unternehmen und freie Gesellschaftsentwicklung irgendwie zusammen gehören. Das stimmt für unsere hoch entwickelten Länder, für Entwicklungsländer aber ist es nicht eindeutig und bei Indien und China ist es geradewegs andersrum: China gewinnt und weist ein besseres Sozialprodukt pro Kopf aus als Indien und - für mich wichtiger - einen weitaus geringeren Anteil an Armen. In Indien leben mehr als 50% in Armut (30% mit weniger als 1 Dollar pro Tag). China hat seit 30 Jahren ein Armutsprogramm aufgelegt und die Armut von 50% auf 8% gedrückt! Alle Achtung.

Wohlstand ist natürlich auch nicht gleich Wirtschaftswachstum. Interessant: Wohlstand in Deutsch meint eigentlich das Wohl eines Standes, des hohen. Heute definieren wir mehr damit als Geld haben. Gut so, denn Freundschaft, Familie, Gesellschaft, Bildung, all die Dinge um uns herum, die uns wohl fühlen lassen, die gehören dazu. Und dann wird das Anlegen einer Messlatte schwierig. Wie auch immer, ein interessantes Thema. Nix genaues weiss man, kann man sagen.
Morgen fahren wir nach Hause. 
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Wednesday, 13. may 2009 3 13 /05 /Mai /2009 14:10
Das Beste, klarste und umfassendste Antwort, wie das mit der Finanzkrise begann und wo das viele Geld hin ist, das steht in dem Artikel. Sehr empfehlenswert!

Wo das Geld geblieben ist

Gefunden hab ich die Quelle bei der Nominierung für den Nannen-Preis - Beste Dokumentation.
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Thursday, 4. june 2009 4 04 /06 /Juni /2009 10:44

Die letzte Krise hat gezeigt, dass Wachstum kein Automatismus im Kapitalismus ist. Das ist bekannt, doch die Apologeten des Systems tun so, als wäre die Krise nur ein Betriebsunfall. Ist es nicht. Krisen sind unausweichlich, ja es kann sogar sein, dass Wachstum in hoch entwickelten kapitalistischen Gesellschaften zurückgeht, einfach weil eine Sättigung bei der Güterversorgung erreicht wurde. Deshalb ist es opportun, mal darüber nachzudenken, was wäre, wenn... Könnte auch sein, dass unser Wirtschaftssystem gerechter, menschenfreundlicher gemacht werden könnte. Wär doch was, oder?

1. Ohne Wachstum gäbe es weniger CO2 Ausstoß
Die Krise ist für viele Unternehmen überall auf der Welt schlimm. Das Ökosystem der Erde aber wird sich ein klein wenig erholen. Die Wirtschaft wird schrumpfen, und die Natur wird wachsen. Das ist die gute Nachricht der Weltrezession. Denn Wachstum belastet die Umwelt. Allein seit dem Jahr 2000 stiegen die weltweiten CO 2 -Emissionen um zwanzig Prozent, stärker als in den achtziger und neunziger Jahren. Mittlerweile wird dieser Ausstoß als eine Bedrohung unseres Klimas angesehen. Alle Anstrengungen, Wachstum mit Klimaschutz zu verbinden, sind fehlgeschlagen, führen allenfalls zu einer geringeren Zunahme der Verschmutzung, keinesfalls zu einer Reduktion.
Null-Wachstum und Rezension dagegen verringert umgehend und messbar in kurzer Zeit die Umweltbelastung. Die CO 2 -Emissionen sinken. Offenbar gibt es keinen besseren Klimaschutz als ausbleibendes Wirtschaftswachstum.

2. Ohne Wachstum wären wir genau so glücklich wie zuvor.
Die typisch deutsche Familie ist ein Produkt des statistischen Bundesamtes. Das Amt errechnet den Durchschnitt von allem, was wir haben. Die Durchschnittsfamilie mit Vater, Mutter und 1 Kind lebt in einem Vorstadtreihenhaus mit 130 qm und ist ausgestattet unter anderem mit: Auto, Fernseher, DVD-Spieler, einem digitalem Fotoapparat, einem PC, einem Geschirrspüler und einer Waschmaschine, gutem Herd, großem Kühlschrank, Gefriertruhe, einer Mikrowelle etc. Halt mit allem, was man so hat. Das Haushalteinkommen der Durchschnittsfamilie liegt bei 3250 Euro. Würde ihr Einkommen jährlich um zwei Prozent wachsten, dann würden sie in 20 Jahren anderthalbmal so viel verdienen wie heute. Sie könnten sich dann z.B. ein zweites Auto leisten, oder ein größeres, sie könnten sich einen neueren und noch größeren Kühlschrank kaufen, einen Flachbildschirm im Kinoformat und so weiter. Wäre diese Familie dann glücklicher?

Macht Wachstum glücklich?
Verkauft wird uns die bunte, steigende Warenwelt mit dem Versprechen, glücklicher zu werden. In den Lehrbüchern hört sich das so oder ähnlich an: "Der individuelle Nutzen der Wirtschaftssubjekte steigt, wenn mehr Güter und Dienstleistungen gekauft werden". Das ist die Basis, auf der das ganze Gebäude der Wirtschaftswissenschaften steht.  Unser "individuelle Nutzen", steigt, sagt die These, Glück und Zufriedenheit der Konsumenten nehmen zu, wenn mehr produziert wird.  Das ist eine der meist erforschten Fragen, denn letztendlich steht und fällt die Theorie mit dieser Antwort. Alle bisher gemachten Untersuchungen kommen zu einem eindeutigen Schluss, der als gesichert gelten kann. Die Antwort heißt: JEIN. Wachstum macht tatsächlich glücklich, aber nur, wenn man wenig besitzt, wenn es um die ersten großen Sprünge geht. Ab einem gewissen Niveau hebt das Wirtschaftswachstum die Zufriedenheit nicht mehr.
In den vergangenen dreißig Jahren hat sich das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland verdreifacht. Das heißt, verkürzt gesagt: Der durchschnittliche Deutsche kann sich heute dreimal so viel leisten wie damals. Die Lebenszufriedenheit aber ist unverändert geblieben. Sie dümpelt um das Niveau von 1970 herum. Genau wie in Frankreich, in Großbritannien, in Italien, genau wie in fast allen großen Industrieländern, mit Ausnahme der USA. Dort sind die Menschen heute sogar weniger glücklich als früher. Vom Gesichtspunkt des glücklich und zufrieden leben Könnens aus muss es die Durchschnitts-Familie also nicht schmerzen, wenn das Bruttoinlandsprodukt mal ein paar Jahre lang nicht wächst. Wir leben heute sogar auf einem weitaus höheren Niveau als 1970, haben alles, was machbar ist. Es tut uns nicht weh, wenn Opel weniger Autos baut. Wir könnten sogar ganz froh darüber sein: Je weniger CO2 in der Luft ist, desto besser für alle. Was wir weiter brauchen sind Ersatzinvestitionen wenn Sachen kaputt gehen, Produkte die länger halten und die Umwelt schonen. (Ja, ja, ich weiss, ich übersehe die "Haben wollen" Mentalität, mehr. größer, schneller, vor allem den Nachbarn übertrumpfen. Die Frage ist, ob wir uns mit dieser partiellen Glückszunahme nicht Einbrüche größerer Art erkaufen, die unser Leben beeinträchtigen).


Für die hoch industrialisierten Länder gilt die Annahme der Wissenschaft nicht mehr, dass Wachstum glücklicher macht und notwendig ist. Das gilt nur für Länder, die unser Niveau noch lange nicht erreicht haben. (Auch da gibt es Unterschiede und andere wichtige Faktoren. Länder mit Konflikten und Problemen rangieren auf der Zufriedenheitsskala ganz unten, Länder mit gerechterer Einkommensverteilung viel weiter oben als sie nach Einkommen eingestuft wurden).

Zwischenfrage: Ist die Wirtschaft für den Menschen da oder der Mensch für die Wirtschaft?
In allen Gesellschaften der Vergangenheit hat der Mensch gewirtschaftet um seine Bedürfnisse befriedigen zu können. Selten konnte er genug herstellen, zu oft gab es Mangel. Das hat sich geändert. Wir werden zugeschüttet mit Waren, die immer billiger, immer schnelllebiger sein müssen. Und dann kommt noch etwas seltsames hinzu: wir arbeiten längst nicht mehr um unsere Bedürfnisse zu stillen, wir arbeiten, damit wir einen Arbeitsplatz haben. Heute ist der Kapitalismus eine große Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Dabei ist es egal, ob der letzte Unsinn produziert wird, Hauptsache, es gibt Arbeit. Brauchen wir wirklich Opel? Nein, brauchen wir nicht. Nach dem Lehrbuch des Kapitalismus werden diejenigen Produktionseinheiten ausgespuckt, die es nicht geschafft haben. Radikal. Das treibt an und soll antreiben, mehr und billiger zu produzieren, vorne mitzumischen. Opel hat es nicht geschafft. Sie haben Jahrzehnte lang schlechte Autos gebaut,  nicht genügend abgesetzt, nichts für schlechte Zeiten auf die Seite gelegt. Und plötzlich muss der Staat - sprich der Steuerzahler - das Versagen finanzieren, eine ausgespuckte Wirtschaftseinheit ins Leben zurückbefördern. Einzig mit dem Argument, Arbeitsplätze zu erhalten. Der Markt braucht Opel nicht, es gibt genügend Autos. Jetzt funktioniert nicht einmal mehr der Selektionsmechanismus des Marktes, von dem so viel gehalten wurde. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Wozu brauchen wir dann noch Kapitalismus? Einst war der Kapitalismus ein großer Wohlstandserzeuger, heute ist er, zumindest in den Industrieländern, eine große Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.

3. Ohne Wachstum müsste die Arbeit verteilt werden
In der Tat müssten wir uns eine neue Bedeutung der Lohnarbeit ausdenken, wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst. Wachstum schafft Arbeit, so das Credo von Politik und Wirtschaft landauf, landab. Ganz stimmt das ja nicht. Zuerst mal hat das Wachstum der letzten 30 Jahre über 5 Mio. Arbeitsplätze vernichtet. Das kommt durch die Mechanisierung und Rationalisierung, auch durch erhöhten Arbeitsdruck auf die verbliebenen Arbeitnehmer. Es muss mehr in kürzerer Zeit produziert und geleistet werden. Natürlich schafft Wachstum auch neue Arbeitsplätze aber nie so viel wie wegfallen.  Die Krise lässt Arbeitslosenzahlen wieder steigen, das ist wahr. 
Ist das so schlimm, wenn Menschen nicht mehr wie die Bekloppten malochen müssen, wenn andere, sinnvollere Tätigkeiten an ihre Stelle treten wie Nachbarschaftshilfe, Altenbetreuung, mit Kindern spielen, für die Gemeinde was machen oder einfach am Wasser liegen und den Wolken zuschauen? Jetzt spinnt er, hör ich die ersten denken. Nein, das tue ich nicht. Ich mach ähnliches, weil ich ausgeschieden bin aus dem Berufsleben. Und weiss gar nicht mehr, wie ich so viel arbeiten konnte, wo mein sinnvolles anderes Leben war. (Ich war zudem noch in einer komfortablen Position als leitender Angestellter für entwicklungspolitische Projekte in Südamerika und Afrika. Da gab es Sinn - aber auch viel Unsinniges). Generell denkbar ist, dass Menschen weniger malochen und mehr leben. Wir reden darüber, ich erinnere, was wäre wenn. Null-Wachstum würde geradezu dazu zwingen, Arbeit anders zu verteilen weil kein Staat es sich leisten kann, alle Arbeitslosen zu versorgen. Dann müssten wir Alternativen andenken und durchführen. Es gab einmal eine Zeit, da haben die Gewerkschaften genau dieses Argument gebracht: wenn weniger Arbeit da ist, muss sie anders verteilt werden. Das wurde von den Unternehmern entrüstet zurückgewiesen, es koste zu viel. Aber was kostet es, wenn Millionen Menschen ohne Arbeit sind? Wenn Maschinen körperlich und geistig anstrengende, zumeist auch noch stupide Arbeit dem Menschen abnehmen, ist das begrüßenswert. Nur in unserer Gesellschaft wird es negativ, weil Menschen entlassen werden.

4. Ohne Wachstum kriegt nicht jeder Chinese ein Auto
Das ist ein Horrorszenario für mich. China hat sich in der Tat in seinen Zielkatalog geschrieben, dass immer mehr Menschen ein Auto haben sollen neben anderen Wohlstandserzeugnissen. Es tut mir leid für die Chinesen, das geht nicht. Dann würden die Rohstoffe weltweit nicht reichen und die Umwelt ginge total kaputt. Manche Menschen sagen, die Technik schafft das schon, die erfindet was. Es ist allerdings nichts in Sicht, um Rohstoffe zu ersetzen oder Autos zu bauen, die nicht die Umwelt belasten sowohl bei der Produktion als auch beim Fahren. Auch wenn ein Auto erfunden würde, das nur 1 Ltr. auf 100 Km verbraucht, würde China alle Vorräte der Welt an Rohöl und Rohstoffen benötigen. Die Chinesen sind erfolgreich dabei, sich in Afrika die Rohstoffmärkte zu sichern. Sie machen das offen und ohne Rücksicht auf politische Zustände in den Ländern. Gibst du mir Rohstoffe jetzt und in Zukunft, geb ich dir Kredite, Waren und Bauwerke in Hülle und Fülle. Die hintersten Winkel von Afrika sind heute schon voll von billigem chinesischem Ramsch. Unsere Industrien aber brauchen diese Rohstoffe genauso. Da stehen noch Verteilungskämpfe an!
Gut, China ist noch lange nicht so weit. Aber sie wachsten 10% jedes Jahr und gehören zu den Großen in Welthandel und Produktion.  Positiv ist, sie haben eine gezielte Politik, die Armut zu verringern. Ich kenne kein Land, das in 30 Jahren die extreme Armut von 50% auf 10% gesenkt hat so wie China. Bis 2020 wollen sie einen Basiswohlstand für alle erreicht haben. Ich hoffe, dass sie dabei nicht den gleichen Weg der Warenüberproduktion gehen, wie das bei uns der Fall ist. Bisher tun sie es, auch sie müssten ihre Strategien ändern und nachhaltig für das Wohl der Menschen produzieren.
Ich kann den Chinesen und allen Menschen in der 3. Welt nicht verübeln, dass sie davon träumen, wie wir zu leben. Wir müssen runter von unserem hohen Wachstumsross, die Ressourcen weltweit sind begrenzt, es drohen Verteilungskämpfe viel härterer Art. Ohne Wachstum steigen die Chancen, auch weltweit eine größere Gerechtigkeit zu erreichen.   

5. Wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst, müssten die Reichen mehr Steuern zahlen.
Ein staatliches Grundeinkommen wäre eine Möglichkeit, weniger und verteilte Arbeit zu finanzieren. Die Holländer machen das schon mit der Rente: jeder Staatsbürger, unabhängig davon, ob er jemals Beiträge einbezahlt hat, ob er Hausmann war oder Generaldirektorin, erhält eine Grundrente, die das Existenzminimum absichert. (Betriebliche Renten und private Absicherungen ergänzen das Modell). Ein Grundeinkommen würde viel kosten, besonders wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst. Der Staat müsste wohlhabenden Leuten mehr Geld abnehmen. Das Drittel der Reichen hat in den letzten Jahren extreme Einkommenssteigerungen erhalten, die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Aber an unserem Steueraufkommen nehmen diese Leute noch immer unterdurchschnittlich teil, sie haben genügend Schlupflöcher. Das gäbe natürlich Knatsch mit den Regierenden und diese Probleme versuchen Politiker zu vermeiden. Ohne Wachstum aber gäbe es dringenden Handlungsbedarf. Gerechter ginge es dann in unserer Gesellschaft zu. Und mit höherer Gerechtigkeit in einer Gesellschaft, so sagen es die Glücksforscher, steigt die Zufriedenheit und das Glück aller Beteiligten.

6. Wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst, wäre dann noch Kapitalismus möglich?
Kaum, zumindest so nicht, wie er heute existiert. Ich weiß, es wird schwierig, den Kapitalismus umzubauen. Das System ist auf Gewinnmaximierung ausgelegt, auf Verdrängung von Konkurrenten, auf größtmöglichem Wachstum gegründet. Das ist systeminhärent, nicht, weil die ausführenden Menschen gut oder böse sind. "Bei Strafe des Untergangs" müssen sie so handeln, hat Marx festgestellt. Aus einem Bullterrier wird nicht einfach ein Schoßhund. Aber: es hat schon mal einen anderen Kapitalismus gegeben in Deutschland, er nannte sich "Soziale Marktwirtschaft". Einer der Vorgänger unseres 25% Gewinnmargen Zockers Ackermann hieß Hermann Josef Abs. Er war Vorstandsvorsitzender und später Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank und zeitweise der mächtigste Mann in unserem Land. Für diesen Erzkapitalisten war es unabdingbar, dass alle in der Gesellschaft, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber, am erwirtschafteten Reichtum zu beteiligen seien. Jeder an seinem Platz, klar, aber jeder mit einem Anspruch. Sozialer Ausgleich, Spannungsabbau war Maxime des Erhardtschen Modells. Diese Wirtschaftsform hat man aufgegeben, sie ist einem Turbokapitalismus gewichen, der Raffgier prämiert. Warum wir das nicht wieder ändern können Richtung größerer sozialer Ausgewogenheit will mir nicht in den Kopf. Wenn man dem Kapitalismus andere Gesichter geben kann, warum dann nicht auch das oben skizzierte?

Egal ob Arbeitszeitverkürzung oder Grundeinkommen, die theoretischen Konzepte liegen vor, man muss sie nur anwenden. Man braucht allerdings Mut. Es geht, rein theoretisch, auch ohne Wirtschaftswachstum. Die Konsumenten brauchen es nicht, und die Arbeitsgesellschaft ließe sich verändern. Es wäre die größte politische Anstrengung in der Geschichte der Bundesrepublik, aber es wäre möglich. Das Land könnte schon damit zurechtkommen, wenn Opel nicht von Jahr zu Jahr mehr Autos verkauft.

PS: Spiegel-Headline vom 5.6.09
Das Bruttoinlandsprodukt wird 2009 in Deutschland um 6,2 Prozent sinken. Das sagt die Bundesbank voraus. Ihre Prognose fällt damit noch schlechter aus als die Vorhersagen von Regierung und führenden Wirtschaftsforschungsinstituten. Auch Ökonomen rechnen mit jahrelangen Folgen der Krise.

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Monday, 8. june 2009 1 08 /06 /Juni /2009 13:56

Heute Morgen in einem Kommentar gehört: "Für die SPD war die Europawahl eine schallende Ohrfeige und das, weil der großmäulige Steinbrück Milliarden in marode Firmen steckt". Ist das Publikum doch nicht so dumm? Meine These, das wir Opel nicht brauchen, dass einzig auf Arbeitsplätze geschaut wird und nicht auf Inhalte, was denn da produziert wird, dass Opel - genauso wie Arcandor mit Karstadt - schon vor der Krise schlecht gewirtschaftet hatte, dass schlussendlich die Behauptung, wir bräuchte Wachstum mal überprüft werden muss (siehe: Was wäre ohne Wirtschaftswachstum? ), die These muss weiter verbreitet werden. Und wenn die Wähler die SPD ab strafen, weil sie genau das tut, Arbeitsplätze erhalten zu wollen ohne Sinn und Verstand, dann ist da Hoffnung, dass sich erste Anzeichen von Umdenken in den Köpfen einnisten. Manfred schreibt dazu in seinem Kommentar: "Noch ein Gedanke: Umsteuern muss in den Köpfen beginnen....auch in den Köpfen der kleinen Leute... ich befürchte, hier hat das süße Gift des Kapitalismus auch schon großes Unheil angerichtet...eine Abkehr von der Ideologie des momentanen Konsums hin zu einer Rückbesinnung/Neubesinnung auf lohnende Werte fällt schwer".


Er hat Recht, das Umsteuern muss in den Köpfen auch der kleinen Leute beginnen. Die Konsumgesellschaft ist zu verführerisch. Noch immer kriegen die politischen Vertreter dieses Systems die meisten Stimmen. Dass die FDP so zunimmt, ist mir unbegreiflich, befürchte, dass da der Wunsch, am Turbokapitalismus beteiligt zu werden, Privilegien zu erhaschen, geizig und gierig zu sein Vater des Gedankens ist. Auch die CDU ist nicht viel besser, nichts haben sie gelernt aus der Krise, Regelungen um die Gier einzuschränken sind nicht in Sicht. Von der SPD rede ich gar nicht. Die sind noch beknackter und wissen nicht, was sie tun. Stagnation auf Sozialdemokratisch: immer schön weiter im alten Trott. Der Wahlforscher prof. Walter zu den Gründen: "Die Sozialdemokraten waren in vielen Ländern ab Mitte der Neunzigerjahre im Aufschwung - damals mit der Neuen Mitte und rosa lackiertem Kapitalismus. Jetzt stehen sie vor dem Scherbenhaufen dieser Politik, mit der sie viele Wähler verloren haben. Sie haben ganze Bevölkerungsteile demobilisiert. Und sie haben sich selbst deartikuliert. Eine eigene sozialdemokratische Sprache und Vorstellung existiert nicht mehr".

Grün, scheint mir, ist die Hoffnung.


(Wer mehr über Karstadt/Quelle und den Ursachen des Niederganges wissen will, dem empfehl ich einen Artikel der sicher nicht als Systemkritisch verschrieenen Wirtschaftswoche: Die Todsünden von Arcandor)

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