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Sinnliches&Praktisches

Sunday, 26. october 2008 7 26 /10 /Okt. /2008 12:00
Anleitung zum Männlich-sein (gefunden beim gleichnamigen Buch von A. Lebert, S. Lebert)
- Männliches Schweigen zum richtigen Zeitpunkt ist eine hohe Kunst
- Frauen zuhören - ein Gewinn! Aber wehe zwengs Applaus heischen
- Anteilnahme ja, aber kein larmoyantes wir-Gefühl. Grenzen setzen statt verwischen.
- Es gibt Probleme, die nur in eigener Verantwortung zu lösen sind
- Vater und Sohn brauchen ein eigenes Terrain. Hier darf nicht jeder rein
- ganz wichtig ist dass der Vater und was der Vater an seinen Sohn weiter gibt. Einmalige Erlebnisse schaffen
- Natürlich muss 1 Mann Ängste aussprechen können, Zweifel, Unsicherheiten. Es gibt Situationen, in denen er Dinge mit sich selbst regelt.
  Weil seine Stärke gefragt.
- 1 Mann verharrt nicht in einer ihm unerträglichen Situation. Manchmal wichtig, Bedenken (nach Sicherheit, Zukunft etc) auszublenden.
- Es gibt nur ein Gesetz: Die eigene Lust
- Abenteuerreisen antreten (die Autoren meinen hier: nach innen; ich meine: generell)
- 1 Mann kann sich auch der Lächerlichkeit preis geben. Hauptsache er ist einmalig.
- Gefühle aus der Jugendzeit zu Vater und Mutter können eine Überforderung sein und müssen mal aufhören! Verletzungen nicht
  mit in Rente nehmen. Sich Herr seiner Geschichte machen. Das heißt auch, Fehler, Spannungen, Verletzungen einfach mal aushalten.
- Lernen, wie man sich vollständig auf eine Sache konzentriert (Schalter umlegen - wie die Sportler)
- NICHT: Mann muss weiblicher werden! Das Beste abschauen. Eigene Wege und Lösungen suchen und gehen
- ERNST, WÜRDE, DURCHHALTEVERMÖGEN sind gute männliche Eigenschaften. Versuche, Dinge mit Würde zu erledigen
- Zu dem Mann gehört das Gefühl: Da draußen wartet ein Leben: Mein Leben
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Saturday, 1. november 2008 6 01 /11 /Nov. /2008 13:22
Damals, als Napoleon halb Europa beherrschte und ach der große staatliche Schelderwald sein Eigentum war, brauchte er viel Geld, um sein großes Kriegsheer gegen Russland aufzustellen. So erschien eines Tages ein Bote Napoleons in dem Dorfe Lixfeld mit einem Schreiben: Da eure Gemarkung an meinen großen Schelderwald stößt und ihr meines Wissens arm an Wald seid, will ich euch den schönsten und größten Teil des Schelderwaldes, die ganze Angelburg, auf ewig und ungeteilt zum bleibenden Eigentum verschreiben, wenn ihr mir binnen drei Wo-chen dreihundert Gulden zahlt.

Der großherzogliche Beigeordnete Simson zu Lixfeld, damals noch dem Bürgermeister zu Frechenhausen untergeordnet, war über dieses Anerbieten höchst bestürzt und ließ die Ge-meinde zusammenrufen, um ihr weises Urteil zu hören.

“Nein”, sagte der alte Weiß, und klopfte seine Pfeife auf dem Boden der Gemeindestube aus und trat die Asche mit dem Fuß auseinander “ich, der ich dazumal im Siebenjährigen Kriege unter dem alten Fritz, dem Oberst Luckner und dem General von Wangenheim, die hier im Pfarrhause in Quartier lagen, den Weg nach Dillenburg zeigt, wo sie die Franzosen verhauten, ich bin nicht dafür, dass wir dem Napoleon, diesem Blutsauger, den Gefallen tun. Wenn der seine Soldaten nicht ernähren kann, mag er hingehen, wo er hergekommen ist, das ist viel besser für uns!”

“Ja”, sagte der alte Ortsdiener Becker, und dabei zitterten seine gelben Ringe in den Ohren, “mer weiß ja gar nicht, ob Napoleon auch Herrscher bleibt. Und wenn der Herzog von Nassau dem der Schelderwald früher gehörte, und wenn unser lieber Großherzog von Darmstadt wie-der Herr im Lande ist, dann wird wieder alles gemacht, wie es war, und wir sind um unser Geld! Deshalb bin ich nicht dafür.”

“Das ist das Schlimmste noch nicht!” rief Beckers Peter, der Kuhhirt. “Wenn wir auch den Wald wirklich behalten, was ich ja glaube, was sollen wir dann mit dem vielen Holze ma-chen? Die Bäume sind schon groß und werden mit jedem Tage stärker und größer, und wenn schließlich der Wald zuwächst, können wir von der Obrigkeit gezwungen werden, jedes Jahr so und so viele Bäume zu hauen. Und weil wir das Holz in unseren Öfen nicht alles verbren-nen können, müssen wir schließlich die Bäume auf unsere Viehweide in den Steinbach schleppen und da verbrennen; so geht unsere ganze schöne Weide auch noch kaputt, Kindes-kinder werden uns dann noch über diesen dummen Streiche verfluchen”.

”So ist es auch,” rief die ganze Gemeindeversammlung, und alle freuten sich, dass aus dem Kauf nichts wurde. Die Lixfelder aber und noch mehr als zwölf andere Gemeinden des Hin-terlandes kaufen heute jahraus, jahrein ihr Holz in der Angelburg und zahlen viel Tausende Gelder nach Oberscheld, und bei jeder Holzversteigerung hört man heute die Lixfelder sagen: “Dazumal, als Napoleon ... ja, dazumal, da konnten wir ... aber da....!”
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Wednesday, 12. november 2008 3 12 /11 /Nov. /2008 14:18
"Glaubt nicht bedingungslos den alten Manuskripten, glaubt überhaupt nicht an etwas, nur weil die Leute daran glauben - oder weil man es Euch seit Eurer Kindheit hat glauben lassen. Wendet an alles Euren Verstand und wenn Ihr es analysiert und für Euch und jeden anderen für gut befunden habt, dann könnt Ihr daran glauben, danach leben und Eurem Nächsten helfen, auch danach zu leben" (Buddha um 560-480 v. Chr.).

Es waren immer wieder die selben Geschichten. Opa vorneweg und die Anderen im Chor. Glauben war das Wichtigste auf der Welt. Im Kindergottesdienst gab es Bildchen, Lieder und Erzählungen. Wenn „Fott Onkel Heinrich“, kam (alle alten Männer waren Onkel) war es am schönsten. Auch er erzählte Geschichten von Jesus und aus dem alten Testament. Und zwar spannend! Aber dann kamen immer seine Geschichten aus dem 1. Weltkrieg, von seinem Pferd in den Schneewehen, das ihn sicher nach Hause brachte, von den wundersamen Errettungen, aus einem Leben voll von Abenteuern. Aus einer anderen Welt.

Opa war eher für die strenge Art. Der "schmale Weg" der Pilgrims war ein nicht hinterfragbares Dogma, das mich umfangen hielt wie eine Fessel. Es gab mehr Verbote als Erlaubtes, der Weg war mit Fallstricken weltlicher Freuden übersät. Zwei Mal mussten wir als Kinder sonntags in das Gotteshaus. Zum Kindergottesdienst und zum Gottesdienst. Später kamen der Chor am Sonntag Abend und in der Woche die Jugendstunden dazu, die Gebetsstunden, die Bibeltreffen. Manchmal wollten wir junge Leute anschließend noch zusammen sein. Das aber war schwierig. Wir wurden nicht gerne gesehen und lieber nach Hause verwiesen. Auch für Jugendliche war Beten und Arbeiten vorrangig. Und die Vermutung, wir hätten nur Dummheiten im Kopf war nicht falsch.

Einmal habe ich Sylvester eine Freundin nach Hause gebracht und sie geküsst. Es war der erste und süßeste Kuss meines Lebens. Leider gab es keine Wiederholung. Aber dieses Sylvester bleibt angenehm in meinen Erinnerungen. Ein anderes Mal habe ich alle Eier aus der Vorratskammer für die Gruppe gebraten. Keine Ahnung, wie die Eier schmeckten, aber es war ein Erlebnis. Mutter war nicht glücklich.

Ein fremder Prediger war zu Besuch bei Opa. Er brachte das Gespräch auf sündige Gedanken und Handlungen und bot sich an, mit mir zu reden. Alle mussten aus dem Zimmer und er setzte sich neben mich. Ernste Worte troffen ihm aus dem Mund, er wies mich an, ja meine Hände von mir zu lassen, die Sünde sei entsetzlich. Und kam zu Einzelheiten und näher. Seine Hand umfasste meinen Oberschenkel, ein Gefühl von Wonne und Entsetzen erfasste mich und ich floh wie einst Josef in Ägypten vor der Frau des Potifar. Verwirrt wusste ich: der nicht, auch wenn es ein gutes Gefühl war. Aber warum war es verboten wenn es sogar von einem Prediger gemacht wird? Nie habe ich das erzählt.

Viel Gefahr durch das weibliche Geschlecht drohte mir nicht. Ich hatte Pickel wie ein Streuselkuchen. Mein ohnehin geringes Selbstbewusstsein sank ins Bodenlose. Mutter half nach und vertrieb die erste Freundin mit ihrer Clique vom Hof. Pickel, Fundamentalismus und Lerneifer halfen, langjährige Erfahrungen zu sammeln. Ich entging der allgemeinen schnellen Heirat auf dem Dorf. Im Nachhinein danke ich Mutter. Die Freundin war Metzgertochter im Nachbardorf. Ich hatte nicht berücksichtigt, dass ein Metzgerschwiegersohn Verpflichtungen hat. Nur die neuen Freuden gesehen.

Bis zum 15. Lebensjahr war ich noch nie im Kino. Das Vergnügen war weltlich und streng untersagt. Die Gruppe, die mich ab und an akzeptierte - ich durfte ja nichts - machte mich heiß. Von Liane, dem Mädchen aus dem Urwald, hatte ich gehört. Nackte Brüste sollte es da zu sehen geben. Wasser stand mir im Mund und ich ging mit ins Nachbardorf. Da wurde es schwierig. Sah mich jemand, der mich kannte - und als Opas Enkel war ich bekannt - war es um mein Heil geschehen. Den langen Gang huschte ich abgewandt runter und da war sie, die halb-nackte Marion Michael. Eine Wonne! So also sahen Frauen ohne Kleider aus! Und nach dem Kino ging es weiter mit den Freuden. Ein Mädchen war in der Gruppe übrig und ging mit mir. Es war kaum zu glauben: die Sünde wurde auch noch belohnt! In einem Trichter in der Nähe des Waldes knutschten wir. Das war’s! Ich wollte nie mehr aufhören. Bis meine Mutter sie vom Hofe wies. Den inquisitorischen Fragen zu Hause konnte ich nur angstvoll und mit einer halben Lüge begegnen. Ich war ja wirklich im Wald gewesen.

Rauchen war auch verboten. Wir probierten es mit Zeitungspapier und dürren Blättern. Bis die Amis kamen. Eine Gruppe hatte ihr Manöverlager auf dem Fußballplatz im Nachbardorf aufgeschlagen. Wir wanderten hin. Bei meinem ersten Versuch Jahre vorher hatte ich von einem Panzerfahrer ein Päckchen ergattert. Statt Schokolade war nur ein Brühwürfel drin. Der schmeckte eklig. Und jetzt bekamen wir Zigaretten! Wir pafften und mir wurde schlecht. Zu Hause musste ich beichten, woher die Übelkeit kam. Sie sahen sie als gebotene Strafe an. Ich hatte mehr erwartet.

Glauben war freiwillig und eine Entscheidung im Erwachsenenleben - eine Entscheidung zum Christentum, die ich bis heute gut finde. Das hinderte niemand daran, Kinder ebenfalls aufzurufen, gläubig zu werden. Glauben war nicht kopfgesteuert sondern ein mystisches Erlebnis. Während einer Evangelisationswoche mit geballter Indoktrination hatte ich dieses Erlebnis. Es war schön. Zu wissen, dass ich meinen Eltern und Großeltern, ja der ganzen Gemeinde Freude bereitete, vertiefte das Gefühl. Leider hat es den Alltagswirren nicht lange stand gehalten. Opas Weg war zu schwer.

Gloria war die Tochter eines reisenden Zeltevangelisten aus Kanada. Die Großveranstaltungen waren voll und Bekehrungen bei getragener Musik regelmäßig. Alle bewunderten die Gruppe und ich lernte tatsächlich die Tochter kennen. Wir gingen zusammen so wie sich das gehörte. Ob ich Gloria geküsst habe, weiß ich nicht mehr, wahrscheinlich nicht. Eine neue Perspektive tat sich auf. Nach Lörrach, dem Standort der Familie, wurde ich eingeladen, für mich der Ausdruck einer ernsten Verpflichtung. Der Besuch war fremd und spannend. Berühmt zu werden wie der Vater lag nahe. Aber auch diese Chance, ein vorbildlicher Christ zu werden, verging.

Im Dorf war es einfach. Da gab es die Weltlichen und die Bekehrten. Beide Gruppen lebten getrennt und verschieden. Die Einen gingen ins Wirtshaus, soffen, tanzten, stritten, hurten, lebten, wenn sie konnten, in Saus und Braus. Wenigstens wurde uns das so gesagt. Die anderen gingen in den Gottesdienst und versuchten sich an dem schmalen, entsagungsvollen aber christlichen Weg, der für sie zum ewigen Leben führt . Ich aber wollte mehr. Die "Twen" lesen, Jazz hören, dunkle Bars zogen mich an, Frauen waren ein aufregendes Rätsel, mit meiner Sexualität wusste ich nicht, wohin damit. Je mehr ich las umso mehr rückten andere Lebenskonzepte in meinen Blickpunkt. Es war ein Spannungsfeld, in dem meine Bedürfnisse und Wünsche wie Elektronen hin und her sausten und nach Entladung strebten.

Alles war anders in der Stadt. Sogar die Christen waren anders. Sie feierten Feste, tranken Alkohol, tanzten auch mal, hatten Freude. Ich beichtete meinem neuen, älteren Freund meine sündige Selbstbefriedigung und er lachte mich aus. Das mache ich heute noch, sagte er - der drei Kinder hatte (später hatte er 5). Und toppte sogar noch mit der Behauptung, einmal habe er es acht Mal hintereinander geschafft. Meine Verwirrung schwang von Entsetzen zu Erleichterung hin und her. Was war mit Opas Weg? Immer wieder zog mich etwas hinunter, wenn ich Erkenntnisse erlangte, die mein anvisiertes Lebenskonzept stützten.

Lange habe ich gebraucht, um die Botschaft entschlüsseln zu können. Eingebläute, eingebrannte Doktrinen arbeiten weiter im Hintergrund. Je mehr ich Wissen aufsaugte, um so mehr entkernte sich das Paradies und seine nachfolgenden Geschichten. Sie wurden zu Fabeln einer Zeit der verbalen Weitergabe von wichtigen Informationen. Der Beginn der Menschheit verlagerte sich auf Ostafrika und das Alte Testament verwandelte sich zum Geschichtsbuch eines kleinen, streitlustigen Völkchens in Vorderasien, der Juden. Jesus blieb ein wichtiger Mensch mit vielen zu beachtenden Aussagen. Leider verkümmert seine Botschaft der Nächstenliebe, der Toleranz, des bedürfnisarmen Lebens in den Kirchen zu Ritualen und Glaubenssätzen.

Spät wurde mir bewusst, dass der zentrale Glaubenssatz meiner Vorväter die Sühnenlehre vom Tod am Kreuz ist. Vergossenes Blut wäscht Sünden, so das Dogma. Der Glaube daran erlöst. Das war die dumpfe Forderung nach „Bekehrung“ die immer noch in mir wirkte und den Erkenntnissen der Aufklärung im Wege stand. Aber ich begriff und begreife es nicht, dass ein Opfer, ja sogar ein Menschenopfer sündenfrei machen soll. Ein einst heidnisches Ritual im „modernen“ Christentum als zentraler Bestandteil der Vergebung von Schuld? (was auch immer als Schuld ausgewiesen wird).

Vor kurzem habe ich gelesen, dass die Interpretation vom "Tod am Kreuz zur Vergebung der Schuld" höchst fragwürdig ist. Es erleichtert mich regelrecht, als ich erfahre, dass diese Lehre erst von Paulus verkündet und Anfang des 12. Jahrhunderts von einem Erzbischof in England ausformuliert wurde. Anselm von Canterbury, ein politisch ehrgeiziger italienischer Mönch und Kirchenvater hat sie in seiner Satisfaktionslehre erdacht. Über Luther ist sie zur Freien Evangelischen Gemeinde und mir gekommen. In der Bibel, so erfuhr ich, dominiert die Vergebung der Sünden durch den "Vater" ("Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern"). Auch die Botschaften Jesu verschieben sich nach dieser Interpretation auf aktive Handlunge. Der Aufruf zur Nachfolge, Nachahmung seines vorbildlichen Lebens steht dabei im Mittelpunkt. (Wer mehr und auch noch literarisch gut verpackt erfahren möchte über das, was zum Kreuzestod in der Bibel steht und was nicht, dem empfehle ich T´Hart: „Der Flieger“).

Mich hat diese Erkenntnis beruhigt. Der Druck lässt nach. Der Glaubenskontext meiner Vorväter ordnet sich ein als ein Versuch, Gott anders und näher zu kommen. Das hat sie ihren eigenen „schmalen“ Weg definieren und gehen lassen. Sie waren stimmig, diese Männer und Frauen. Denn sie gaben viel an Freuden auf um sicher zu sein als Ausgewählte. Heute ist das alles anders. Die jungen Leute der Gemeinde leben genau so wie ihresgleichen die nicht dazu gehören. Sie tanzen, singen, trinken, gehen ins Kino und Fernsehen ist selbstverständlich. Vorehelicher Geschlechtsverkehr und Scheidung ist natürlich noch immer verboten, aber sie freuen sich ihres Lebens. Das ist gut so. In einem sind sie noch immer konsequent: in ihrem Glauben an ihre Errettung, dem Umgang mit Gott, der mehr zu einem Kumpel geworden ist, dem alles gesagt werden kann und der hilft und sie unterscheiden sich mit ihren selbstverständlichen und umfassend sozialen Taten. Das ist schön, aber nicht mehr Opas "schmaler" Weg.

Ich habe meinen eigenen Weg gefunden. Der war und ist spannend, aufregend, manchmal extensiv aber befriedigend. Meine einzige Sorge ist, nicht alle Möglichkeiten des Genusses ausgekostet zu haben. Mein Gott lässt das zu. Er ist nicht mehr der allgegenwärtige Vater, eher eine Kraft, Macht, die über allem steht. Albert Einstein hat dieses Verständnis exakt ausgedrückt und damit schließe ich:

 „Jene mit tiefem Gefühl verbundene Überzeugung von einer überlegenen Vernunft die sich in der erfahrbaren Welt offenbart, bildet meinen Gottesbegriff; man kann ihn also in der üblichen Ausdrucksweise als „pantheistisch (Spinoza) bezeichnen. Konfessionelle Traditionen kann ich nur historisch und psychologisch betrachten; ich habe zu ihnen keine andere Beziehung. ... Meine Religiosität besteht in einer demütigen Bewunderung des unendliche überlegenen Geistes, der sich in dem wenigen offenbart, was wir mit unseres schwachen und hinfälligen Vernunft von der Wirklichkeit zu erkennen vermögen. Moral ist eine höchst wichtige Sache, aber für uns, nicht für Gott“
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Wednesday, 12. november 2008 3 12 /11 /Nov. /2008 17:54
Endlich einer der mir Shakespeare erklärt!!! Wer? Na Schwanitz (Friede sei mit ihm), wer sonst. Mir scheint, er lebte, aß und trank mit diesem größten aller englischen Dichter, wer immer er auch gewesen sei. Schwanitz öffnet die Schatulle der Vergangenheit, öffnet ein Welt des Denkens und des Handelns, die uns fremd ist. Parallelen, Anspielungen, Zweideutigkeiten, die den Menschen der damaligen Zeit präsent waren werden sichtbar und nachvollziehbar.

Was ist und wer war Hamlet? Wikipedia schreibt dazu: Hamlet, Prinz von Dänemark (engl. The Tragedy of Hamlet, Prince of Denmark) ist eine der bekanntesten und meistaufgeführten Tragödien von William Shakespeare. Neben Sätzen wie Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage (To be, or not to be: that is the question), sind auch andere Zitate und Sprichwörter, wie: Etwas ist faul im Staate Dänemark (Something is rotten in the state of Denmark) weit bekannt.

Gespielt wird, so Schwanitz, Theater im Theater über reale politische Verwerfungen. Der dänische Prinz im Theater spiegelt eine politisch in Schieflage geratene Welt der Engländer um 1600. Nicht geklärt ist die Thronfolge der großen Königin Elisabeth. James von Schottland ist der designierte Nachfolger. Wie Hamlet ist James Protestant und hat katholische Eltern: Maria Stuart und Darnley Stuart. Und wie Hamlets Mutter heiratet auch James Mutter den Mörder ihres Mannes und ihren Geliebten. Der "Ajatollah aus Rom", Gegenspieler der neuen englisch-anglikanische Kirche, mischt machiavellisch mit, er will seine Macht zurück und unterstützt sogar seine "Jünger des Terrorimus". Die Schotten wollen ran an die Macht und die englischen Lords üben sich in Hofgebaren des verdeckten Spiels. Wo sie früher in das Kleid der Nachbarin schnäuzten und sie bestiegen wann immer ihnen danach war, müssen sie sich am Hof nun in Gunst erwerben üben, verstellen und Intrigen anzetteln.

Und dann der Volksglaube an die Parallelwelt der Geister, genährt vom Glauben an das Fegefeuer des Katholizismus. Da existieren Menschen weiter, können kontaktiert und gegen Zahlung horrender Summen kann ihnen die Zeit des Feuers abgekürzt, beendet werden. 100 Jahre Verkürzung = 1 Bauernhof. Ein Rittergut und der Himmel ist für den Verstorbenen offen. Das alles spielt in Hamlet mit. Der Geist von Hamlets Vaters ist lebendig und erscheint natürlich auch.

"Spiegeln" ist ein Schlüsselbegriff bei Shakespeare. Das Theater gleicht einem Spiegel der Wirklichkeit. "Das Weltmodell der Elisabethaner war theatralisch. Das Theater setzte die Verdoppelung der Welt fort. Auf der Bühne werden die Schauspieler zu unseren Zwillingen". Das Stück spiegelt die Wirklichkeit der damaligen politischen Welt in England. Und in dem Stück wird nochmals die Spiegelung verdoppelt durch die Beobachtung der Beobachter. Die Zuschauer beobachten Spieler die ein Stück im Stück spielen. "Das ist" schwelgt Schwanitz "die Ästhetik der Verdoppelung, die wir bei Shakespeare so häufig finden". Das soll einer ohne Anleitung verstehen. Gefällt es mir? Ach, ich weiss nicht. Sprechblasen überall und listige Manöver und Bezüge die wir nicht verstehen. Ist halt Weltliteratur. Sollte man was von kennen. Gelle?

Den Wendepunkt erreicht die Geschichte mit dem Schauspiel im Schauspiel. Hamlet lässt eine Truppe reale Rollen spiegeln und den Mord an dem alten König, seinem Vater, simulieren. Der neue König, sein Onkel, hat seinen Bruder umgebracht um selber König zu werden und seine, Hamlets Mutter geheiratet. Hamlet ist die Thronfolge (vorerst) genommen. Hier kommt Sex in´s Spiel weil Liebe es kaum in so kurzer Zeit gewesen sein kann - meint Hamlet. Und schildert in üppigster Phantasie das Buhlenlager, das dreckige.

Die Reaktion des Onkel-Königs zeigt Hamlet, dass er Recht hatte.  Jetzt muss er selbst den Onkel umbringen um seinen Vater, seine Ehre und das Königreich zu retten. Aber nichts passiert erst mal, Hamlet schwafelt weiter in Metaphern, die erklärt werden müssen. Nun ja, ich nehme an, irgendwann schafft er es doch noch des Stückes (bin beim 3. Akt) und wahrscheinlich wird er in dem ganzen Prozess verrückt. Dann wär die Moral gerettet. Ich werde weiter lesen, eigentlich hab ich genug.

Was ich lehrreich finde ist der Umgang mit dem Tod. Shakespeare lässt Hamlet ein Traktat von Montaigne lesen - nimm Schwanitz an, auf der Bühne liest der einfach was tiefsinniges. Montaigne empfiehlt, sich den Tod in vielen Formen vorzustellen, um sich an ihn zu gewöhnen.  "Denn wer zu sterben versteht, den drückt kein Dienst mehr." "Nichts ist schlimm im Leben für den, der begriffen hat, dass es kein Unglück ist, nicht mehr zu leben. Wozu zurückweichen, wo man doch nicht endgültig ausweichen kann?" Der autonome Mensch weiß, wie er das ihm anvertraute Lebenskapital verwaltet hat, und deshalb weiß er auch, wann es Zeit ist zu sterben. Und dann schreibt Schwanitz weiter, dass im Übergang zur Neuzeit der Tod schrecklicher geworden sei. "Im Mittelalter war der Tod eine Art von Abschnitt im Lebensprogramm, auf den man sich vorbereitete". In der Renaissance habe sich die Haltung zum Tod verändert. Er wird stärker individualisiert.
Den Tod als Teil des Lebens zu verstehen, da liegt eine Schnittstelle nach Afrika. Ich denke, wir müssen wieder von der Individualisierung des Todes weg. Inhaltlich und formal.

Im Umgang mit dem Tod liegt auch die Auflösung des Rätsel (für uns heutige), was der Totenschädel in der Geschichte soll. Die haben, so verstehe ich das, damals gedacht, der Leichnam, das Gerippe, der Schädel versinnbildliche gleichzeitig sein Gegenstück, nämlich ein erhöhtes Bewusstsein der eigenen Lebensfreude.  Deshalb hantiert Hamlet mit dem Schädel rum. Seines Vaters seinem. Au weia. Isch waas net. OK, als Geschichte über eine vergangene Welt mag es gut sein. Aber warum so blumig? Überall noch was tieferes. Gings nicht ein wenig einfacher?

Jetzt les ich fertig und dann wars das mit Hamlet.

Nachsatz: da lag ich ziemlich daneben mit meiner Fantasie, wie´s zu Ende geht. Es wird ziemlich wirr. Aus Wikipedia:

Claudius und Laertes, der sich für den Tod seines Vaters rächen will, haben indes einen Plan geschmiedet: Laertes fordert Hamlet zum Duell – angeblich, um mit stumpfen Waffen gefahrlos die Kräfte zu messen. Tatsächlich soll aber Laertes’ Degen nicht nur gespitzt, sondern auch mit Gift bespritzt sein. Zur Sicherheit hält Claudius (Onkel-König) obendrein eine giftige Perle bereit, mit der er einen Erfrischungstrunk für Hamlet präparieren kann. Beim Duell wird zunächst Hamlet mit dem giftigen Degen verletzt, Gertrude (Mutter) trinkt ahnungslos aus dem vergifteten Kelch auf das Wohl ihres Sohnes, Laertes und Hamlet tauschen im Eifer des Gefechts die Waffen, Laertes wird verletzt und so Opfer der eigenen Intrige. Sterbend offenbart er dem Kontrahenten das Komplott; Hamlet, seines Todes sicher, ersticht seinen Onkel und flößt ihm den Rest des vergifteten Weins ein, bevor er selber stirbt. Seine letzten Worte sind: "The rest is silence." (V.2.310). Mein ich auch und geb Ruhe.

Tage danach: Er lässt mich nicht los, dieser Shakespeare. Gleichzeitig groß, schön und bewundernswert seine Sentenzen und doch so schwer zu verstehen in ihrer Tiefe und Doppeldeutigkeit. Ein Beispiel:

"Wo ist Polonius?" fragt der König. "Beim Essen" sagt Hamlet, "aber nicht, wo er isst sondern wo er gegessen wird. Eine Versammlung politischer Würmer ist gerade dabei." Diet heißt Mahlzeit, aber auchStändeversammlung, und daraus wird dann die diet of worms, und das heißt soviel wie die Mahlzeit der Würmer, aber auch der Reichstag zu Worms. Und damit wird es zur Kritik am Papst. "Wir ernähren uns für ihn" interpretiert Schwanitz Shakespeare, "und sowohl ein fetter König als auch ein magerer Bettler sind nur Mahlzeiten für seinen Tisch."

Irre, mit einer kleinen Sequenz soviel auszudrücken.

Das Buch heißt übrigens:
Dieter Schwanotz: Shakespeares Hamlet - und alles, was ihn für uns zum kulturellen Gedächtnis macht 
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Saturday, 22. november 2008 6 22 /11 /Nov. /2008 14:00

Hey Jan!
Wir haben uns neulich darüber unterhalten, dass der Computer nur Zahlen verstehen kann. Deshalb wird, wenn wir z.B. ein A auf der Tastatur eingeben, der Computer mit der Zahl 65 gespeist. Warum 65? Weil man sich auf den so genannten ascii-code geeinigt hat, der genau festlegt, welcher Buchstabe und welches Zeichen welcher Zahl zugeordnet ist. Du kannst das zusammen mit der Alt-Taste ausprobieren. Alt-94 wird dann zu @ und Alt-97 zum kleinen a. (Du hast Recht, der Computer kann eigentlich nur Binäre Zeichen verarbeiten, also 1 oder 0. Licht an oder Licht aus. Die Verbindung zwischen Zahl und Binärcode ist ebenso festgelegt. A hat den Code (0)100000. Wenn unser PC diese binäre Zahlenfolge mitkriegt, schreit er "A".  

Das mit den Zahlen geht weiter, ist eigentlich überall dahinter, wenn wir am PC was machen. Zum Beispiel Bilder. Kennst Du diese Ausmalbilder die in Felder unterteilt sind und darin stehen Zahlen? Jede Zahl steht für eine Farbe. Nimmt man die richtigen Farben, ist das Bild hinterher bunt. Genauso macht es der Computer wenn er ein Bild darstellt. Vergrößere mal ein Bild immer weiter mit einem Bildprogramm. Auf ein Mal zerfließen die Farben und dann kommen kleine Flächen zum Vorschein. In einem Bild sind das Millionen und Abermillionen. Jede kleinste Fläche hat ihre eigene Farbe und die Farbe hat eine Nummer. Der Computer merkt sich die Nummer und stellt so das Bild immer wieder exakt genau dar. Das kann ein Kopierer nicht. Da wird jede Kopie immer ein wenig blasser als die vorherige.

So, das wollte ich noch hinzufügen zu unserem Computernachmittag. 

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Tuesday, 30. december 2008 2 30 /12 /Dez. /2008 18:02
Von Lukas habe ich ein Buch zu Weihnachten bekommen. "Platon und das Schnabeltier gehen in eine Bar... Philosophie verstehen durch Witze." (Von T. Catchart & D. Klein, erschienen bei Riemann). Auf die Idee können nur Angelsachsen kommen. Das muss man sich mal vorstellen: die für Deutsche ernsteste Wissenschaft durch den Kakao gezogen erklärt. Erst erklären sie die Theorie

Induktive Logik ist, wenn vom Allgemeinen auf das Besondere geschlossen wird und daraus eine Theorie abgeleitet werden kann.
Zur Vertiefung der öden Theorie folgt ein Witz:
"Holmes und Watson gehen zelten. Mitten in der Nacht wacht Holmes auf. Er schaut sich um, setzt sich auf und rüttelt Dr. Watson wach.
"Watson" sagt er, "blicken sie nach oben in den Himmel und sagen sie mir, was Sie sehen."
"Ich sehe zahllose Sterne", sagt Watson.
"Und was schließen Sie daraus Watson?"
Watson denkt eine Weile nach. "Nun", beginnt er schließlich, "als Astronom schließe ich daraus auf die Existenz vieler Millionen Galaxien und potentiell vieler Milliarden Planeten. Als Astrologe sehe ich, dass der Saturn im Löwen steht, und als Horologe kann ich Ihnen sagen, dass es gegen Viertel nah drei ist. Als Meteorologe wage ich die Prognose, das morgen ein schöner Tag sein wird. Als Theologe sagt mir der Anblick, dass Gott allmächtig und wir klein und unbedeutend sind. Und Sie, was schließen Sie daraus, Holmes?"
"Dass jemand uns das Zelt geklaut hat, sie Idiot."

Ich schließe daraus, dass es eine nahe liegende und eine ferner liegende induktive Logik gibt.

Oder die Erklärung zur Philosophie die Teleologie genannt wird. Sie beschäftigt sich auch damit, ob das Leben einen Sinn (Telos) hat. "Aristoteles", so die Autoren, "war davon überzeugt. für ihn bestand der Endzweck des menschlichen Lebens in der Erreichung der Glückseligkeit.... Sieben Jahrhunderte später postuliert zum Beispiel Augustinus die Liebe zu Gott als Telos des menschlichen Lebens. Und für einen Existenzialisten des 20 Jahrhunderts wie Martin Heidegger liegt das Telos des Menschen darin, sein Leben ohne Verleugnung der wahren Bedingungen des Menschseins und insbesondere des Todes zu führen. Glückseligkeit? Wie oberflächlich und banal! "
Jetzt die einfachere Erläuterung zur Frage ob banales Glück oder viel tiefere Gründe unsere Sinn-Bestimmung ausmachen:

"Ein Sinnsuchender  hört, dass der weiseste Guru von Indien auf der Spitze des höchsten Berges des Landes lebt. So wandert der Suchende viele Tage und Wochen, bis er schließlich vor dem sagenumwobenen Berg steht. Der Berg ist unglaublich steil, und mehr als einmal verliert er den Halt und fällt. Als er endlich die Spitze erreicht, ist er am ganzen Körper zerschunden und zerschlagen, aber das spürt er kaum, denn da sitzt vor ihm der Guru mit übereinander geschlagenen Beinen vor seiner Höhle.
"Oh weiser Guru", ruft der Suchende, "ich bin den ganzen Weg zu dir gekommen, um nach dem Geheimnis des Lebens zu fragen."
"Ach ja, das Geheimnis des Lebens", erwidert der Guru. "Das Geheimnis des Lebens ist eine Teetasse."
"Eine Teetasse? Ich habe mich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens den ganzen Weg hier herauf gemüht, und du sagst mir, der Sinn des Lebens sei eine Teetasse?"
Der Guru zuckt die Achseln. "Nun ja, vielleicht ist er ja auch keine Teetasse."

So weit bin ich auch schon. Es macht mir Spass, für schwierige Sachfragen so elegante Erklärungen zu kriegen. Danke Lukas!
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Thursday, 8. january 2009 4 08 /01 /Jan. /2009 19:57

"Sobald ich mein Ende herannahen fühle, werde ich mich gleich dem Tier in das dichteste Gebüsch verkriechen, wohin mir niemand zu folgen vermag. Und hier will ich dann in Andacht und Ehrfurcht das unendliche Wissen erwarten und lautlos verrecken und still und schweigend hinübergehen zu der großen Einheit von der ich gekommen bin."

Das hat B. Traven  50 Jahre vor seinem Tod in seinem "Ziegelbrenner" geschrieben. Als es dann so weit war, klang das anders:

"Diese Welt mit all ihren Problemen, Enttäuschungen, Schmerzen, unwillkommenen Ereignissen, gelegentlichen Hagelstürmen ist alles in allem immer noch zu schön um sie zu verlassen, sogar wenn du krank bist, des Lebens müde oder nahe an einem hoffnungslosen Ende. Halte durch. Kämpfe weiter, gib nicht auf. Spucke dem Tod ins Gesicht und dreh dich um."

Das waren seine letzten Zeilen. 

In Würde sterben möchte ich, aber es scheint schwer zu sein, sich zu verabschieden. 

Buddha empfiehlt, sich beständig seiner Sterblichkeit zu erinnern um ein intensiveres Lebensgefühl zu gewinnen. Sein Vorschlag ist, über die Frage zu meditieren: "Da einzig der Tod  gewiss, der Zeitpunkt des Todes aber ungewiss ist - was soll ich da tun?" Es ist so wahr, alles kann passieren, ständig. So oft ich eine Straße überquere, eine Reise antrete, eine Treppe hinunter gehe, riskiere ich mein Leben. Ich aber verdrängen den Gedanken. Stürze mich in Aktivitäten, deren Relevanz sich verschiebt, wenn klar wäre, dass Sterben in der nächsten Sekunde möglich ist. Wie viel von dem was ich tue ist Verschieben von dem, was ich <eigentlich> tun möchte? Wenn Klarheit herrscht, dass ich nicht über meine Zeit bestimmen kann, dass Morgen schon zu spät sein kann, dann lebe ich heute bewusster. Wir nehmen das Leben als selbstverständlich und nehmen es meist nicht wahr. 

Einschub: Interessant finde ich, dass dieser Gedanke des intensiver Leben durch Todes-Bewusstsein auch in unseren westlichen Philosophien Fuß gefasst hat. Der Existenzialismus (Sartre & Co) hat als eine Prämisse, sich des Todes bewusst werden um authentischer zu leben. Und Heidegger stellt sogar das Bewusstsein des Todes mitten im Leben in das Zentrum seiner Überlegungen. Vielleicht war er Buddhist?

Könnte hier auch die Erklärung liegen, warum Leben in Afrika bewusster, ruhiger, würdevoller ist? Die Nähe des Todes ist präsent, die Möglichkeit des Sterbens gehört zum Leben (siehe: Leben näher an Gefahren). Leben in Deutschland dagegen scheint mir der Versuch, Gefahren zu reduzieren, Risiken zu minimieren, möglichst den Tod zu eliminieren. Und erreichen, dass wir unbewusster leben und nicht sterben lernen. 

(PS: das mit den Philosophen entspringt Büchern wie "Platon und das Schnabeltier". Der Witz geht übrigens so. Platon kommt in eine Bar und hat ein Schnabeltier als Begleiterin. Sagt der Barmann: "Die ist aber hässlich". Sagt Platon: "Stimmt, aber in der Höhle sah sie besser aus". Das mit Platons Höhle erklärt Wikipedia besser).

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Thursday, 15. january 2009 4 15 /01 /Jan. /2009 13:41
"Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird"
(C. Morgenstern)
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Monday, 19. january 2009 1 19 /01 /Jan. /2009 19:48
"Doo beschwien the sich als" sagt Mutter "on winnse Änneronge on wiehn the nit"
Für des Hommertshäuser Platt nicht mächtige, hier die Übersetzung:
"Da beschweren sie sich dauernd" sagt Mutter "und wollen Änderungen und wählen sie nicht"

Mutter erstaunt mich immer mehr mit ihrem Durchblick
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Wednesday, 21. january 2009 3 21 /01 /Jan. /2009 09:59
"Erst wenn der letzt Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann"

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