Der Count Down begann und mit ihm all die Auflösungserscheinungen, wenn man Zelte abbricht. Wir wollten nicht gehen aber wir mussten, selten lässt eine Entwicklungshilfe-Organisation ihre Mitarbeiter länger als 5 Jahre in einem Land. Sie sagen, sie hätten Angst vor der Verbuschung ihrer Fachleute, ich denke, sie haben Bedenken ob der Hausmacht, die lange Erfahrung und eingefahrene Kontakte mit sich bringt. Wie auch immer, wir mussten Abschied nehmen und das fiel uns verdammt schwer. Frank […]
Routine verzeichnet mein Bürotagebuch, mit Erstaunen lese ich: 5:45 Beginn, wohl nicht alle Tage, aber viel gearbeitet habe ich, die Hälfte der Zeit im Büro, die andere Hälfte Dienstreisen, Projektbesuche, Evaluierungen, Kontakte im ganzen Land. Ruhe war eingekehrt in dieses anfangs so unruhige Programm, nun konzentriert um technisch-handwerkliche Ausbildung mit solchem Erfolg, dass das Ministerium Mitarbeit eröffnete, allgemein gültige Lehrpläne zu entwickeln. Sicher, die Landwirte gab es […]
Da legte uns der Kerl in unserem letzten Jahr doch noch einen ins Nest. Viel Exotisches hatten wir schon erlebt, einen Militärputsch noch nicht. In der Nacht schon hatten wir Schüsse gehört, am Morgen sahen wir von unserem Fenster mit Blick schräg hinunter auf das Flugfeld Gestalten in grüner Kampfuniform über das Feld hetzen, regierungstreue Heereseinheiten mit Panzer und Flak den Flughafen umstellen, Salven knattern, Vargas, ein junger hau drauf Offizier, jüngster General und […]
Mo/Di 9. und 10.3. Mindo Freund Pidder, der Weltreisende, nach 10 Jahren in allen Kontinenten hat er sich auf dem für ihn schönsten Platz der Welt sein Traumhaus gebaut. Verglast, im indonesischen Stil, steht es mitten im tropischem Grün auf einem Felsvorsprung mit Sicht über bewaldete Hügel und Täler bis fast an die Küste. In einer Schlucht neben dem Haus, schmal und tief, liegt Pidders Wasserstelle mitten im großblättrigen grünen Gewirr, asiatisch inspiriert schießt ein kleiner Wasserfall […]
Mo. 9.2. Quito Büro Obwohl Sonntag spät von La Tola zurück, zwingt die Arbeit um 6.30 ins Büro, Planungsvorlage, Antrag Filmfinanzierung (der wird schlussendlich bewilligt), Büroversammlung, Wagen in die Werkstatt - erst abends um 6.00 bin ich wieder zu Hause. Und KO. Di 10.2. Nach Puyo Puyo liegt südöstlich in der Senke zum Amazonas, am Beginn des Urwalds. Wir müssen über die Anden südlich, dann runter durch den Regenwald. Die Strecke wüst, unbefestigt, an steilen Berghängen entlang. […]
Klappern gehörte zum Geschäft. Entwicklungspolitik muss verkauft werden, die Schandtat von goldenen Wasserhähnen geistert noch immer durch die Köpfe in Deutschland. Erschreckend, wie trotz der Medienvielfalt Nicht- und Halbwissen dominiert. Die Reportage im „Stern“ schien ein guter Anfang, in Deutschland über den DED Ecuador zu informieren. Sie wurde nicht so, wie wir es erhofft und informiert hatten, oberflächlicher, aber sie zeigte ein paar gute Bilder von Land, Leuten und […]
Teil II M lernte Kinder zu impfen und Mütter auf zu klären bei einer Gesundheitskampagne von Edith, den Fluss weiter hinauf, dort wo sonst niemand hin kam. Auch hier wieder die Gemeinschaft der Frauen, das Anstehen in der Warteschlange nutzend um miteinander zu reden, sich zu freuen, es wurde was für sie getan. Sie lernte, eine Bisswunde zu heilen: dem Hund wurden Haare abgeschnitten, die verbrannte Asche in die Wunde gerieben. Später sagte ihr ein Arzt, die Haare müssten nicht vom […]
Ricaurte kann man nicht als Dorf bezeichnen, diese vergessene Ansammlung von windschiefen Hütten und Verschlägen im Urwald an der Grenze zu Kolumbien. Schwarze Menschen leben hier, ein Gerücht will wissen, ihre Vorfahren, Sklaven, hätten ihr Schiff gekapert, sich befreit und seien in dieses unwegsame Gebiet geflohen. Geholfen haben sie Holzfirmen, den Urwald zu roden, der als Sekundärurwald nachwuchs, sie selbst aber um die Einnahme- und Lebensquelle brachte. Nun leben sie mehr schlecht als […]
Trinkwasser, Bier und Spirituosen wurden knapp bei unserem ersten Aufenthalt auf Santa Cruz, ein Nationalfeiertag hatte zu hohem Verbrauch angeregt. Das Versorgungsschiff kam nicht, nur Säfte in Dosen waren übrig geblieben. Abends vergnügten wir uns im einzigen Kino, einem scheunenartigen Gebäude ohne Dach, Holzbänke darin und Fledermäuse. War der Film langweilig, konnte man den herrlichen Sternenhimmel bewundern. Kino in Ecuador ist ein Familienvergnügen, Kinder rennen herum, Essen wird […]
In meinem Lieblingskochbuch steht unter Pekingente der Rat: Nach Peking fahren. Genau so geht es mir mit den Galápagos-Inseln. Ihren Artenreichtum, ihre Einmaligkeit beschreiben zu wollen wäre vermessen, das letzte Paradies muss man erlebt haben. Rund 1000 km westlich von Ecuador liegt die Gruppe von 14 großen und über 100 kleinen und winzigen Inseln im Pazifischen Ozean, durch vulkanische Aktivitäten entstanden, oft deutlich zu sehen. Dann läuft man über bläulich-schwarze Oberflächen mit […]
Friedemann wollte auf die Berge, er, der überaus Sportliche. Das war in dem Land mit fast zwei Dutzend Vulkanen über 3500 m - 12 davon sogar über 5000 m - einfach zu realisieren. Auf den Hausberg von Quito, den Pichincha, ging es noch relativ einfach. Bis zur Plattform auf 4000 m Höhe kam man mit dem Jeep, die restlichen 900 m zum Rand des Vulkankegel waren in ein paar Stunden zu bezwingen, auch wenn die Luft da oben schon weniger, das Steigen anstrengend war. Die Lage der Vulkane am […]
Freund Wolfgang kam und blieb ein halbes Jahr. Wir hatten den Jeep genommen, den Pass hoch auf 4000 m war es kalt, die Serpentinen hinunter wärmer und unten war es heiß, wir nahmen das Verdeck ab. Wir wollten Wolfgang die herrliche Landschaft, die üppige Vegetation in ihrer durch die Höhenunterschiede unendlichen Vielfalt zeigen. Voller Informationen über Alltagswissen, seine begonnene Doktorarbeit, erzählte er die gesamte Andenstrecke hinunter zum Pazifik von seinen angelesenen […]
Wir wollten Zeit sparen, fuhren die paar Stunden bis Shell und kriegten die unregelmäßig fliegende Maschine. Fantastisch war der Ausblick von oben, die kleine Cesna flog niedrig, der Amazonas erstreckte sich bis zum Horizont und weiter. Die Landebahn war eine Piste in den Wald geschlagen, genutzt vom ganzen Dorf. Wäsche lag zum Trocknen aus, Kinder spielten auf der einzig ebenen und geteerten Fläche, Kühe grasten daneben, ein Gewimmel. Zur Warnung ertönt eine Sirene, der Pilot überfliegt […]
Der erste Stoß kam kurz nach 18.00 Uhr. Mit den Jungen zusammen waren wir im Humboldt Haus, dem Deutschen Zentrum. Sportschau vom Wochenende gab es montags und dienstags, aufgenommen auf Video am Wochenende von einem Freund des Hauses in Deutschland, von der Lufthansa am Sonntag mitgenommen. Der Boden fing an zu schwimmen, mir wurde mulmig, kleine Erdbeben hatte ich schon erlebt. Raus hier, unter den Türsturz, dann hörte es auf, wir machten, dass wir nach Hause kamen. Und dann kamen sie, […]
Mutter hatte die Namen der exotische Pflanzen von Opa gelernt, der Gärtner war und sich und seiner Lieblingsschülerin alles selbst beibrachte. Nur waren es zu Hause kleine Topfpflanzen, hier große, üppige Gewächse, die sie bestaunte. Nein, sagte sie, das kann doch nicht sein, ist das eine...? Ach, dass ich das mal sehen darf. Wir waren mit dem Jeep unterwegs, nach Mindo am Westhang der Anden, da, wo der tropische Nebelwald beginnt. Man muss um den Pichincha herum, den aktiven Vulkan und […]