Irgendwann war es Zeit zu gehen, die Ferne rief eher als gedacht. Wir brauchen dich in Angola, sagte der Abteilungsleiter, du bist einer der wenigen, der portugiesisch spricht und Entwicklungsprojekte für die Kleinindustrie kennt. M, übernimm, such im Internet. Sie war nicht begeistert, 27 Jahre hatte der Bürgerkrieg gedauert, war erst kurz vorbei, die Verwaltungsinfrastruktur zusammengebrochen, Krankenhäuser ohne Medikamente und Grundausstattung, Schulen ohne Bücher und Angestellte im […]
Therapie Das mit der Vorstellung, den Überfall als Fernsehaufnahmen zu sehen, distanziert, als wenn es ein fremder Film wäre, das hatte nicht geklappt. Ich konnte mich nicht trennen von dem Ereignis, musste schnell abschalten, fand mich bei der Therapeutin in einer Ecke am Boden kauernd wieder, erzählend. Und konnte plötzlich alles erzählen. Freudig steht in den Notizen: "Gestern Überfall Rio erzählt. Hatte ich noch nie komplett. Hat seine Bedrohung verloren. Was bleibt ist, M verlassen, […]
Tageslauf "Die ganzen Woche gefällt mir. Wache vor 6:00 auf, Liegestützen, Bauchcurls, schwimme, plötzlich gefällt es mir, dieses Gleiten. Heute Morgen Wasserballett 7:15, Thai-Chi, 8:30 Massage; 9:15 Audio-Kommunikation; 14:15 Gruppentherapie, 15:30 Body Building; dazwischen Meditation und Mittagsruhe. Und lesen, lesen, lesen. Hab nur noch Sachbücher, was Anderes hab ich nicht mehr. Gezielt Musik möchte ich auch noch hören." "Gelernt heute: Schweigen und Zuhören geht eher, als 2 Sec warten […]
Die liebe M Die täglichen Telefonate taten nicht gut, landeten immer auf den Sorgen. Notiz: "Mit M telefonieren ist wie einen Korridor in die Alltagslast öffnen. Hinzu kommt, ich kann nichts ändern". Und: "die Telefonate mit M. (sind) so, als würde Wichtiges ungesagt bleiben?" Und: "Telefonate mit M lassen mich oft frustriert und traurig zurück. So wenig positive Sachen in ihrem Leben." Es war ihre schlimmste Zeit. In der Schule lief alles falsch, sie wurde gemobbt sie war eine Wessi, […]
Im letzten Teil hatte ich die Erfahrung mit der Gruppentherapie beschrieben und meine endlosen Bemühungen, selbst was zu ändern. Mit Macht voran gegen die Wand. Es gab auch schöne Zeiten unterbrochen von Rückschlägen Freizeit-Wohlsein. Der Hexenschuss hat nachgelassen. "Gehe spazieren, jawoll! Ich gehe spazieren. Freiwillig. Brauche frische Luft. Das Gedankenkarussell im Kopf springt immer wieder an". Das war eines meiner Probleme, mich nicht konzentrieren können auf den Augenblick. Immerzu […]
Teil I endete mit: Und Probleme des Nervensystems müssen psychologisch behandelt werden. Auch Tinnitus. Dafür war die Gesprächstherapie. Die Gruppe Was wir in der Gesprächstherapie gemacht haben ist nicht mehr in Erinnerung, auch in den Notizen steht nichts. Nur die Zusammensetzung der bunt gewürfelten Truppe mit dem Einheitsproblem. "Anne ist Lehrerin in einer Christlichen Schule. Das, so sagt sie, sei ein Traum zu arbeiten. Andreas, der Eierkopp, ist Bankangestellter, Wolfgang Chef der […]
Zur Begründung der Standort-Wahl am Beginn der Erfurt-Geschichten hatte ich angegeben, wir wollten wissen: Ist der Ossi anders?Ja und nein, lernten wir. Beginnen wir mit dem Nein. Auch sie sind typisch Deutsch geblieben trotz aller Indoktrination. Das als sozialistisch ausgegebene neue Menschenbild war in seinen Grundzügen nichts anders als Kleinbürgerlichkeit mit seinen Tugenden wie Ordnung, Fleiß, Pünktlichkeit, Rechthaberei und Anpassung (nein, nicht geschmeidige, eher nach oben […]
Im ersten Teil habe ich die Freunde Marle&Wolf, Doryth&Michael und Consuelo&Torsten vorgestellt. Jetzt geht es weiter Und dann waren da Sysann (Susi) und Andreas. Sie war Sekretärin der Fraktion im Landtag, er qualifizierte sich weiter, studierte Sozialarbeit, arbeitete daneben auch bei uns im Büro als Seminarassistent, solche Leute musste ich unterstützen, erinnerten sie doch an meinen Lebensweg. In der Nachwuchs-Akademie holte er sich wichtige Bausteine für seine Parteikarriere, kam in […]
Einige Freundschaften hielten. Da waren Wolf und Male, beide Ressource-Personen und Multiplikatoren auch für Veranstaltungen der FES, er Sozialwissenschaftler, Professor, später Rektor der Fachhochschule mit immer neuen Ideen zu aktuellen Themen, sie, Trainerin in Mediation, zentrale Anlaufstelle zur Umsetzung und Verbreitung des Schüler-Schlichter Modells, beide wurden sie diskussionsfreudige Gäste in unseren Jour Fix unterm Dach juchhe. Wir kamen uns auch räumlich näher, hatten ihnen die […]
Wichtige und wichtigtuerische Persönlichkeiten luden wir ein, lernte ich kennen. Thierse erinnerte sich nicht an Rio und den langen Tag, den er uns aufzwang, die Stadt kennen zu lernen, nun ja, wir waren Handlanger für Politikreisende; Karsten Schneider, der junge Bundestagsabgeordnete war Dauergast, waren wir doch eine seiner heimatlichen Plattformen; Thilo Sarrazin, noch Bundesbahnvorsitzender, sollte den Wirtschaftspolitischen Dialog als Serie leiten, sagte - heute wissen wir Gott sei […]
Daraus machen wir ein Buch, sagte Wolf. Wir waren auf dem Rückweg von einer Veranstaltung über Demokratie, hatten weiter diskutiert mit Teilnehmern, fuhren durch eine verzauberte, mondbeschienene Landschaft Nordthüringens, mal sich weit öffnend, mal in Täler sich absenkend, durch Orte, an urigen, baumbestandenen Flussufern entlang, alles menschenleer, wir waren allein auf der Welt. Und hatten immer bessere Ideen, zu humanen Gemeinwesen. Unsere Demokratie, war Wolfs Kredo, ist zwar nicht die […]
So ganz gegen meine Erwartungen verlief die Veranstaltung zum Schulsystem. Auf dem Podium saßen sie, Vertreter der Kultusbürokratie, Lehrer, Gewerkschaft, Schüler. Letzterer gänzlich angepasst an die neue Welt, dunkel im Managerstiel gekleidet, ausgestattet mit allen Attributen der zukünftigen Führungskraft. Er verteidigte das 3-stufige System am vehementesten. Eigentlich alle, auch die aus der alten, 10klassigen polytechnischen DDR-Schule kommenden. Darüber hatte ich meine Diplomarbeit […]
Mit zunehmendem Stress nahm der Tinnitus zu, machte mich reizbarer, war manchmal schwer auszuhalten. Stritt mit M, war unduldsam im Büro, latent aggressiv, durcheinander, Scheiße, es musste mehr passieren als eine Vereinbarung über Arbeitsteilung . Medizinalrätin war sie, die Frau Dr. Ledermann, aufrecht, streitbar, selbstbewusst, der traditionellen Medizin mit einfachen Mitteln zugewandt. Ihr Alter an der Rentengrenze sah man ihr weder an noch würde sie es akzeptieren. Wir mochten sie und […]
Teil 3 Andere interessante Angebote für junge Leute gab es. Da war der Aussteiger aus der rechten Szene mit seiner Schilderung "Ich war einer von ihnen...", voll Wut und Ärger von den Glatzköpfen verfolgt, musste geschützt werden, konnte realitätsnahe erzählen wie er mehr zufällig hineingerutscht war, die Kameradschaft und ihre Zeremonien in Zeltlagern und Wochenendtreffen gut fand, sich hoch diente, Apparatschik wurde, zu zweifeln begann mit mehr Durchblick und aufgab unter dem ungeheuren […]
Teil II Eine andere Ebene war, Lehrern Insider-Informationen zu vermitteln. Was dachten diese Glatzköpfe, was war attraktiv an ihnen für junge Leute, wie waren sie organisiert und vernetzt, welche Musik hörten sie, welches Frauenbild hatten sie und warum ordneten sich Frauen dem unter? Es waren ja nicht nur Glatzen, mittlerweile gab es eine neue Generation von smarten Rechten auch in den Schulen, die intelligent waren, zu argumentieren wussten, die Schwachstellen ihrer Gegner kannten und […]